Hannover Messe: Mensch oder Maschine?

p395289 NEUNsight Mai 2017

Während der vergangenen Hannover Messe war die Landeshauptstadt Niedersachsens auch die Hauptstadt von Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0., denn das diesjährige Leitthema lautete schließlich: ,,Integrated Industry – Creating Value’’. Die NEUNsight ging auf Trendsuche und fand interessante Ansätze – aber auch Widersprüche für die Zukunft.

Mehr als 6.500 Aussteller zeigten auf der Messe ihre Lösungsvorschläge für die derzeit vielleicht wichtigste Frage, die momentan die Industrie beschäftigt: Wie bereite ich mein Unternehmen für die digitale Zukunft vor? Dementsprechend wimmelte es in den insgesamt 27 Messehallen und an den jeweiligen Ständen nur so von Robotern und digitalisierten Industrieanlagen. Sie sollten den Besuchern in verständlicher Weise darstellen, was passiert, wenn die klassische Produktion auf die hochmodernsten Technologien des Informationszeitalters trifft.

Neue Roboter-Generation

Ein besonderes Highlight der größten Industrieschau der Welt war 2017 definitiv die neue Roboter-Generation Cobots. Die kollaborativen Roboter werden die bisherigen Arbeitsabläufe in den Fabriken in Zukunft fundamental verändern. Auszeichnen tun sich diese durch ihre komplexe Vernetzung, ihre neuartigen Sensoren, ihre künstliche Intelligenz, ihre intuitive Bedienung und einfache Programmierung. Dank dieser Eigenschaften können sie unmittelbar mit Menschen zusammenarbeiten, autonom dazu lernen und sich untereinander Anweisungen geben.

Einen besonders interessanten Trend markierten dabei die bionomischen Leichtbauroboter, deren Konstruktionen die Natur zum Vorbild haben. Die Münchener Firma Festus zeigte beispielsweise den Octopus-Gripper, der wie ein Tintenfisch-Tentakel konstruiert wurde. Ebenfalls im Mittelpunkt standen dieses Jahr die sogenannten Plattformlösungen, die sich konkret mit der Vernetzung der gesamten Produktion inklusive der Sammlung aller wichtigen Daten und späteren Auswertung in der Cloud beschäftigen. Laut den Herstellern lassen sich damit Produkte schneller und somit auch kostengünstiger auf den Markt bringen.

Welche Rolle spielt der Mensch?

Ein weiteres Kernthema war aber, welche Rolle der Mensch in der digitalisierten Fabrik spielen wird. Die ständige Botschaft lautete in diesem Zusammenhang, dass der Mensch immer mehr die Rolle des Problemlösers, Entscheiders und Innovators übernimmt. Allerdings weisen die Hersteller auch immer wieder darauf hin, dass dieser Wandel die Beschäftigten auch vor einige Herausforderungen stellt: Um sich auf die Arbeitswelt 4.0 vorzubereiten, gehöre es in einer modernen Produktionsstätte in Zukunft wie selbstverständlich zum Arbeitsalltag eines Facharbeiters, mit Virtual Reality, Augmented Reality, Datenbrillen und Tabletts umzugehen und diese neuen Arbeitstools selbständig bedienen zu können.

Sollen Roboter in Zukunft immer mehr Aufgaben eigenständig und ohne den Menschen bewältigen?

Autor: Jutta Janssen

Bild: Hannover Messe

Im Überblick

Widersprüchlich sind die Aussagen der Hersteller zum Thema „Welche Rolle spielt der Mensch in Zukunft?“ Selbst wenn immer wieder betont und unterstrichen wird, dass ,,der Mensch der wesentliche Faktor für den Unternehmenserfolg bleibt’’, ist ein Unbehagen vor allem bei Mitarbeitern festzustellen, die direkt mit dem Kollegen Computer arbeiten. In die Sorge um die Zukunft der eigenen Arbeitsplätze mischt sich immer mehr die Verunsicherung vor einem Kontrollverlust gegenüber den intelligenten Maschinen.