Die Deutschen: ein Volk von Angsthasen?

p395289 NEUNsight Januar 2018

Manchmal erscheint es dem neutralen Betrachter so, als befinde sich die Bevölkerung der Bundesrepublik in einem Krisengebiet dieser Welt. Kaum eine andere Nation gibt sich ihren echten und vermeintlichen Ängsten so ausgiebig hin wie Deutsche. Dier NEUNsight versucht zu erklären, worin diese „German Angst“ begründet liegt!

Viele Sozialforscher sehen in der German Angst einen Ausdruck für die Traumatisierung der Bevölkerung durch zwei Weltkriege. Einige Forscher glauben sogar Hinweise darauf gefunden zu haben, dass sich traumatische Ereignisse wie Hungersnöte, Weltkriege, Verfolgung und Vertreibung im Erbgut niederschlagen können. German Angst wäre demnach vererbbar. Gesichert scheint hingegen eine sogenannte „Background Personality“, die auch für ganze Gesellschaften gilt und immer wiederkehrende Verhaltensmuster in bestimmten Situationen erzeugt. Diese meist festgefahrenen Muster zu durchbrechen ist bei Einzelpersonen und Gruppen möglich, in ganzen Gesellschaften schwierig und ein langwieriger Prozess eines gezielten Stimmungsmanagements.

Interessant sind die Themengebiete, die laut einer Studie den Deutschen am meisten Angst einjagen. Kantar EMNID, ein renommiertes Befragungsinstitut, hat dazu im letzten Jahr im Auftrag der Funke-Mediengruppe eine Umfrage durchgeführt, bei welcher 1000 Deutsche gefragt wurden, wovor sie am meisten Angst haben.

Die größte Angst: Das Weltklima

Die Befragten bekamen sieben Antworten zur Auswahl, Mehrfachnennungen waren erlaubt. Die Ergebnisse lauten wie folgt:

71 Prozent: Angst vor Veränderung des Weltklimas

65 Prozent: Angst vor neuen Kriegen

63 Prozent: Angst vor Terroranschlägen

62 Prozent: Angst vor Kriminalität

59 Prozent: Angst vor Altersarmut

45 Prozent: Angst vor Zuwanderung von Flüchtlingen

33 Prozent: Angst vor Arbeitslosigkeit

Bei den weiblichen Befragten fiel die Prozentzahl im Vergleich zu den männlichen Beteiligten bei allen Antwortmöglichkeiten größer aus. Frauen schauen also mit größerer Angst in die Zukunft als Männer. Im Osten der Republik ist die Angst vor Klimawandel, Terroranschlägen, Kriminalität und Arbeitslosigkeit stärker ausgeprägt als im Westen.

 Angständerung nach Parteivorliebe

Differenzen lassen sich auch je nach jeweiliger Parteipräferenz feststellen. 99 Prozent der Grünen-Wähler haben Angst vor dem Klimawandel, unter den FDP-Wählern sind es nur 71 Prozent. Dafür haben aber lediglich fünf Prozent der Anhänger der Grünen Angst vor Arbeitslosigkeit. Wähler der Linken ängstigt mit 71 Prozent primär drohende Altersarmut, während AFD-Anhänger zu 90 Prozent die Angst vor Zuwanderung von Flüchtlingen und zu 84 Prozent vor Kriminalität angegeben haben.

Zukunftsängste – Was tun?

Alle Abstimmmöglichkeiten befassen sich mit Zukunftsängsten. Doch wie kann man diese spezielle Art der Furcht beseitigen oder zumindest lindern? Hinter der Zukunftsangst verbirgt sich die Angst vor dem Unbekannten, vor dem Unsicheren. Was könnte geschehen? Man malt sich all die schlimmen Dinge aus, kann jedoch nicht wissen, ob und inwiefern diese eintreffen werden. Hier kann es helfen, sich selbst zu hinterfragen. So kann man überlegen, wie wahrscheinlich das Eintreffen der jeweiligen Sorge tatsächlich ist und inwiefern es denn überhaupt in der eigenen Macht steht, etwas dagegen zu tun.

In Bezug auf die Studie kann man sagen, dass der Klimawandel eine sehr reelle Bedrohung ist. Hier ist jeder Einzelne gefragt, seinen Beitrag für eine Verbesserung der Situation beizusteuern. Aber ständig darüber nachzudenken, wie die Welt in 50 Jahren aussehen könnte, wenn sich nichts ändert, macht auf Dauer krank. Auch über Anschläge sollte man sich nicht zu sehr den Kopf zerbrechen. Die Chance, bei einem Terroranschlag zu sterben, ist statistisch gesehen gerade einmal so hoch, wie vom Blitz getroffen zu werden. Wir alle haben ab und an Angst vor der Zukunft. Wenn Zukunftsängste aber gesundheitlich belastend sind, sollte ein Therapeut aufgesucht werden.

Autorin: Klara Moon

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Noch ist nicht gänzlich wissenschaftlich gesichert, ob sich erlebte Krisen auch gentechnisch im Erbgut niederschlagen können. Auffällig ist allerdings, dass die Angstausprägung in Deutschland wesentlich größer ist als in den Nachbarstaaten und in den Staaten der Weltkriegsgegner. Trotz realer guter wirtschaftlicher Lage in Deutschland ist die Tendenz, die Gesamtentwicklung negativer zu beurteilen als sie tatsächlich ist, hierzulande besonders stark ausgeprägt.