Mittelstandsanleihen – eine sichere Anlage?

p395289 NEUNsight August 2017

Der Boom der Anleihen, die mittelständische Unternehmen begeben, hat sich gelegt und die Euphorie der Anleger ebenso. Viele Anleihen sind geplatzt und die Investoren haben ihr Geld komplett oder teilweise verloren. Auch sind die Zinsversprechen der Unternehmen vielfach nicht eingehalten worden. Was hinter den Anleihen steckt und wie sicher solche Investments sind, hat die NEUNsight untersucht.

Die Anleihe ganz allgemein ist ein verzinstes Wertpapier. Für den Gläubiger handelt es sich dabei um eine Kapitalanlage, wohingegen der Schuldner auf diese Weise seine finanzielle Situation verbessert. Eine eigene Form der Anleihe ist die Unternehmensanleihe, auf Englisch Corporate Bond. Innerhalb des Unternehmertums werden Mittelstandsanleihen von kleinen und mittelständischen Unternehmen herausgegeben. Die KMU grenzen sich mit ihrer Bilanzsumme sowie mit der Mitarbeiterzahl von den Großunternehmen ab. Mittelständische Firmen können sowohl Familienunternehmen als auch Kapitalgesellschaften sein. Für den Anleger stellt sich allerdings nur die Frage, wie sicher sein Investment in KMU generell ist.

Ungenügende Informationen

Ein mögliches Risiko liegt in dem gegenüber Großunternehmen deutlich geringeren Emissionsvolumen. Das hat in der Regel zur Folge, dass ein Börsenhandel kaum stattfindet. Der wirtschaftliche Mittelstand wird insofern so gut wie gar nicht von den international namhaften Ratingagenturen, sondern von nationalen, den deutschen Agenturen bewertet; wenn überhaupt. Der Anleger muss sich also mit wenigen sowie mit wenig aussagefähigen Informationen begnügen. Diese Situation ist für beide Seiten unbefriedigend. Das Unternehmen tut sich schwer damit, Käufer für seine Mittelstandsanleihe zu finden. Vereinfacht gesagt kann es problematisch sein, die gewünschte oder benötigte Liquidität durch das Ausgeben der Anleihe zu erzielen. Zu den Anlegern und Interessenten gehören in erster Linie natürliche Personen des Privatrechts, also Privatinvestoren, und weniger institutionelle Anleger.

Längere Laufzeiten – höheres Ausfallrisiko

Ein weiteres Charakteristikum von Mittelstandsanleihen ist die deutlich längere Anlage- und Haltezeit gegenüber den Industrieanleihen. Bei einer durchschnittlichen Laufzeit von fünf Jahren ist der Größenumfang einer Mittelstandsanleihe auf 100 bis 150 Mio. Euro begrenzt. Gängige Praxis sind Teilschuldverschreibungen mit einem Nominalwert ab 1.000 Euro aufwärts. Als Fazit bleibt festzustellen, dass Mittelstandsanleihen gegenüber anderen Industrieanleihen, auch aufgrund eines zweifellos vorhandenen erhöhten Risikos, deutlicher besser, sprich höher verzinst werden. Andererseits ist die statistische Ausfallquote von bundesweiten Mittelstandsanleihen seit Mitte der 2000er-Jahre, also im vergangenen Jahrzehnt mit etwa 25 Prozent recht groß und gibt zu denken. Ein solches Risiko ist bei börsennotierten Unternehmen eher unbekannt. Dem Anleger sollte bewusst sein, dass er sich bei einer auch noch so lukrativen Mittelstandsanleihe auf dünnes Eis begibt; oder anders gesagt, sie kann im Einzelfall zu einer riskanten bis hin zu hochriskanten Kapitalanlage werden.

Autor: Frank Zappel

Bild: Deutsche Börse AG

Im Überblick

Mittelstandsanleihen sind durch viele Pleiten seit 2010 in Verruf geraten. Zinsversprechen von bis zehn Prozent konnten von den Unternehmen nicht eingehalten werden und manche mittelständische Firmen sind durch die Last der Zinsen in die Insolvenz gegangen. Nur noch wenige und damit meist risikoreiche Anleihen bieten heute mehr als 5 Prozent Zinsen an. Große Unternehmen liegen mit ihren Anleihen bei gerade mal 1,5 Prozent und darunter.