Unternehmensnachfolge – ein verdrängtes Thema!

p395289 NEUNsight September 2017

Bis Ende 2018 planen rund 620.000 mittelständische Unternehmen die geregelte Unternehmensnachfolge zu realisieren. Die Gründer verlassen die Brücke und ziehen sich – oftmals nicht ganz freiwillig – zurück. Welche Fallstricke es in der Übergabephase zu überwinden gilt, zeigen wir Ihnen konkret auf!

Wer sich nicht rechtzeitig um eine Unternehmensnachfolge bemüht, steht im Mittelstand oft vor den Scherben dessen, was er über Jahrzehnte so mühsam aufgebaut hat. Oftmals sind keine potenziellen Nachfolger aufgebaut worden, da der Firmengründer sich als Patriarch um die alleinige Macht bemühte. Familienmitglieder wurden bei Entscheidungen übergangen, ausgezahlt oder bewusst klein gehalten. In anderen Fällen haben Söhne oder Töchter kein Interesse daran, ins Familienunternehmen einzusteigen.

Erst kurz vor Schluss bringt Verdruss

Wenn das Thema ansteht, wird es oft genug verdrängt. Erst kurz vor Schluss drängt es viele Unternehmer, ihr Unternehmen in andere Hände abzugeben. Laut Statistik nehmen etwa ein Drittel aller mittelständischen Unternehmer die Nachfolgeproblematik nicht zum Anlass, rechtzeitig aktiv zu werden. Bei einer zu spät vorgenommenen Firmenübergabe scheitert der Nachfolger in der Hälfte der Fälle binnen vier Jahren. Eine beunruhigend hohe Zahl. Eine Firmenübergabe an einen potenziellen Nachfolger will rechtzeitig bedacht werden. Der Aufbau oder die Auswahl geeigneter Nachfolger, die das Unternehmen erfolgreich weiterführen oder gar ausbauen, ist nicht binnen sechs Monaten getan.

Wird das Unternehmen erst im letzten Moment an einen Nachfolger übergeben oder verkauft, wird bei dieser Entscheidung oft nicht die bestmögliche Lösung gefunden. Das gilt selbst dann, wenn es sich um ein Familienunternehmen dreht und die Nachfolger in der eigenen Familie gesucht werden. Hier bedeutet die Verquickung von patriarchalischen Interessen des Firmengründers, erfolgreichem Unternehmertum und familieninternen Machtbestrebungen mit wirtschaftlichen Notwendigkeiten oft eine besonders komplexe Lage.

Der Beratungsbedarf vor Übergaben steigt

Die Zahl der Beratungsunternehmen, die sich in Deutschland um solche Probleme kümmern müssen, steigt. Die Nachfolgeplanung wird oft nicht mit klugen Kriterien unterfüttert, sondern innerfamiliären Strukturen, emotionalen Hürden oder nicht marktgerechten unternehmerischen Vorstellungen von der Weiterführung des Betriebes untergeordnet. Viele mittelständische Unternehmer und Großindustrielle sind Alphatiere. Diese möchten sich nicht unterordnen. Noch viel weniger möchten sie die Entscheidungsmacht in ihrem Unternehmen kampflos und uneingeschränkt anderen überlassen.

Manager oder Familie?

Sind diese anderen auch noch Familienmitglieder, müssen diese oft hinnehmen, dass ihnen das Alphatier ständig im Nacken sitzt. Wer möchte da schon Nachfolger werden? Selbst wenn die Unternehmensnachfolge auf mehrere familiäre Schultern verteilt wird, ist das nicht immer ein Erfolgskonzept. Ein Team von Managern, die schon lange im Betrieb gearbeitet haben, wäre oft eine bessere Idee. So verteilt sich nicht nur die Verantwortung, sondern es machen sich auch mehrere kluge Köpfe Gedanken um Zukunftsvisionen oder Finanzierungen. Zu Machtkämpfen kann es allerdings auch dann kommen. Umso wichtiger ist es, das neue Führungskonzept des Unternehmens gut zu durchdenken.

 

Autorin: Klara Moon

Bild: tiratore (fotolia.com)

Im Überblick

In vielen mittelständischen Unternehmen steht die Nachfolgeproblematik derzeit auf der Agenda. Manche Gründer verweigern den effizienten Übergang aus Angst, ihr Lebenswerk könnte gefährdet sein, wenn sie selbst nicht mehr am Ruder sind. Es sind weniger mangelnde Fähigkeiten der Nachfolger als psychologische Hürden, die Nachfolgeprozesse scheitern lassen. Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Winfried Neun, ausgewiesener Experte in Nachfolgefragen.