Patientenverfügung: Worauf geachtet werden sollte!

p395289 NEUNsight Dezember 2017

Was soll im Fall einer unheilbaren Erkrankung mit mir als Patient geschehen? Eine zuvor attestierte Verfügung kann lebensverlängernde Maßnahmen einschränken, wenn keine Heilungschancen mehr bestehen. Was eine Patientenverfügung beinhalten sollte, stellen wir Ihnen nachfolgend detailliert vor.

In einer Patientenverfügung wird festgelegt, welche Behandlungsmaßnahmen im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls abgelehnt und welche befürwortet werden. Sie wird dann als Instrument der Selbstbestimmung herangezogen, wenn ein Patient seinen Willen nicht mehr explizit äußern oder sich nicht mehr entscheiden kann. Bei ihrer Abfassung sind wie der Betreuungsverfügung (Link zu ebenfalls neuem Text Betreuungsverfügung) formale und inhaltliche Vorgaben zu berücksichtigen.

Was ist in formaler Hinsicht zu beachten?

Die Gültigkeit ist dann gegeben, wenn die Person, die die Patientenverfügung verfasst oder unterzeichnet hat, volljährig und sowohl einsichts- als auch einwilligungsfähig gewesen ist. Sie muss in der Lage gewesen sein, die Folgen ihrer Entscheidungen abzusehen und sie muss die Verfügung freiwillig – ohne Druck von außen – unterzeichnet haben. Name, Datum, Unterschrift und eine Bestätigung der Einwilligungsfähigkeit durch einen Zeugen sollten nicht fehlen. Die Patientenverfügung kann jederzeit geändert werden. Es empfiehlt sich, sie so aufzubewahren, dass sie im Notfall schnell auffindbar ist.

Worauf ist inhaltlich zu achten?

Jeder Arzt ist dazu verpflichtet, die in der Patientenverfügung fixierten Wünsche zu erfüllen. Um die Anwendbarkeit im einzelnen Fall zu gewährleisten, ist es nötig, den eigenen Willen so konkret und detailliert wie möglich zu bekunden. Formulierungen wie „ich lehne lebensverlängernde Maßnahmen ab“ oder „ich möchte nicht unwürdig leiden und nicht nur noch dahinvegetieren“, fehlt die Eindeutigkeit und Klarheit, sie laden zu Interpretationen ein und das gilt es zu vermeiden. Der Interpretationsspielraum sollte klein gehalten.

Angaben sollten genau sein

Es bedarf genauer Angaben z. B. über die Einstellung zur Wiederbelebung, zur künstlichen Beatmung und zur künstlichen Ernährung mittels PEG-Sonde oder Magensonde. Die Verfügung enthält im Idealfall nicht nur Hinweise darauf, was abgelehnt wird, sondern auch Wünsche: Wo möchte ich sterben, zu Hause, auf einer Palliativstation, in einem Hospiz? Wünsche ich schmerztherapeutische Maßnahmen und wenn ja, welcher Art sollen diese sein? Möchte ich, dass alternative Heilmethoden unterstützend eingesetzt werden? Stimme ich einer Organspende zu?

Überzeugungen klar formulieren

Es ist darauf zu achten, dass die Angaben konkrete Rückschlüsse darauf zulassen, in welchen Situationen (z. B. Unfall mit irreversibler Gehirnschädigung, Endstadium einer Krankheit) welche Maßnahmen gewünscht und welche zurückgewiesen werden. Um den Ärzten die Befolgung zu erleichtern, ist es ratsam, zusätzlich zu den einzelnen Bestimmungen die eigenen weltanschaulichen Grundüberzeugungen darzulegen. In diesem Zusammenhang sollte auch geklärt werden, was jeweils unter „unwürdigem Sterben“ oder unter „unerträglichem Leiden“ verstanden wird.

Autor: Frank Altmann

Bild: Gina Sanders (fotolia.com)

Im Überblick

Eine Patientenverfügung sollte vor dem Eintritt einer schweren Erkrankung formuliert werden, da sonst Zweifel an der Willenserklärung des Patienten bestehen können. Daher ist es ratsam, eine solche Verfügung bereits frühzeitig abzufassen und mit seinen nächsten Angehörigen das genaue Vorgehen beispielsweise für die Möglichkeit eines Unfalls zu besprechen. Diese sollten auch den Aufbewahrungsort der Patientenverfügung kennen, damit entsprechend den Wünschen des Patienten medizinisch gehandelt werden kann.