Keine Karriere für Ronny und Kevin?

p395289 NEUNsight Januar 2018

Welchen Namen soll ich meinem Kind geben? Nenn ich meinen Sohn lieber Karsten oder welche Wirkung hat es, wenn ich meine Tochter Chantal nenne? Und warum macht Kim laut einer neuen Studie Karriere und ein Theodorus nicht? Die NEUNsight ist der Frage nachgegangen – mit überraschenden Ergebnissen!

Eine rege Diskussion ist darüber entstanden, ob schon der richtige Vorname darüber entscheidet, damit (M)man(n) oder Frau im späteren Berufsleben erfolgreich ist. Eine Quelle der Diskussion über die richtigen Vornamen ist die jährliche Rangliste der beliebtesten Vornamen in Deutschlands. Der Namensforscher Knud Bielefeld veröffentlicht seit mehr als drei Jahrzehnten die in Deutschland am häufigsten vergebenen Vornamen. Seine repräsentative Auswertung stützt sich auf Geburtsmeldungen von Geburtskliniken, Standesämtern und Geburtshäusern. Er hat dazu die Daten aus 633 verschiedenen Quellen aus 494 Städten erhoben. Somit wurden die Vornamen von ungefähr 27 Prozent aller im Jahr 2017 in Deutschland geborenen Babys berücksichtigt.

Nur geringe Verschiebungen

Laut der Auswertung des Namensforschers zeigt sich der größte Aufwärtstrend bei Leni, Ella, Emilia, Juna und Clara bei Mädchen sowie Theo, Matteo, Henry, Milan und Anton bei Jungen. Schon im siebten Jahr in Folge ist Ben der Spitzenreiter. Emma ist die neue Nummer eins, wie schon 2014. In den Top 10 sind genau dieselben Namen wie 2016, es haben nur einige Namen die Plätze getauscht.

Soweit die statistischen Daten. Interessant wird es erst, wenn die Psychologie ins Spiel kommt. Denn es soll die Macht der Namen sein, die unbewusst Urteile über einen Menschen fällt. Dies allerdings auf Basis von Klischees, die ein Name automatisch hervorrufen soll. Eine neue Studie gibt an, herausgefunden zu haben, bei welchen Namen eine Karriere vorprogrammiert ist – und wer mit seinem Vornamen keine Chance hat.

Kurze Vornamen im Vorteil

Wer es im Beruf leichter haben will, der braucht einen kurzen Namen, so zumindest das Ergebnis einer Studie der Namensagentur Endmark, die 750 weibliche und männliche Vornamen auf Faktoren wie Einprägsamkeit, internationale Verständlichkeit und Kompatibilität mit Nachnamen verglichen hat. Dieses Ergebnis wird durch die Vornamensliste von Knud Bielefeld gestützt, denn dort finden sich auf den ersten 50 Plätzen fast ausschließlich kurze Vornamen.

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Doppel-Namen, egal ob im Vor- oder Nachnamen, senken ebenfalls die Karrierechancen. Auch wenn Vor- und Nachname nicht derselben Sprachfamilie angehören, etwa Jerome Müller oder Miguel Schneider, stehen die Chancen für eine Karriere eher schlecht. Mit den Eigenschaften von Namen befasst sich die Onomastik als Teildisziplin der Sprachwissenschaft.

Kevin hat schlechte Karten!

Im Bereich Onomastik legten Forscher der Universität Oldenburg schon vor fast zehn Jahren eine Untersuchung zu Bildungschancen in Abhängigkeit vom Vornamen vor. Darin wurden Kinder mit Namen wie Mandy, Angelina oder Justin als leistungsschwach abgestempelt. Charlotte, Sophie oder Jakob stuften Lehrer hingegen als freundlich ein. Die Studie prägte zudem das heutzutage schon fast legendäre Zitat: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“

Etwa zur gleichen Zeit haben Forscher der TU Chemnitz untersucht, welche Namen schön, klug und jung machen. Dirk Nowitzkis Eltern haben bestimmt vieles richtig gemacht, ansonsten hätte ihr Sohn wohl kaum zum besten deutschen Basketballspieler werden können. Nur beim Vornamen, da haben sie alles falsch gemacht. Zumindest aus damaliger Sicht. Denn die Chemnitzer Forscher haben untersucht, welche Vorurteile Namen hervorrufen. Schon der Titel der Studie: „Ein Vorname sagt mehr als 1000 Worte“, lässt ahnen, dass bevor Menschen eine andere Person kennen lernen, sie bereits bestimmte Eigenschaften mit dem Namen verbinden.

So ist Dirk laut der Studienergebnisse ein älterer Herr, der zudem unattraktiv ist und zudem einen nicht so hohen Intelligenzquotienten besitzt. Bevor nun Olaf, Heiko und Uwe jubilieren ist Vorsicht geboten. Diese Vornamen lagen in der Studie noch hinter Dirk. Bei den Frauen kommen Birgit, Petra oder Silke ganz schlecht weg. Insgesamt haben die Forscher 30 Frauennamen und 30 Männernamen untersucht. Die positivsten Vorstellungen wecken Modenamen wie Luca oder Lara. Als besonders attraktiv gelten Menschen mit den Namen Alexander oder Sophie. Intelligenz wurde mit den Namen Lukas oder Katharina verbunden. Doch das könnte sich auch schnell wieder ändern. Die Forscher betonen allerdings auch, dass Namensvorurteile einem raschen gesellschaftlichen Wandel unterliegen können.

Verzicht auf Modenamen

Die Psychologen der TU Chemnitz empfahlen vor zehn Jahren deshalb Eltern, ihren Kindern keine Modenamen zu geben, sondern auf zeitlose Namen wie Alexander, Michael, Anna oder Claudia zu setzen. Dieser Empfehlung sind die Eltern scheinbar nicht gefolgt, denn die genannten Vornamen sind in der Vornamensliste von Knud Bielefeld seit Jahren nicht mehr unter den Spitzenplätzen zu finden. Die Lauras und Leons von 2010 werden vermutlich in 50 Jahren als altmodisch und wenig attraktiv assoziiert, so eine wagemutige Aussage der Studie. Diese „Zeitgeistkinder“ könnten dann die Leidtragenden der „Schnelllebigkeit des Namensgeschmacks“ sein, so eine abschließende Vorhersage, die allerdings erst in 40 Jahren überprüft werden kann.

Autor: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

In jedem Jahr werden unterschiedlichste Ranglisten der beliebtesten Vornamen veröffentlicht, deren Quellen und die damit verbundenen Deutungen meist im Dunkeln liegen. Auch fehlt häufig ein repräsentatives Erhebungsverfahren, das allgemeine Rückschlüsse ermöglicht. Nur eines ist sicher: Wer am Ende welche Karriere macht, hat meist nur wenig mit den eigenen Vornamen zu tun.