Ein neuer Knigge für das Internet!

p395289 NEUNsight August 2017

Die „Generation Internet“ lässt es an so manchem fehlen. Ehemals erlernte Umgangsformen und die Achtung vor dem jeweils anderen, gehören beispielsweise dazu. Was fehlt ist eine Richtschnur für das eigene Verhalten im Internet – ein neuer Knigge ist vonnöten. Ein Plädoyer für gutes Benehmen im World Wide Web!

Die immer noch so genannten „neuen“ Medien bieten ihren Usern eine lange Liste von Vorteilen – beginnend bei der schnellen Vernetzung, einem millionenfachen Austausch von Daten sowie einen bunten Strauß jederzeit verfügbarer Bilder. Leider landet im Netz aber nicht nur Nützliches, sondern ebenso eine Menge sinnloser Kommentare bis hin zu Hass-Botschaften. Seit langem ist bekannt, dass über „Hate“-Bemerkungen auf Facebook ganze Existenzen vernichtet werden.

 

Cyber-Mobbing

Gerade Schüler und Jugendliche sind extrem verunsichert, wenn über sie im Internet gelästert wird. Dieses rücksichtslose „Cyber-Mobbing“ hat sogar mehrfach dazu geführt, dass junge Menschen sich umgebracht haben: Sie waren der Meinung, mit der nun allgemein zugänglichen Schande nicht weiter leben zu können. Diese Entwicklung ist in der Tat Besorgnis erregend und sollte uns dazu animieren, unsere Gewohnheiten am heimischen Rechner zu überdenken. Denn was einmal im weltweiten Netz gelandet ist, das lässt sich daraus nur mit Mühe wieder entfernen – und eventuell funktioniert das überhaupt nicht.

 Knigge lässt grüßen

Vielen ist überhaupt nicht bewusst, wie stark die Auswirkung ihrer Bemerkungen auf Twitter, Google plus, Instagram, Reddit & Co sein kann. Daher kritisieren sie leichtfertig den Kleidungsstil sowie den schulischen oder beruflichen Erfolg ihrer Bekannten. Es sollte zwar keine Behörde geschaffen werden, die alles und jedes im Netz zensiert. Dennoch muss es Leitlinien geben, welche hier eine Orientierung schaffen. Freiherr Adolph Knigge erteilte in seiner Schrift „Über den Umgang mit Menschen“ bereits 1788 detaillierte Benimmregeln. Darin war etwa aufgeführt, wie man sich bei Tisch benehmen sollte oder wie ein Herr mit einer Dame umzugehen hatte.

Grenzen der Freiheit

Weil es genügend schwarze Schafe gibt, die auf den Ruf anderer keinerlei Rücksicht nehmen, ist es an der Zeit, einen „Netz-Knigge“ zu entwerfen. Dieser sollte den Surfern im „WWW“ klar machen, dass es Grenzen gibt, was die eigene Meinungsfreiheit betrifft. Zwar sollte sich jeder nach Lust und Laune äußern dürfen. Allerdings darf dadurch kein Zweiter in seiner Ehre verletzt oder persönlich angegriffen werden. Die Social Media wurden schließlich nicht entwickelt, damit man seine Mitmenschen uneingeschränkt und straflos drangsalieren darf. Vielmehr handelt es sich beim Internet um den Versuch, rund um den Globus eine miteinander vernetzte Gemeinschaft zu bilden.

Autor: Frank Altmann

Bild: momius (fotolia.com)

Im Überblick

Eine miteinander vernetzte Gesellschaft kann und darf nicht moralfrei existieren. Ein Kompendium für das Netz-Zeitalter würde allen Usern vor Augen führen, wie weit sie bei Ihren Kommentaren zu Aussehen oder Verhalten anderer Personen gehen dürfen. So ein - natürlich stark aktualisierter – „Knigge“ könnte der „Generation Internet“ wertvolle Tipps und Hinweise für ihren Aufenthalt in den Social Media-Kanälen liefern.