Innovationsmüdigkeit: Wenn Erfolg zur Trägheit führt

p395289 NEUNsight August 2017

„Deutsche Unternehmen sind exportmüde geworden“. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die 1500 Fragebögen von internationalen Topmanagern ausgewertet hat. Deutsche Unternehmen handeln zwar innovativ, stellen dies aber nicht so stark nach außen hin wie beispielsweise amerikanische Unternehmen. Die NEUNsight stellt weitere Studien vor, die ebenfalls eine Innovationsmüdigkeit der deutschen Wirtschaft darstellen und erläutert, was dies für Sie bedeutet!

In der Studie wird festgestellt, dass nur eine breitgefächerte Innovationsoffensive für die deutschen Unternehmen, eine Erweiterung des Produktangebots über die Kernkundschaft hinaus sowie eine Erweiterung der Angebote aus der digitalen Welt, die Innovationsmüdigkeit überwindet. Dass die Umorientierung auf digitale Prozesse dabei eine gewisse Priorität hat, belegen auch die nach Meinung der von der Boston Consulting Group  befragten Topmanager der innovativsten Unternehmen weltweit. Während der Konzern Bayer auf Platz 11 von den deutschen Konzernen den höchsten Platz einnimmt und andere ebenso klassisch ausgerichtete deutsche Großunternehmen wie BMW (von Platz 14 auf 7), Daimler (von 16 auf 10), die Allianz Versicherung (von Platz 25 auf 33) sowie Siemens (von Platz 30 auf 45) massiv an Boden verloren haben, befinden sich neben dem koreanischen Technologiekonzern Samsung überwiegend US-amerikanische Spitzenunternehmen aus diesem rasant wachsenden Wirtschaftszweig.
Innovationsatlas 2017

Ein etwas differenzierteres Bild zeichnet der IWF-Innovationsatlas 2017, in dem die Anstrengungen hervorgehoben werden, die Deutschland auf dem Gebiet der Innovationsförderung im Vergleich zu den meisten EU-Staaten unternommen hat. Während die EU sich 2000 das Ziel gesetzt hat, dass alle Mitgliedsstaaten bis 2020 ihren Anteil an Forschung und Entwicklung auf 3 Prozent erhöhen, das die EU als Wirtschaftsraum insgesamt auch heute noch klar verfehlt, haben laut Studienentwicklern gerade auf diesem Bereich die Deutschen derart große Anstrengungen geleistet, dass sie 2015 das Ziel erfüllen konnten, und das bei einer Selbstfinanzierung der Unternehmer über dem geforderten Anteil von 66,7%.

Innovations-Unterscheide in den Branchen

Als Problem wurde in der Studie erkannt, dass die deutschen Spitzenunternehmen in der Branche der Automobilindustrie im Hinblick auf ihre Innovationsfähigkeit mit einem solchen Abstand zu den anderen Branchen „performen“, dass eine stärkere Diversifizierung angemahnt wird. Zudem wird angesichts des Digitalen Zeitalters auf die Notwendigkeit verwiesen, dass deutsche Unternehmen gerade im Bereich der Neugründungen in der Technologiebranche deutlich aktiver werden müssten, weil Erfolge in dieser Branche den stärksten Ausschlag auf globale Wettbewerbsfähigkeit und Volkswirtschaft geben. Die Zahl der deutschen Neugründungen in diesem zukunftsträchtigen Bereich sind im internationalen Maßstab aber gering und sogar rückläufig, und dies könnte sich angesichts der Bedeutung der Technologiebranche negativ auf die Bewertungen durch die 1500 Topmanager ausgewirkt haben. Denn Digitalisierung ist längst nicht mehr nur ein wirtschaftlicher Teilbereich, sondern betrifft längst alle Bereiche des Lebens einschließlich jedes einzelnen Unternehmens.

Mittelstand liegt zurück

Allerdings nimmt der deutsche Mittelstand immer weniger an dieser historischen Technikoffensive teil, besagte der „Innovationsreport“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Nur 48 Prozent von 1.000 befragten Mittelständlern haben 2016 mehr in Innovationen investiert, während fünf Prozent Kürzungen geplant hatten. Im Vergleich: 2010 trennten „Ausbauer“ und „Kürzer“ unter den Mittelständlern noch 58 Prozentpunkte, heute nur noch 43. Über die letzten fünf Jahre lässt sich also Innovationsmüdigkeit diagnostizieren. Unter den kleinen Mittelständlern bis 250 Mitarbeiter wollen laut DIHK-Befragung sogar nur 41 Prozent in diesem Jahr mehr in technologische Neuerungen investieren. „Deutschland droht im internationalen Wettbewerb zurückzufallen, wenn sich immer mehr kleine und mittlere Unternehmen aus dem Innovationsgeschehen zurückziehen“, warnte bereits 2016 Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des DIHK.

Greise in der Chefetage

Und ein weiter Fakt gibt Grund zur Sorge. Immer mehr Firmenchefs sind älter als 70 Jahre. Denn je älter der Chef, desto geringer die Innovationen, zeigt die Demografie-Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit steigendem Alter des Firmenpatriarchen sinkt auch dessen Investitionsbereitschaft. „Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“, fasste KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die Studienergebnisse zur letzten Mittelstandstudie zusammen. Einen Namen hat die Weigerung vieler Firmenpatriarchen auch schon: Das „Prinz-Charles-Phänomen“.

Nur mit externer methodischer Hilfe lässt sich die Innovationsmüdigkeit bekämpfen. Die Allensbacher K.O.M. GmbH hat mit der wissenschaftlich gesicherten Beratungsmethode „Speednovation®“  ein Tool entwickelt, das einerseits die schnelle Innovations-Umsetzung garantiert und dabei die psychologischen Aspekte, die einer Neuausrichtung im Wege stehen können, berücksichtigt und gezielt beseitigt.

 

Autoren: Hannelore Brecht / Michael Storks

Bild: momius (fotolia.com)

Im Überblick

Mehrere Studien belegen übereinstimmend eine Innovationsmüdigkeit der deutschen Wirtschaft. Diese ist angesichts des technologischen Wandels und der globalisierten Digitalisierung ein Warnsignal. Wenn Investitionen und innovative Produkte und Dienstleistungen ausbleiben, kann auch eine bisher so erfolgreiche Wirtschaftsnation wie Deutschland auf kurze Sicht international zurückfallen. In vielen Fällen lässt sich die Innovationsmüdigkeit nur mit externer Hilfe überwinden.