Das Netz der tausend Gefahren?

p395289 NEUNsight Juli 2017

Wie bewahre ich meine Kinder vor falschen  Chatpartnern, extremistischen Webseiten und Onlinespielsucht? Diese Fragen bewegen Eltern besonders, denn die Gefahren, die Kindern und Jugendlichen im Internet begegnen können, sind vielfältig. Wie Sie Ihre Kinder im wahrsten Sinne des Wortes „beschützen“ können, dazu geben wir Ihnen praktische Tipps.

Zugleich werden jedoch nur wenige Menschen behaupten, dass das Internet nicht auch einen großen Lern- und Sozialraum für junge Menschen bietet. Von der kindgerechten Spieleplattform über die schulklasseninterne WhatsApp-Gruppe bis hin zur gemeinsam genutzten Dropbox für das nächste Gruppenreferat: Kinder und Jugendliche wachsen heute ganz selbstverständlich in zwei Welten auf, die immer mehr miteinander verschmelzen. Eltern haben dabei die schwierige Aufgabe ihr Kind gleichermaßen zu schützen und zu fördern. Was können Sie als Eltern tun? Dabei wollen die nachfolgenden Hinweise eine Hilfestellung geben:

Entwicklung braucht gute Rahmenbedingungen – auch im Internet

Nicht nur für Laufen, Sprechen und Lesen, sondern auch für die Medienkompetenz von Kindern gilt: Entwicklung findet schrittweise statt. Kinder müssen die Inhalte erfassen und verarbeiten können, die ihnen im Onlinegame, auf einer Website oder im Chatportal begegnen. Deshalb sollte eine Einführung in die digitale Welt stufenweise stattfinden:

Stufe 1: Besuchen Sie anfangs Internetseiten nur gemeinsam mit Ihrem Kind. Beobachten Sie, mit welchen Inhalten Ihr Kind gut umgehen kann und wann es Ihre Unterstützung braucht.

Stufe 2: Lassen Sie Ihr Kind auf sicheren, kindgerechten Seiten stundenweise alleine surfen (z. B. indem Sie nur diese Seite im Browser freigeben).

Stufe 3: Ältere Kinder und Jugendliche sollten mehr Freiraum haben. Vereinbaren Sie klare Zeiten für die Internetnutzung und schützen Sie den Rechner Ihres Kindes bzw. den Familienrechner mit einer Jugendschutzsoftware.

Stufe 4: Lassen Sie Ihr Kind im höheren Alter alleine im Internet surfen. Zeigen Sie aber stets Interesse dafür, was Ihr Kind im WorldWideWeb erlebt.

Selbst informieren

Kinder lernen schneller, als Erwachsene. Gerade als Eltern laufen Sie deshalb schnell Gefahr von Ihrem Kind im Wissen um die digitale Welt abgehängt zu werden. Reden Sie mit Ihrem Kind über das, was es im Internet unternimmt und seien Sie sich nicht zu stolz Fragen zu stellen. Informieren Sie sich gegebenenfalls auch selbst bei „Dr. Google“  oder auf speziellen Informationsseiten für Eltern .

Unterschätzen Sie nicht Ihre Vorbildfunktion!

Es ist zwar eigentlich selbstverständlich, dennoch eine Erinnerung: Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion. Achten Sie auf Ihr eigenes Surfverhalten, wann und wie lange Sie online sind und planen Sie sich auch Zeiten ein, in denen Sie bewusst – auch am Handy – „offline“ sind.

 Keine Panik bei Fehlern

Auch auf dem Spielplatz kann Ihr Kind einmal von der Schaukel fallen. Ebenso wird das Erwachsenwerden im Netz nicht ohne „Unfälle“ ablaufen. Bleiben Sie ruhig, wenn Ihr Kind doch auf einer verbotenen Seite gelandet ist, im Chat von einem Fremden ungut angesprochen wurde oder versehentlich ein unpassendes Foto hochgeladen hat. Seien Sie hier Partner Ihres Kindes und nicht Richter. Helfen Sie eine Lösung für das Problem zu finden. Nur so wird sich Ihr Kind auch zukünftig bei Fehlern an Sie wenden.

Welche technischen Hilfsmittel gibt es?

1.) Die Hardware

Hat Ihr Kind kein eigenes Handy, ist der Computer passwortgeschützt oder schaltet sich das WLAN abends aus, können Sie sich verhältnismäßig sicher sein, dass Ihr Kind „offline“ ist. Überlegen Sie sich also gut, wann Sie Ihrem Kind welche Geräte zur Verfügung stellen. Dazu zwei Tipps: a.) Bestimmen Sie, wo der PC aufgestellt wird oder in welchen Räumen das Familien-Tablett genutzt werden darf. Im Wohnzimmer haben Sie eine andere Kontrolle, als im Kinderzimmer. b.) Nutzen Sie eine Handygarage, in der am Abend am besten alle Handys der Familie „schlafen“ gelegt werden. Vor allem im Bett sollte die Handynutzung stark eingeschränkt sein, auch aus gesundheitlichen Gründen.

2.) Die Software

Nutzen Sie auf Ihrem PC eine Jugendschutzsoftware , mit der Sie jugendgefährdende Inhalte vom PC verbannen können.

Arbeiten Sie mit Zeit- und Nutzerkonten und schränken Sie Zugriffsrechte für Ihre Kinder ein. Schalten Sie das WLAN zu bestimmten Zeiten ab.

Auch für Handys gibt es nützliche Apps und Lösungen, wie z.B. eine WhatsApp-SimCard, mit der Ihr Kind zwar in WhatsApp schreiben, sonst aber keine Inhalte aus dem Netz laden kann.

 

Autor: Norbert Becker

Bild: patrick (fotolia.com)

Im Überblick

Im Internet gibt es zahlreiche kindgerechte Suchmaschinen und Websites, die kindgerechte Inhalte bieten. Kindersuchmaschinen wie blinde-kuh.de oder fragfinn.de bieten Ihrem Kind Surfspaß ohne böse Überraschungen. Auf diesen Websites finden Sie weitere nützliche Informationen: • sicher-online-gehen - Seite des Bundesministeriums für Familien • klicksafe.de – EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz