Kurzformeln ersetzen Sprache: Wie Kids heute kommunizieren

p395289 NEUNsight November 2017

Wer jemals einer Gruppe Jugendlicher aufmerksam zugehört hat, der versteht ab und an die Welt – oder besser gesagt, das gesprochene Wort nicht mehr. Kurzformeln ersetzen ganze Sätze und Abkürzungen bestimmen die Dialoge. Die NEUNsight gibt Hilfestellung und erläutert die wichtigsten Begriffe.

Einmal jährlich wählt eine Jury des Langenscheidt Verlags das Jugendwort des Jahres. Im Jahr 2016 schafften es Begriffe wie „fly sein“, „bae“ oder „isso“ es auf die Plätze eins bis drei. Während „fly sein“ ein Synonym für das „Abgehen“ ist, ist „bae“ ein Sprachwendung aus dem Englischen, die zur Bezeichnung des Partners oder des besten Freundes genutzt wird. „Isso“ hingegen wird in der Jugendsprach genutzt, um seine Zustimmung auszudrücken.

Jugendsprache im Internet

Die Jugendsprache im Internet basiert oftmals auf Akronyme, welche genutzt werden um eine Gemütslage zu verdeutlichen. Die Bezeichnung „LOL“ steht für „Laughing Out Loud“ und wird angewandt, wenn der Schreibende lachen muss. Als Steigerungsform findet oftmals das Akronym „ROFL“ Anwendung. Dieses steht für „Rolling On The Floor Laughing“ und verdeutlicht, dass der Schreibende sich vor Lachen kaum mehr halten kann. Doch auch andere Akronyme werden genutzt, um den eigenen Status im Internet darzustellen. Etwa „AFK“ bedeutet „Away From Keyboard“ und soll verdeutlichen, dass die Person aktuell nicht am Rechner ist. Jugendliche und Kinder verdeutlichen besonders in Foren die eigene Meinung durch die Abkürzung IMO, das für „In My Humble“ steht.

Einsatz im Sprachgebrauch

Die im Internet verwendeten Akronyme finden sich ebenfalls im normalen Sprachgebrauch von Kindern und Jugendlichen wieder. Doch weiterhin halten immer mehr Anglizismen Einzug in die Sprache Jugendlicher. Des Öfteren werden diese Wörter auch als Neudeutsch oder Denglisch bezeichnet. Zu diesen eingedeutschten Wörtern gehören auch die beliebten Wörter „gedownloadet“ oder „committet“. Unter Jugendlichen erfreuen sich insbesondere die Wörter „nice“ und „cool“ größter Beliebtheit. Doch auch Bezeichnungen wie OMG (Oh my god) oder WTF (What the fuck) sind typische Ausdrücke der englischen Sprache, die Einzug in die Sprache der Jugendlichen hielten.

Trend 2017

Ein Trend des Jahres 2017 war der Grammatik-Hype „VONG“. Zu Beginn war „VONG“ ein Hype aus dem Internet, der auch Einzug auf die deutschen Pausenhöfe nahm. Ein typisches Beispiel für einen Satz nach der „VONG-Regelung“ ist etwa „Das Wetter ist voll schön vong Sonne her“. Mit einher ging auch die Verkürzung von Zahlen im Satz. Somit wurde aus einem schönen Tag die Bezeichnung „1 schöner Tag“. Auch kurze Sätze wie „gute Nacht“ wurden zu „gute N8“ umfunktioniert.

Autor: Dr. Franz Holland

Bild: DisobeyArt (fotolia.com)

Im Überblick

Die Verbreitung von Anglizismen im normalen Sprachgebrauch ist ein Trend der unabhängig von der zunehmenden Digitalisierung bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten begonnen hat. Durch die fortschreitende Internet-Nutzung und die Zunahme der Social Media-Plattformen sowie die zeichenbegrenzte Twitter-Nutzung verstärkt sich der Trend zu Abkürzungen, die sich in Windeseile im Netz etablieren und als allgemein gültig anerkannt werden.