Billiger Strom bleibt Utopie!

p395289 NEUNsight Juli 2017

Die Kosten für Strom und Gas waren in den letzten Jahren einer der deutlichsten Posten, wenn es um die Nebenkosten im Haushalt geht. Das lag auch an den stetigen Erhöhungen
der Preise, die von den Stromkonzernen beschlossen und meist mit der Energiewende begründet worden sind. Diese werden, so viele Prognosen, in absehbarer Zeit nicht mehr
sinken. Wir erläutern Ihnen warum und was die Digitalisierung damit zu tun hat!

Einer der wichtigsten Gründe für die stetigen Steigerungen bei den Preisen waren die sogenannten Strukturkosten. Erst einmal mussten die Grundlagen für den geplanten Umstieg bei der Energie geschaffen werden. Kraftwerke mussten gebaut, Speicherlösungen entwickelt und die neuen Kosten des Gesetzgebers getragen werden. Diese Umlagen haben die Betreiber für Strom und Gas beinahe vollständig an ihre Kunden weitergegeben, was besonders in den letzten Jahren zu den ständigen Steigerungen bei den Preisen geführt hat.
Digitalisierung auf dem Vormarsch

„Die Entwicklung des Wettbewerbs, der Ausbau der Infrastrukturen und der Schutz der Verbraucher sind von der fortschreitenden Digitalisierung geprägt“, erläuterte Jochen
Homann, Präsident der Bundesnetzagentur noch im Mai 2017. „Die Digitalisierung verändert die regulierten Märkte. Die Bundesnetzagentur setzt sich mit diesen Veränderungen auseinander und entwickelt die Regulierung weiter, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.“
Netzentgelte steigen weiter

Bei der Vorstellung des Jahresberichts 2016 hatte Jochen Homann zudem keine erfreulichen Nachrichten für Stromverbraucher. „Der Anteil der Netzentgelte am Strompreis wird weiter steigen.“, prognostizierte der Chef der Bundesnetzagentur. Schon jetzt machen diese Gebühren, mit denen die Betreiber die Stromnetze warten und aufrüsten, rund ein Viertel der jährlichen Stromrechnung aus. Die Netzentgelte werden weiter steigen – das ist
zumindest die Prognose der Bundesnetzagentur. Der Grund liegt vor allem in der Energiewende und der damit verbundenen Umrüstung des Stromnetzes.
Kostentreiber: Ausbau der Stromnetze

Von etwa 7.700 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die mit hoher Priorität gebaut werden müssen, sind bisher etwa 850 Kilometer realisiert. Davon entfallen rund 1.800 Kilometer Leitungen, die in Zuständigkeit der Länder geplant werden. Hier sind 950 Kilometer genehmigt und rund 700 Kilometer realisiert. 5.900 Kilometer Leitungen entfallen auf Projekte aus dem Bundesbedarfsplangesetz, von denen rund 450 Kilometer genehmigt und bisher nur 150 Kilometer realisiert sind.
Milliardenteure Stromleitungen

Zum einen liegt das an neuen Stromleitungen, die noch verlegt werden müssen. Hier ist vor allem der so genannte Süd-Link zu nennen. Dabei handelt es sich um Hochspannungsleitungen, die aus Windenergie an der
Küste gewonnenen Strom nach Süddeutschland transportieren. Diese werden nach langer Diskussion nun doch unterirdisch verlegt, was Mehrkosten in Milliardenhöhe verursacht.

 

Autoren: Michael Storks / Hannelore Brecht

Bild: EnBW AG

Im Überblick

Die größten Preistreiber im Strombereich sind politische Faktoren. Der Kernenergieaussteig und das Energieeinspeisungsgesetz (EEG) trieben die Kosten für die Kilowattstunde bis 2014 nach oben. Ab 2014 sank der Strompreis, um ab 2015 wieder zuzulegen. Neben den Milliarden-Investitionen in Stromleitungen müssen weiterhin – bis die neuen Stromleitungen in Betrieb sind – Netzreserven zur Verfügung stehen, die das deutsche Stromnetz in kritischen Situationen stabil halten. Für diese Netzreserve zahlt ebenfalls der Stromverbraucher in Form des Netzentgeltes. In Europa gibt es auf dem Markt für Privathaushalte große Unterschiede bei der Strompreisentwicklung. Deutschland steht mit knapp 30 Cent je Kilowattstunde bereits sehr weit oben. In Großbritannien und den Niederlande liegt der kWh-Preis unter 20 Cent; in Frankreich sind es sogar unter 15 Cent. In Italien zahlt man etwas mehr, aber auch hier liegen die Kosten mit rund 23 Cent unter den deutschen Tarifen.