Der gläserne Bewerber – im Internet komplett durchleuchtet?

p395289 NEUNsight Dezember 2017

Die Digitalisierung macht auch vor der Bewerbervorauswahl nicht halt. Viele Personalabteilungen sind längst dazu übergegangen die eingehenden Unterlagen und deren Inhalt im Internet zu überprüfen. Die NEUNsight informiert darüber, worauf in den HR-Abteilungen der Unternehmen besonders geachtet wird und was Bewerber tun können, um negative online-Eindrücke zu vermeiden.

Die ersten Google-Treffer entscheiden oft, ob eine Personalabteilung den Bewerber zum Vorstellungsgespräch einlädt. Immer mehr Personaler suchen im Netz gezielt nach Online-Profilen und anderen Informationen, die Aufschluss über die Qualifikation des Bewerbers geben sollen. Aktuellen Studien zufolge sind gut 40 Prozent der Fach- und rund 30 Prozent der Führungskräfte Fehlbesetzungen. Aus solchen Fehlern resultieren Kosten zwischen 30.000 und 100.000 Euro für das Unternehmen.

Systematische Suche

Personaler großer Unternehmer suchen daher systematisch nach Angaben über ihre Bewerber. Dadurch verschaffen sie sich einen ersten Eindruck über mögliche Stärken und Schwächen der potentiellen zukünftigen Mitarbeiter. Im Normalfall werden die ersten zwei Seiten überprüft, die Suchmaschinen nach Eingabe der Daten ausgeben. Die ersten Treffer geben meist ausreichend Informationen über die Qualifikation des Bewerbers – etwa in Form von Online-Profilen oder Forenbeiträgen. Spezialisierte Personen-Suchmaschinen wie yasni oder 123people geben dem Personaler dabei die Möglichkeit, nur die gewünschten Informationen zur Person zu ermitteln.

Suche auf Blogs und in Foren

Blogs und Foren werden von Personalern sorgfältig geprüft. Vorausgesetzt, der Bewerber hat sich dort mit seinem Realnamen angemeldet, können Diskussionsbeiträge eingesehen werden. Auch in den sozialen Netzwerken suchen Personalabteilungen gezielt nach Informationen. Recherchiert wird auf Xing, Facebook, Twitter oder StudiVZ. Die Ergebnisse müssen einen positiven Eindruck vermitteln, um eine Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu haben.

Negative Äußerungen im Netz

Negative Aussagen über ehemalige Arbeitgeber werfen dabei ein schlechtes Licht auf den Bewerber. Personalabteilungen suchen auf bekannten Branchen-Seiten und in Foren, aber auch in öffentlichen Chat-Protokollen und in Kommentarspalten. Typischerweise werden auch Online-Händler überprüft. Dort sind die meisten Nutzer mit ihren echten Namen angemeldet – dementsprechend einfach lassen sich Informationen einsehen. Zudem geben die erworbenen Produkte oft Aufschluss über die Persönlichkeit eines Bewerbers und dienen vielen Personalern als wichtiges Kriterium.

Angaben werden geprüft

Recherchiert wird insbesondere dann, wenn der Bewerber in seiner Bewerbung entsprechende Informationen über Online-Auftritte preisgibt. Ist im Lebenslauf beispielsweise von einem sozialen Engagement die Rede, wird dies nachgeprüft. Um sicherzustellen, dass die Personalabteilung des zukünftigen Arbeitgebers keine brisanten Informationen im Netz findet, achten inzwischen viele Menschen auf ein „sauberes“ Bild im Netz. Das eigene Profil in Netzwerken wie Facebook oder Instagram wird nur für Freunde sichtbar gemacht, während auf einem Profil in speziellen Business-Plattformen wie Xing oder Linkedin aktiv Werbung für die eigene Person gemacht wird.

Negative Einträge löschen

Personalabteilungen haben Zugriff auf viele Daten. In der Praxis werden meist jedoch nur die ersten Google-Treffer und die sichtbaren Profile auf den sozialen Plattformen überprüft. Bewerber können ihre Chancen erhöhen, indem sie sich vor dem Absenden der Bewerbung selbst im Netz suchen und Informationen, die sich negativ auswirken könnten, löschen lassen. Denn laut der aktuellen Studie Recruiting Trends 2017 hat in knapp 12 Prozent aller Fälle ein Bewerber Screening in Deutschland dazu geführt, dass der Bewerber abgelehnt wurde.

Autor: Michael Storks

Bild: Artur Marciniec (fotolia.com)

Im Überblick

Was noch vor Jahren mit aufwendigen Assessment Centern oder einer ganztägigen Bewerbervorstellung von statten ging wird heutzutage vorab im Internet von den Personalabteilungen erledigt. Hier wird eine Vorauswahl aufgrund der gefundenen Informationen über die Stellenbewerber getroffen. Daher ist es ratsam für Bewerber sich zumindest in Social Media Foren wie Facebook oder Instagram nicht für jedermann sichtbar zu positionieren. In beruflichen Plattformen wie Linkedin oder Xing sind ohnehin meist nur für und durch den Bewerber „vorteilhafte“ Informationen hinterlegt.