Der Abgabenstaat: Wo sich verdeckte Steuern verbergen!

p395289 NEUNsight August 2017

Knapp 690 Milliarden Euro haben der Bund, die Länder und die Kommunen 2016 an Steuern eingenommen. Der Großteil sind direkte Steuern wie die Einkommens- und Lohnsteuer. Nicht ganz unerheblich zum Milliardenergebnis tragen die indirekten Steuern bei, deren Grundlage manchmal überraschend ist. Wir sagen Ihnen welche dies sind.

Die meisten Menschen denken zunächst, dass die Steuereinnahmen des Staates sich auf die Lohn-und Einkommensteuer (zusammen etwa 240 Milliarden Euro in 2015) beschränken. Ab und an fällt eine Erbschaftssteuer (rund sechs Milliarden Euro) an und bei hohen Benzinpreisen ärgert man sich über die irrsinnig hohe Mineralölsteuer (2016 rund 40 Milliarden Euro), ansonsten aber hält man das Zahlen von Steuern hiermit für erledigt. Ein Abgabenstaat wie der deutsche Staat kassiert jedoch in zahlreichen anderen Lebenslagen seine Bürger ab.

Mehrwertsteuer ist größte Einnahmequelle

Die direkten Steuern, also Lohn- und Einkommensteuer, machen mitnichten den größten Teil der Staatseinnahmen aus. Hierfür sorgt in erster Linie die Mehrwertsteuer (Aufkommen 2016: 160 Milliarden Euro). Wann immer die Bürgerinnen und Bürger Teile ihres Einkommens aufbringen, um sich Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen, tritt der Staat auf den Plan und kassiert im Regelfall 19 Prozent des Kaufpreises ab. Diese Verbrauchssteuern werden als indirekte Steuern bezeichnet und machen den größten Teil der Einnahmen des Staates aus.

Verdeckt oder nicht?

Es ist eine Definitionsfrage, ob man die Mehrwertsteuer als eine verdeckte Steuer bezeichnen will, da sie zumindest auf der Rechnung im Supermarkt ausgewiesen wird. Dies gilt indes nicht für verschiedene Sondersteuern: Die Tabaksteuer (2016 rund 14 Milliarden Euro) wird auf der Zigarettenschachtel nicht genannt, ebenso wenig die Alkoholsteuer (rund 3,5 Milliarden Euro) auf der Bier- oder Weinflache. Dass bei all diesen Abgaben auch noch ein Solidaritätszuschlag zusätzlich in Rechnung gestellt wird, unterstreicht erst recht den Eindruck, dass es sich bei der Bundesrepublik um einen Abgabenstaat handelt.

Der „Soli“ lebt immer noch!

Immerhin sei bedacht, dass der Solidaritätszuschlag (2016 rund 15 Milliarden Euro) ursprünglich zur Deckung der Kosten der deutschen Einheit für vier Jahre angelegt war und zwar im Jahre 1990. 2017 wird er noch immer erhoben und längst hat die Politik entschieden, den Soli durch einen Soli West zu ersetzen. Bundesfinanzminister Schäuble brachte sogar einen „Flüchtlings-Soli“ ins Spiel, ruderte aber sofort zurück, als er das verheerende Echo in der Öffentlichkeit gewahrte. Trotzdem wird uns der Solidarbeitrag für wen auch immer bis ans Lebensende begleiten.

Eine Steuer aus Kaisers Zeiten

Die mit Abstand kurioseste verdeckte Steuer in Deutschland ist die sogenannte Sektsteuer: Eine verdeckte Abgabe (rund 500 Millionen Euro jährlich) auf verschiedene vermeintliche Luxusgüter. Diese Steuer wurde im Kaiserreich erhoben, da das Deutsche Reich Großbritannien zur See herausfordern wollte. Der Aufbau einer Schlachtflotte mit Linienschiffen etwa der Kaiser- und der Königin-Klasse endete bekanntermaßen in einem Debakel und die Schiffe versenkten sich letzten Endes selbst – im Jahre 1919. Noch heute, also fast 100 Jahre später, bezahlt, wer etwa an Silvester einen Sekt trinkt, die buchstäblich versunkenen Weltmachtträume von Wilhelm II. und seinem treuen Admiral Scheer.

Autor: Birger Dellmann

Bild: fuxart (fotolia.com)

Im Überblick

Die Steuer-Einnahmen des Bundes, der Länder und der Kommunen teilen sich in direkte und indirekte Steuern auf. Fast auf alle Bereiche des täglichen Lebens werden Steuern erhoben, deren Grundlagen häufig längst überholt sind, aber trotzdem nie abgeschafft wurden. Manche indirekte Steuer ist eher als flexible und zumeist verdeckte, da nicht ausgewiesene Abgabenart zu bezeichnen, deren Höhe und Berechnungsgrößen sich immer wieder ändern können.