Protektionismus: Wenn wirtschaftliche Sicherheit Jobs kostet

p395289 NEUNsight August 2017

Donald Trump ist mit seinen Wahlkampfversprechen, den amerikanischen Markt zu schützen, zum Präsidenten gewählt worden. Emmanuel Macron fordert eine ausgewogenere deutsche Handelsbilanz und erwägt protektionistische Maßnahmen. Weltweit schotten sich zunehmend Märkte ab – mit unabsehbaren Folgen für den deutschen Export. Lesen Sie was dies für Sie bedeutet!

Deutschland ist Weltmeister; noch Fußballweltmeister, und auch noch Exportweltmeister. So wird nämlich derjenige Staat bezeichnet, der „innerhalb eines Jahres weltweit den höchsten Gesamtwert an Waren exportiert“. Des einen Freud ist des anderen Leid. Je mehr exportiert, also umgekehrt importiert wird, desto negativer sind die Auswirkungen auf die Wirtschaftssituation des Importlandes. Das wird in diesen Monaten in dem Wirtschaftsverhältnis zwischen Deutschland und den USA besonders deutlich. Die US-Wirtschaftskraft leidet mit Produktion und Handel unter den importierten Waren aus Deutschland, buchstäblich „made in germany“. Der US-Präsident greift zu einem der letzten wirksamen Mittel, zum Protektionismus seiner Binnenwirtschaft.

Gravierende Auswirkungen

Das lateinische Wort protectio heißt ins Deutsche übersetzt Schutz. Der Protektionismus sind auf dem ökonomischen Sektor „alle Maßnahmen in Form von Handelshemmnissen, mit denen der Staat versucht, die ausländischen Anbieter auf seinem Inlandsmarkt zu benachteiligen, um den zu schützen“. Die Auswirkungen für die Exportnation, in diesem Fall für Deutschland, sind gravierend. Der Handel basiert auf einem Ausbalancieren von Angebot und Nachfrage. Angeboten werden kann nur das, was nachgefragt wird. Danach richtet sich die Produktion mit allen daran beteiligten Wirtschaftszweigen. Sinkt die Nachfrage durch Protektionismus, beispielsweise durch hohe Zölle oder durch Importbeschränkungen bei Qualität beziehungsweise Quantität, dann hat das direkte Auswirkungen auf den Export, und in der Folge auch indirekte auf die Produktion. Ein Produzieren auf Halde, also auf unverkauften Vorrat, ist nur dann sinnvoll, wenn in absehbarer, kalkulierbarer Zeit mit einem Abverkauf zu rechnen ist. Ansonsten ist eine Produktion unwirtschaftlich. Sie verursacht Ausgaben, ohne dass Einnahmen generiert werden.

Langsamer Prozess

Wenn die USA ihre Marktwirtschaft durch Protektionismus schützen und in diesem Fall Deutschland deutlich weniger als bisher dorthin exportieren kann, dann wird automatisch die Produktion reduziert. So werden zum Beispiel weniger Autos gebaut oder geringere Stahlmengen produziert. An dieser Stelle „geht es an die Jobs“ in der deutschen Wirtschaft. Eine geringere Stückzahl an Autos zu montieren heißt auch, dass weniger Bauteile für Karosserie, für Innenausbau und dergleichen gebraucht werden. Auch hier, also bei der Zulieferindustrie, wirkt sich der Protektionismus auf die Jobs aus. Zunächst beginnt es mit Kurzarbeit, dann folgt ein schrittweiser Jobverlust; erst bei den Leih- und den Zeitarbeitern, anschließend bei den festangestellten Mitarbeitern. Die wirtschaftliche Globalisierung macht es tatsächlich möglich, dass ein in Washington beschlossener Protektionismus den Fließbandarbeiter in der niedersächsischen VW-Stadt seinen Job kosten kann.

Autor: Dieter Leicht

Bild: Ideenkoch (fotolia.com)

Im Überblick

Wirtschaftlicher Protektionismus ist für eine Exportnation wie Deutschland volkswirtschaftlich schädlich. Schotten sich große Volkswirtschaften wie die USA und China ab, sind die Auswirkungen weltweit zu spüren. Rein statistisch gesehen hängt in Deutschland jeder vierte Arbeitsplatz vom Export ab. Seit 1952 wurden in jedem Jahr bis heute mehr Waren aus Deutschland ausgeführt als eingeführt. In den dreizehn Jahren von 2004 bis 2016 lag der Handelsbilanzüberschuss dabei zwölfmal bei mehr als 150 Milliarden Euro. 2016 wurde ein neuer Rekordüberschuss bei der Handelsbilanz erzielt: Der Wert der exportierten Waren war 252 Milliarden Euro höher als der Wert der importieren Waren.