Resilienz – die Gesundheitsvorsorge der Zukunft

p395289 NEUNsight Juli 2017

Resilienz – die Gesundheitsvorsorge der Zukunft

Im Interview mit der NEUNsight zeigt sich Sabine Winterstein, Gruppenleiterin Betriebliches Gesundheitsmanagement der DAK Gesundheit davon überzeugt, dass in Zukunft den so genannten „weichen Faktoren“ wie Stress-Resilienz mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Mit einer fundierten Ausbildung zum „Resilienz Coach“ der  Allensbacher K.O.M. GmbH ist der erste Schritt zum besseren Umgang mit Belastungssituationen getan. Lassen Sie sich coachen!

NEUNsight:

Einige DAK-Mitarbeiter haben die K.O.M.-Ausbildung zu Resilienz Coaches absolviert. Wie beurteilen Sie den Erfolg der Weiterbildung?

Sabine Winterstein:

Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Die Mitarbeiter haben durch die Ausbildung ein umfassendes Verständnis von Resilienz erhalten. Sie können nun eine Standortbestimmung an sich und für andere zum Thema Veränderungskompetenzen und Resilienz vornehmen. Sie sind sensibilisiert für den Umgang mit Stress und können sich und andere für den Umgang mit Belastungssituationen besser vorbereiten. bzw. umgehen. Man konnte das bereits während der Ausbildung beobachten.

NEUNsight:

Ist die Abwehr von berufsbedingtem Stress die Gesundheitsvorsorge der Zukunft angesichts steigender Fallzahlen von psychischen Erkrankungen?

Sabine Winterstein:

Ja aus meiner Sicht ist es sehr wichtig sich dieses Thema in den Unternehmen anzunehmen und Angebote zur Stressreduzierung zu machen. Ich denke aber nicht, dass wir Stress abwehren können im Sinne einer kompletten Reduzierung oder Vermeidung.

Vielmehr ist der reflektierte Umgang, die Möglichkeit die Stressentlastungen zu erkennen, eine gewisse Kontrollüberzeugung und Selbstwirksamkeit zu vermitteln, sind diese Ansätze dazu geeignet den Stress und damit die psychischen Belastungen zu reduzieren. Das sollte der Schwerpunkt bei den Angeboten zur Gesundheitsförderung in den Unternehmen sein.  Die Gesundheitsvorsorge muss in der Zukunft noch viel stärker auf die weichen Faktoren abzielen als auf die Förderung der Bewegung.  Das ist natürlich auch wichtig, geht aber an den Ursachen von Stress oft vorbei.

Hier sollten auch die Organisations-und Prozessabläufe viel stärker Berücksichtigung finden. Und damit sind wir bei auch bei Resilienz. Die psychischen Belastungsfaktoren können durch organisationale und prozessorientierte Resilienz bewältigt werden.

Besonderes Augenmerk sollte dabei auf die Führungskräfte gerichtet werden. Denn Führungskräfte sind für die Mitarbeiter der wichtigste Bezugsrahmen innerhalb des Unternehmens und oft auch der größte Stressfaktor.

Unternehmen sollten Ihr Augenmerk verstärkt auf den Aufbau und Ausbau der erforderlichen Ressourcen richten und Angebote zur Resilienz anbieten. Darin liegt die Gesundheitsvorsorge der Zukunft.

NEUNsight:

Welche Rolle spielt für Sie bei steigenden Fallzahlen die immer weiteren Bereiche erfassende Digitalisierung der Berufswelt und des Privatlebens?

Sabine Winterstein:

Gerade bei der Arbeitswelt 4.0 spielt die Digitalisierung eine besondere Rolle. Durch die Digitalisierung finden aus meiner Sicht die stärksten Veränderungen im Unternehmen statt. Der Fokus wird auf die Erschließung von Kunden und Märkten gesetzt. Die Flexibilisierung durch die digitalen Technologien stellen große Potenziale für die Unternehmen, aber auch für die Mitarbeiter dar. So können die Beschäftigten durch mehr Selbstbestimmung, Gestaltungsspielräume und durch flexible Möglichkeit der Domain-Life-Balance motiviert werden.

Neben den vielen Chancen liegt hier aber auch das Belastungspotential für die Beschäftigten. Permanent erlebbare Phänomene wie die Emailflut, Erreichbarkeit bis spät in den Abend und im Urlaub, permanente Umstrukturierungen und nicht abgestimmte Prozesse von Technologien, Organisationsstrukturen und Menschen verschärfen unter der digitalen Umgestaltung, der veränderten Geschwindigkeit im Berufsumfeld, die Belastungssituation des Einzelnen. Es fehlen die benötigten Phasen der Regeneration und aktiver Kommunikationsarbeit (Thema Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit und Handhabbarkeit.

Und dies führt zu Phänomen wie Überforderung oder sogar Burnout. Hier müssen gezielt die Führungskräfte und Beschäftigten durch Stärkung der Resilienzfähigkeiten gefördert werden.

NEUNsight:

Welche Maßnahmen halten Sie für geeignet, um eine umfassendere Resilienz gegen die neuen Stressfaktoren des Berufslebens aufzubauen?

Sabine Winterstein:

Zum einen sollten Maßnahmen der Kommunikation und der Teamentwicklung, Qualifizierung der Führungskräfte zum Thema Führen auf Distanz und Wertschätzung bei Vertrauensarbeit (Nichtkontrollierbare Leistung durch verstärkte Mobilität), Mitarbeiterbindung und Gesundheitsfürsorge sowie Angebote zur Stressbewältigung und Resilienz für die Beschäftigten angeboten werden. Darüber hinaus sind sicher strukturelle Maßnahmen wie Abschaltung der Accounts ab 18.30 im Zusammenhang mit Handlungs- und Führungsleitlinien sinnvoll. Die DAK-Gesundheit unterstützt hier in allen Bereichen und bietet darüber hinaus mit unseren Resilienz-Coaches auch Resilienz- Beratung an.

NEUNsight:

Wie passt die Ausbildung Ihrer Mitarbeiter zu Resilienz Coaches in ein solches Maßnahmenpaket?

Sabine Winterstein:

Bestandteil eines Resilienz-Coachings ist neben der Auftragsklärung mit dem Unternehmen die Diagnostik und die Ableitung von Maßnahmen zum Aufbau von Resilienz-Faktoren.

Ein wichtiger Schlüssel im Umgang mit den neuen Stressfaktoren besteht darin, die Fähigkeiten zur Selbstregulation bei sich, als Mitarbeiter, und im Unternehmen wahrzunehmen und auszubauen.

Der Resilienz-Coach kann durch gezielte Fragen und Methoden unterstützen, die Handlungsspielräume auszuloten, die persönlichen Aufgaben und das eigene Zeitmanagement zu überprüfen, das soziale Netzwerk zu beleuchten und besser zu nutzen und die Fähigkeit im Umgang mit Enttäuschungen und Druck umzugehen, verbessern.

Dies alles sind wichtige Faktoren um beim Einzelnen einen verbesserten Umgang mit Stress zu erzielen und im Unternehmen können die Erkenntnisse dazu beitragen auch strukturelle und prozessorientierte Veränderungen einzuleiten.

Interview: Michael Storks

Im Überblick

In Zusammenarbeit und unter methodischer Anleitung der Allensbacher K.O.M. GmbH haben sich 13 Mitarbeiter der DAK Gesundheit in einem halben Jahr zu Resilienz Coaches ausbilden lassen. Dabei haben sie sich mit den Auswirkungen von Stress, Stressbewältigungsstrategien, Stimmungsmanagement sowie Resilienz und Ressourcenaufbau beschäftigt. Neben geschützten Methoden der K.O.M. haben die zukünftigen Resilienz-Coachs gelernt, Zieldiagnostik mit Hilfe eines Gesprächs sowie eines Fragebogens durchzuführen und erste Hilfestellung bei der Zielerreichung zu geben. Dabei stand der Präventionsgedanke immer im Mittelpunkt. Dieses Wissen haben sie zwischen den jeweiligen Sitzungen mit Übungen vertieft. Nach einer Prüfung arbeiten die Resilienz-Coachs im Namen der DAK gemeinsam mit der K.O.M. im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements für die Prävention psychischer Belastungen in Unternehmen. Nähere Informationen zur Ausbildung zum Resilienz Coach dazu können angefordert werden unter: info@kom-neun.de