Der „falsche“ Arzt im Netz

p395289 NEUNsight März 2017

Wer krank ist, sucht Rat bei kompetenten Fachleuten, den Ärzten. Im Internet hat sich eine neue und innovative Form der ärztlichen Konsultation entwickelt, bei der allerdings Vorsicht geboten ist. Denn der Arzt im Netz ist nicht immer ausgebildeter Mediziner. Wir sagen Ihnen, worauf Sie unbedingt achten sollten.

Denn nicht jeder, der sich online als Arzt ausgibt, verfügt über einen Doktortitel und besitzt tatsächlich medizinisches Fachwissen. Bei kleineren Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen mag das Internet durchaus kompetente Ratschläge auf Lager zu haben, eine dauerhafte Selbstmedikation auf der Grundlage von online-Artikeln, ist allerdings nicht  empfehlenswert.

Trotzdem finden sich im Internet abertausende Ärzte, die per Ferndiagnose Krankheiten erkennen und im eigenen Shop per Zufall die passenden Medikamente anbieten. Daher sind die Internet-Doktoren, die sehr schnell Ferndiagnosen stellen, mit Vorsicht zu genießen. Nicht selten gehen diese Ärzte Partnerschaften mit im Ausland operierenden Online-Apotheken ein. Diese wiederum bieten den Patienten dann gefälschte, verschreibungspflichtige Medikamente zum Kauf an. Ärzte, die sich als solche ausgeben und nach wenigen Minuten Gespräch über das Internet irgendwelche Pillen und Präparate verkaufen wollen, sind in der Regel Betrüger.

Inkompetente Laien

Neben denen, die als echter Arzt im Internet agieren und denen, die sich als Arzt ausgeben und im Internet agieren gibt es noch die, die sich nicht als Arzt ausgeben, aber trotzdem für jede Beschwerde die richtige Behandlung parat haben mit weitreichenden Folgen. Anstelle  eines  Arztbesuches wird dann weiter in den Untiefen des Internets geforscht. Krankheiten erfordern aber eine vernünftige Behandlung durch einen echten Arzt, der im Gespräch mit dem Patienten eine Diagnose erstellt und anschließend die passenden Medikamente verschreibt.

Fakt ist auch, dass nur wenige niedergelassene Ärzte in Deutschland Konsultationen über das Netz überhaupt anbieten. Wie eine aktuelle Studie des Arbeitskreises LA-MED zeigte, verzichten zwar mittlerweile nur noch vier Prozent der niedergelassenen  Allgemeinmediziner, Praktiker und Internisten (API) völlig auf die berufliche Nutzung des World Wide Web. Fast drei Viertel der 1007 für die Studie befragten Ärzte ist täglich oder sogar mehrmals täglich online. Während die meisten Ärzte (53 Prozent) zwischen 1 und 5 Stunden pro Woche im Netz verbringt, sind es bei rund einem Viertel (22 Prozent) sogar bis zu 10 Stunden.

Kaum Patientenkontakte online

Sehr skeptisch stehen Ärzte – aller Altersgruppen – dem Austausch mit Kollegen im Internet. Gerade einmal ein Zehntel nutzt diese Möglichkeit einmal im Monat, mehr als 40 Prozent dagegen gar nicht. Und selbst für die Patientenkommunikation wird das Internet kaum genutzt: Knapp mehr als die Hälfte der befragten Ärzte gibt an, das Internet nie für die Kommunikation mit Patienten zu nutzen. Hier scheint es allerdings einen Alterseffekt zu geben. Die jüngeren Ärzte sehen im Netz eher eine Möglichkeit, mit ihren Patienten in Kontakt zu treten. Immerhin 22 Prozent der unter 40-Jährigen nutzt das Internet zu diesem Zweck täglich. Über eine eigene Homepage, auf der die Patienten sich über die Praxis informieren können, verfügen inzwischen 38 Prozent der Ärzte. Social-Media-Angeboten können die befragten Fachgruppen dagegen nicht viel abgewinnen: Einen eigenen Facebook-Eintrag hat gerade einmal 1 Prozent von ihnen. Und mehr als 80 Prozent geben an, Social-Media-Angebote wie Facebook, Xing oder Twitter nie beruflich zu nutzen.

Dieter Wurm

Im Überblick

Nicht jeder Arzt im Netz ist tatsächlich ausgebildeter Mediziner. In vielen Internet-Foren geben aber auch medizinische Laien ihre Ratschläge an Hilfesuchende weiter. In beiden Fällen ist Vorsicht geboten. Achten Sie besonders auf Hinweise, an denen zu erkennen ist, dass die Rat gebende Person keine medizinische Ausbildung hat, Ihnen aber Medikamente zum Kauf über seine Webseite empfiehlt. Grundsätzlich gilt: Eine Selbstmedikation ersetzt keinen Arztbesuch.
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