Wirtschaftsspionage: Digitalisierung öffnet neue Ziele

p395289 NEUNsight Juli 2017

Zwei von drei Industrieunternehmen (69 Prozent) sind in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotage geworden. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben. Wir geben Tipps und erläutern, wie Unternehmen sich schützen sollten und was in Zukunft getan werden muss.

Datendiebstahl, Spionage und Sabotage verursachen nach Berechnungen des Bitkom einen Schaden in Höhe von 22,4 Milliarden Euro pro Jahr. Einen großen Teil dieser Summe machen Umsatzverluste durch Plagiate sowie Patentrechtsverletzungen aus. Es folgen Umsatzeinbußen durch den Verlust von Wettbewerbsvorteilen sowie Kosten für Rechtsstreitigkeiten. Ein weiterer Posten sind Ausgaben für die Ersatzbeschaffung von gestohlenen ITK-Geräten sowie Kosten, die durch den Ausfall von IT-Systemen oder die Störung von Betriebsabläufen entstehen. Ein weicher Faktor mit großem Gewicht sind Imageschäden, die als Folge von Sicherheitsvorfällen eintreten.

Täterschwerpunkt: die eigenen Mitarbeiter

Die Täter sind in den meisten Fällen die eigenen Mitarbeiter: Fast zwei Drittel (65 Prozent) der betroffenen Unternehmen sagen, dass aktuelle oder ehemals Beschäftigte für die Taten verantwortlich waren. Bei einem Drittel der Befragten kamen die Angriffe aus dem unmittelbaren Umfeld von Kunden, Lieferanten oder Dienstleistern. Wettbewerber waren bei 16 Prozent der Unternehmen für die Taten verantwortlich. Immerhin 14 Prozent erklärten, dass organisierte Banden hinter den Attacken stecken. Überraschend ist, dass ausländische Geheimdienste nur in 6 Prozent der betroffenen Unternehmen als Täter identifiziert werden konnten.

Ansatzpunkte zu mehr Sicherheit

Mit der Vernetzung von Maschinen über das Internet und dem Trend zur digitalen Fabrik ergeben sich für die Wirtschaft neue Herausforderungen bei der IT-Sicherheit. Aus Sicht des Bitkom sollten Unternehmen an folgenden Punkten ansetzen:

Technische IT-Sicherheit steigern: Eine Basisabsicherung mit Virenscanner, Firewall und Passwort-Schutz für Geräte reicht nicht mehr aus. Zusätzlichen Schutz bieten spezielle Systeme für die Erkennung und Abwehr von Angriffen, die Verschlüsselung sensibler Daten und erweiterte Verfahren der Benutzeridentifikation.

Organisatorische Sicherheit erhöhen: Dazu gehören unter anderem Regelungen, wer im internen Netzwerk auf welche Daten zugreifen darf und wer Zutritt zu sensiblen Bereichen eines Unternehmens bekommt. Zudem sollte es einen Sicherheitsbeauftragten geben, der diese Maßnahmen anstößt und überwacht. Ein Notfallmanagement ermöglicht eine schnelle Reaktion im Krisenfall.

Personelle Sicherheit verbessern: Die Mitarbeiter müssen die Zusammenhänge und Gefahren kennen und verstehen, um auf immer besser werdende Angriffe vorbereitet zu sein.

Sicherheitszertifizierungen anstreben: Sie verlangen von Unternehmen, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. In der Praxis sind sie ein geeignetes Mittel, um höhere Sicherheitsstandards im gesamten Unternehmen zu etablieren.

Ist Ihr Unternehmen schon Opfer von Wirtschaftsspionage geworden?

Autor: Michael Storks

Bild: CrazyCloud  (fotolia.com)

Im Überblick

Die Umfrage zeigt auch, dass es in vielen Unternehmen Sicherheitsdefizite gibt. Der größte Nachholbedarf besteht aus Sicht des Bitkom beim Personal. Nur ein Viertel (25 Prozent) aller Industriebetriebe bietet seinen Mitarbeitern Schulungen zu Sicherheitsthemen an. Selbst in großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sind es nur 30 Prozent. Ein Drittel (33 Prozent) führt vor der Besetzung sensibler Positionen so genannte Background-Checks durch, bei denen Informationen über die Bewerber eingeholt werden. 7 Prozent nutzen ein Hinweis-System (Whistle-Blowing-Tool), mit dem verdächtiges Verhalten anonym gemeldet werden kann.