Web-Ethik: Zwischen Moral und Gesetz

p395289 NEUNsight Juli 2017

Die Erstellung einer Homepage ist heute beinahe so einfach zu realisieren wie der eigene Kommentar unter einem redaktionellen Artikel. Da Unmengen an Daten zur Verfügung gestellt und Informationen, besonders unter dem Schirm des Web 2.0, einfach geteilt werden können, wird der Ruf nach einer moralisch-ethischen Verantwortung für das Internet laut. Was das mit Ihnen zu tun hat, erfahren Sie hier!

Das Internet als ein rechtsfreier Raum?

Das Internet hat sich den Ruf erworben ein rechtsfreier Raum zu sein. Gesetze gelten hier nicht oder nur eingeschränkt, so die Auffassung vieler Menschen. An Beschränkungen und rechtlichen Grenzen wurde vom Gesetzgeber zunächst nicht gedacht. Mit fatalen Folgen. Bis die ersten Regulierungen vorhanden und die ersten Urteile mit Blick auf das Internet gesprochen waren, hatte sich das Netz in seinen Grundformen bereits gefestigt und die landläufige Meinung der Rechtsfreiheit war – fälschlicherweise entstanden. Auch wenn sich die Internet-Community gegen Regulierungen wehrt, Grenzen sind gesetzt und im Hinblick auf Datenschutz, Urheberrecht und Verleumdungen wurden in den letzten Jahren Urteile gesprochen und Gesetze geschaffen. Doch nun sollen die Internet- Professionals auch ihre ethische Verantwortung für Inhalte und Aussagen hinterfragen.

Die Ethik im Internet – wie sieht sie aus?

Natürlich sind die ethischen Grundsätze für aktive Teilnehmer des Internets nirgendwo festgeschrieben. Besonders unter dem Eindruck der jüngsten Entwicklungen – Deregulierung von Datenschutz, Fake-News und steigende Piraterie – stellt sich die Frage, wie eine freiwillige  Selbstregulierung aussehen kann. Dabei geht es nicht einmal um klare Gesetzesverstöße, etwa Verleumdungen von Personen im Netz, Cyber-Mobbing oder Online-Piraterie. Vor allem geht es darum, dass den Menschen klar wird, was für einen Einfluss sie auf die Meinungsbildung der Gesellschaft haben.

Grundlage Medienethik

Die Digitale Ethik ist laut dem Institut für Digitale Ethik eine Erweiterung der allgemeinen Medienethik. Sie versucht, Verhalten im digitalen Leben („Onlife“) auf seine Verantwortbarkeit hin zu untersuchen und reflektiert die Bedingungen für ein gutes, gelingendes Leben. Zu den Aufgaben einer Digitalen Ethik gehört es, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft und den Einzelnen zu diagnostizieren und konsistente Begründungen für moralisches Handeln und normative Standards zu erarbeiten. Des Weiteren kann sie bei Werte- und Normenfragen, die mit neuen Technologien und den daraus resultierenden sozial-kommunikativen Praktiken verbunden sind, als Navigationsinstrument dienen. Ihr Ziel ist es, eine wertebezogene Digitalkompetenz zu fördern.

Sollten Inhalte im Netz moralisch überprüfbar sein und ethischen Grundsätzen entsprechen?

Autorin: Jana Münzer

Bild: fotoscool (fotolia.com)

Im Überblick

Die Web-Ethik ist ein neuer und noch weitgehend unbeschriebener Ansatz, der dafür sorgen soll, dass Content-Produzenten sich mehr um die Wahrheit und weniger um die Klicks kümmern sollen. Das ist natürlich, wie bei normaler Ethik, noch ein Wunschgedanke, könnte sich aber langfristig zu einem Leitfaden entwickeln, der das zügellose Weiterverbreiten von ungeprüften Informationen und absichtlich eingestellten unrichtigen und längst strafbaren Inhalten einen moralischen Riegel vorschiebt.