Zukunft: Leben wir auf Kosten nachfolgender Generationen?

p395289 NEUNsight September 2017

Noch vor wenigen Jahren stand die deutsche Staatsverschuldung als Synonym dafür, dass unsere Generation auf Kosten ihrer Nachfolgegenerationen leben. Längst ist diese Diskussion in den Hintergrund gedrängt worden durch den weiter sichtbaren Ressourcenmangel weltweit. Wichtige Rohstoffe werden knapp oder gehen in wenigen Jahren gänzlich zur Neige. Wir sagen Ihnen, worauf Sie sich vorbereiten sollten!

Ein Beispiel: In diesem Jahr setzte die Nichtregierungsorganisation „Global Footprint Network“ den Earth Overshoot Day (zu deutsch „Erdüberlastungstag“) bereits für den 2. August an. Das heißt, dass bereits zur Mitte des Jahres all die Ressourcen verbraucht waren, die die Erde innerhalb eines Jahres produzieren kann. Damit möchte die NGO auf den hohen Ressourcenverbrauch aufmerksam machen, der viele Probleme mit sich bringt.

Nicht-erneuerbare Ressourcen gehen zur Neige

Während es eine ganze Reihe an erneuerbaren Ressourcen gibt, die der Gesellschaft bei nachhaltiger Bewirtschaftung auch langfristig zur Verfügung stehen werden (dazu gehören beispielsweise pflanzliche Rohstoffe), werden viele endliche Rohstoffe mittel- und langfristig knapp. Wann genau die Grenzen sein werden, unterscheidet sich von Ressource zu Ressource. Die Kohlevorkommen etwa dürften erst in über 100 Jahren erschöpft sein, wenn der Verbrauch sich nicht weiter verändert oder neue Vorkommen entdeckt werden. Anders sieht es beim konventionellen Rohöl aus. Hier wurde nach Meinung vieler Experten und Expertinnen der Höhepunkt der Förderung – Peak Oil  – bereits erreicht. Das bedeutet, dass zwar noch Erdöl vorhanden ist, dessen Förderung aber wird immer aufwendiger und damit teurer.

Lebensmittelkrise aufgrund von Phosphormangel?

Eine mineralische Ressource, die ebenfalls ihrem Ende entgegenblickt, ist Phosphor. Dieses chemische Element wird unter anderem aus Apatitgesteinen gewonnen. Es gibt Schätzungen, wonach die Vorkommen entsprechender Mineralien nur noch für etwa 20 Jahre ausreichen. Das ist in vor allem für die Lebensmittelproduktion relevant, denn 80 Prozent des gewonnenen Phosphors wird zu mineralischem Dünger weiterverarbeitet und auf Feldern ausgebracht. Ohne diese Form der Düngung ist die intensive Landwirtschaft, wie sie heute vielerorts betrieben wird, nicht mehr möglich. Aus diesem Grund ist die Weiterentwicklung einer landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft, die dem Boden entnommene Rohstoffe wieder zurückführt, eine dringliche Aufgabe.

Kampf um Trink- (Wasser)

Nicht weniger dramatisch ist die sich abzeichnende Wasser- und Trinkwasserknappheit weltweit. Der „Kampf ums Wasser“ wird Regionen wie den Nahen Osten und große Teile Afrikas und selbst Teile Südeuropas grundlegend verändern. Erste Auswirkungen sind bereits deutlich, da die Flüchtlingskrise teilweise auch mit einem seit Jahrzehnten zu verzeichnenden Wassermangel in Afrika bei gleichzeitiger ungebremster Bevölkerungszunahme dort zusammenhängt. Die Regionen können sich nicht mehr selbst ernähren, was zu einer zunehmenden Völkerwanderung gen Norden führen muss.

Ein vielschichtiges Problem, komplexe Antworten

An der Frage, wann genau einzelne Rohstoffe tatsächlich ausgeschöpft sind, scheiden sich die Geister. Unabhängig von konkreten Zeitpunkten erfordert die Abnahme endlicher Ressourcen nicht nur die Entwicklung neuer technologischer Entwicklungen, sondern auch eine Veränderung des gegenwärtigen sozialwirtschaftlichen Gefüges der Gesellschaft, um Rohstoffkriege zu vermeiden, die Lasten der dafür notwendigen Transformation gerecht zu verteilen und für nachfolgende Generationen so gering wie möglich zu halten.

 

Autor: Birger Dellmann

Nordreisender (fotolia.com)

Im Überblick

Auch wenn sich Experten über die Frage streiten, wann einzelne Ressourcen endgültig verbraucht oder deren Nutzung gänzlich unwirtschaftlich geworden ist, steht fest, dass keine Generation vor der heutigen, die Rohstoffe der Erde dermaßen intensiv genutzt und verbraucht hat. Nur mit innovativen und ressourcenschonenden Technologien kann das Tempo des Raubbaus an nicht-nachwachsenden Rohstoffen zumindest verlangsamt werden.