Betreuungsvollmacht: Im Alter schutzlos ausgeliefert?

p395289 NEUNsight Dezember 2017

Für das Alter oder etwaige Notfälle vorzusorgen, ist sinn- und verantwortungsvoll. Dazu zählt, neben Testament, Organspenderausweis und Patientenverfügung, auch die Betreuungsverfügung. Wir geben Ihnen die notwendigen Tipps, damit Sie keine unliebsame Überraschung erleben!

Diese regelt einzeln oder als Teil der Vorsorgevollmacht, wer im Zweifelsfall als Betreuer eingesetzt werden soll. Welche Entscheidungen er treffen darf, egal ob es Finanzen, Post oder medizinische Belange betrifft, hängt davon ab, ob der Betreuer gleichzeitig der Vorsorgebevollmächtigte ist. Dabei kann jedoch eine Reihe von Fehlern auftreten.

Betreuer muss sich eignen

Der vielleicht wichtigste Aspekt ist die Eignung der Person, die zum Betreuer bestimmt werden soll. Dabei sollten verschiedene Punkte abgeklopft werden: Hat die Person ausreichend Zeit und die Möglichkeit, im Ernstfall Sorge zu tragen? Oder wohnt sie beispielsweise sehr weit weg, ist ständig auf Reisen oder hat einen zeitraubenden Beruf, der zusätzliche Verpflichtungen unmöglich macht?

Betrügern keine Chance bieten

Das Vertrauen zu der wunschgemäß bestimmten Person sollte sehr groß sein, idealerweise ist sie bereits sehr lange bekannt. Zudem sollte sie die eigenen Wertvorstellungen bezüglich der gewünschten Verantwortungsbereiche – speziell gesundheitlicher Natur – teilen oder zumindest respektieren. Nur wer sich dessen sicher ist, kann auch sicher sein, dass Entscheidungen im Ernstfall in seinem Sinne getroffen werden. Denn Betreuungssituationen locken, insbesondere bei älteren und vermögenden Menschen, eben auch Betrüger an.

Frühzeitige Ausstellung

Umgekehrt sollte eine Verfügung frühzeitig ausgestellt werden, denn Gerichte unterstellen im Falle bereits bestehender psychischer oder demenzieller Erkrankungen gelegentlich, die Unterschrift sei nicht gültig. Dies kann auch gelten, wenn die Erkrankung lediglich in ihren Anfängen besteht und die Wahl der Betreuung dem tatsächlichen Wunsch des Betroffenen entspricht.

In jedem Fall ist es ausgesprochen wichtig, zuvor ein ausführliches Gespräch mit der Person, die bevollmächtigt werden soll, zu führen. Denn diese sollte die Verfügung nicht halbherzig oder aus reinem Pflichtgefühl heraus unterschreiben, sondern ihre Verantwortung im Notfall auch ausüben wollen. Zudem ist es wichtig, dass sie umfassend über die eigenen Wünsche und Vorstellungen informiert ist, damit sie sich später überhaupt dazu imstande sieht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Unter anderen Umständen können sonst später rasch Überforderung und Hilflosigkeit auftreten.

 Rechtliche Überprüfung

Auch die formellen Gegebenheiten sind nicht zu unterschätzen. Schnell können Formfehler wie ein fehlendes Datum oder eine fehlende Unterschrift zu Problemen führen. Idealerweise wird die Betreuungsverfügung daher zum Abschluss von einem Notar überprüft und beglaubigt. Zudem wird sie beim zentralen Vorsorgeregister angemeldet. Ist dies nicht der Fall, stehen Angehörigen oft langwierige Kämpfe mit Behörden bevor. Denn ohne eine entsprechende Verfügung haben weder Ehepartner noch Eltern beziehungsweise Kinder das Recht, Entscheidungen für ihre Angehörigen zu treffen – nicht einmal dringende medizinische. In speziellen Fällen, wie bei Bankkonten und Immobilienbesitz, ist eine zusätzliche Bankvollmacht notwendig, um die entsprechende Verantwortung auszuüben.

Autor: Hannelore Brecht

Bild: Joachim Lechner (fotolia.com)

Im Überblick

Eine Betreuungsvollmacht sollte nur gegeben werden, wenn man sich sicher ist, dass der Betreuer die eigenen Wünsche erfüllt und seinen Aufgaben pflichtgemäß nachkommt. Besonders finanzielle Angelegenheiten sind im Vorfeld zu klären, da es in der Praxis vorkommen kann, dass Betreuer und nächste Verwandte nicht zu einer gemeinsamen Auffassung über das Vermögen des Betreuten kommen.