Seltene Steuerarten: Zwischen Bier und Rotlichtviertel

p395289 NEUNsight August 2017

In Deutschland existieren wie in vielen anderen Staaten teilweise kurios anmutende Steuerarten. Wir stellen Ihnen einige mehr oder weniger bekannte und unbekannte deutsche Steuerarten vor, von denen manche seit dem Mittelalter erhoben werden.

Biersteuer

Die erste Biersteuer wurde schon im Mittelalter erhoben. Der Biersteuer unterliegen Bier aus Malz sowie Mischungen von Bier mit nichtalkoholischen Getränken. Alkoholfreies Bier mit einem Alkoholgehalt bis maximal 0,5 Volumenprozent unterliegt nicht der Biersteuer. Die Höhe der Biersteuer richtet sich nach dem Stammwürzegehalt des Bieres. Das Steueraufkommen aus der Biersteuer ist seit Jahren rückläufig und betrug im Jahr 2016 678 Millionen Euro.

Alkopopsteuer

Spirituosenhaltige Süßgetränke, sogenannte Alkopops, unterliegen in Deutschland zum Schutz junger Menschen einer Sondersteuer. Diese Alkopopsteuer wird seit 2004 zusätzlich zur Branntweinsteuer erhoben. Sie führt zu einem jährlichen Aufkommen von rund zwei Millionen Euro. Dieses Aufkommen wird zur Finanzierung von Maßnahmen zur Suchtprävention verwendet.

Kaffeesteuer

Auch auf Kaffee und kaffeehaltige Waren wird in Deutschland eine Verbrauchsteuer erhoben. Sie beträgt für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm. Das Aufkommen aus der Kaffeesteuer betrug im Jahr in Deutschland 1,04 Milliarden Euro.

Pferdesteuer

Eine Pferdesteuer wird von einigen Kommunen auf Reitpferde erhoben. Die Höhe der zu entrichtenden Steuer und eventuelle Befreiungsmöglichkeiten (z.B. für Gnadenbrotpferde) variieren dabei von Gemeinde zu Gemeinde.

Bettensteuer

Einige Städte wie z.B. Freiburg verlangen von Touristen eine sogenannte Bettensteuer, auch als „City-Tax“ oder „Kulturförderabgabe“ bezeichnet. Geschäftliche Übernachtungen dürfen laut Bundesverwaltungsgericht allerdings nicht mit einer solchen Kulturförderabgabe belegt werden. Die Höhe der Steuer sowie die Art der Erhebung unterscheiden sich von Stadt zu Stadt.

Prostitutionssteuer

Die Prostitutionssteuer ist eine Erscheinungsform der Vergnügungssteuer. Mit ihr werden sexuelle Dienstleistungen besteuert. Da die Gemeinden eigene Vergnügungssteuersatzungen erlassen dürfen, wird die Vergnügungssteuer sehr unterschiedlich gestaltet. Unter anderem erhebt die Stadt Köln für Swingerclubs, Stripteasebars oder ähnliches drei Euro pro zehn Quadratmeter Fläche pro Tag. Für Prostituierte wird eine Pauschale von sechs Euro pro Dienstleister erhoben. Das Aufkommen aus allen Vergnügungssteuern, zu denen auch die Kartensteuer für entgeltpflichtige Veranstaltungen, die Spielautomatensteuer und dergleichen zählen, betrug im Jahr 2016 bundesweit 985 Mio. Euro.

Autor: Frank Altmann

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Die unbekanntesten deutschen Steuerarten fallen im kommunalen Bereich an. Aber auch der Bund und die Länder haben direkte Steuereinnahmen aus Quellen, deren historische Begründung längst überholt ist aber weiterhin erhoben wird.