Surfen im Job – Zwischen Duldung und Kündigung

p395289 NEUNsight Mai 2017

Für die meisten ist es selbstverständlich, im Betrieb morgens schnell die privaten Nachrichten zu checken oder nachzusehen, ob der letzte Rechnungsbetrag abgebucht wurde. Doch Surfen im Büro ist kein verbrieftes Recht und eine juristische Grauzone, in der zwischen Duldung und Kündigung alles möglich ist. Wir geben Tipps zum richtigen Surfverhalten am Arbeitsplatz.

Wer das Internet der Firma für private Zwecke nutzt, riskiert eine Abmahnung, so die grundsätzliche Regelung und die gängige Rechtsprechung. Aus Kulanz gestatten viele Chefs ihren Mitarbeitern jedoch das Surfen am Arbeitsplatz. Oberste Priorität ist allerdings, dass die Arbeit nicht durch das Surfen beeinträchtigt wird. Daher ist es sinnvoll, wenn Mitarbeiter das Thema mit ihrem Chef klären oder eine für beide Seiten verbindliche Regelung schriftlich fixieren.

Konsequenzen hängen von der Schwere des „Vergehens“ ab

Ein internettauglicher Computer am Arbeitsplatz ist daher kein Freibrief für privates Surfen. Ein Chef ist auch nicht dazu verpflichtet, die private Internetnutzung zu gestatten. Trotzdem werden die wenigsten etwas dagegen haben, wenn jemand seinem Partner per E-Mail mitteilt, dass er sich verspäten wird. Da es einem Vorgesetzten nicht gestattet ist, private E-Mails seiner Mitarbeiter zu lesen, kann er deren Surfverhalten schlecht kontrollieren. Sofern der Job gut gemacht wird, sind die meisten Chefs nachsichtig. Auch Webradio hören oder streamen ist am Arbeitsplatz nicht gestattet. Absolut tabu sind Webseiten pornographischen Inhalts. Da sie außerdem die Gefahr bergen, den Computer mit Schadsoftware zu infizieren, sollte ein Mitarbeiter diese Seiten tunlichst meiden. Illegale Downloads sind im Betrieb ebenso tabu. Hierfür kann der Mitarbeiter sogar haftbar gemacht werden. Wird ein Rechner dagegen durch geschäftliche E-Mails infiziert, liegt die Haftung beim Arbeitgeber.

Wann ist privates Surfen am Arbeitsplatz erlaubt?

In den wenigsten Firmen ist die Internetnutzung komplett verboten. Wer zwei Minuten am Tag zum checken seiner E-Mails nutzt, muss auch nicht mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Wird die Großzügigkeit des Chefs jedoch missbraucht, hört für viele Vorgesetzte das Verständnis auf. Wenn Arbeitgeber Surfen und E-Mail-Schreiben gestatten, unterliegt die Kommunikation dem Fernmeldegeheimnis. Dadurch hat der Chef keinen rechtlichen Zugriff auf die Inhalte. Dies gilt auch für zeitlich begrenztes Surfen. Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen wird nach Einzelfall entschieden. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz etwa urteilte, dass eine Stunde Surfen pro Monat kein Grund zur fristlosen Kündigung sei, denn es handele sich nicht um eine ungewöhnlich umfangreiche Nutzung des Internets.

Ist in Ihrer Firma die private Internetnutzung geregelt?

Autorin: Ulrike Kerber

Bild: peshkova (fotolia.com)

Im Überblick

Die private Internetnutzung im Büro ist eine rechtliche Grauzone, die sich allerdings leicht umgehen lässt. Die meisten privaten Internetaktivitäten wie E-Mail und Bankgeschäfte lassen sich heute schon per App mit dem eigenen Handy abwickeln. Gehen Sie auf Nummer sicher und surfen Sie im Büro nur gelegentlich mit ihrem Handy!