Innovationen als Basis der digitalen Transformation

p395289 NEUNsight Februar 2018

Die IHK München und Oberbayern führt Workshops und Benchmarkprojekte im Themenbereich Innovationsmanagement durch und gibt den Unternehmen Hilfestellung zur effektiven Einführung eines Innovationsmanagementsystems. Im Interview mit der NEUNsight erläutert Dr. Herbert Vogler, Bereichsleiter Innovation, Mobilität und Umwelt, die Vorgehensweise der IHK. Für den Themenbereich Innovationspsychologie und Innovationsmanagement hat die Kammer den Chefredakteur der NEUNsight, Winfried Neun, als ausgewiesenen Fachexperten hinzugezogen.

Neunsight:

Was hat Sie bzw. die IHK München veranlasst, das Thema Innovationen / Innovationsmanagement in den Mittelpunkt einer Reihe von Workshops zu stellen?

Dr. Herbert Vogler:

Das wichtigste Argument für diese Workshops ist die Überzeugung, dass ein gut entwickeltes Innovationsmanagement die beste Basis für die digitale Transformation liefert. Ich möchte, dass die Unternehmen erkennen, dass der gut entwickelte Instrumentenkasten des Innovationsmanagements, auch die richtigen Werkzeuge für das Digitalisierungsmanagement liefert.

Wir beschränken uns aber nicht nur auf Workshops zum Innovationsmanagement sondern haben zudem ein Benchmarkprojekt für mittelständische produzierende Unternehmen gestartet. Wir analysieren dabei individuell das Innovationsmanagement der teilnehmenden Firmen, bestimmen einen Innovationsmanagementreifegrad, geben individuelle Empfehlungen zur Weiterentwicklung und sagen den Unternehmen wo sie im Vergleich zu den anderen Unternehmen stehen.

Eine dritte Aktivität ist die Entwicklung eines Vorgehensmodells zur Einführung eines Innovationsmanagementsystems, das wie ein Kochrezept geschrieben sein wird und es den Unternehmen möglichst leicht machen soll, sich dem Thema zu nähern.

Neunsight:

Wie wichtig ist ein klar strukturiertes Innovationsmanagement in Unternehmen und welche Rolle spielen Führungskräfte in der praktischen Umsetzung?

Dr. Herbert Vogler:

Das Innovationsmanagement ist besonders komplex. Es geht um Strategie, Organisation, strategische Steuerung, Kultur und Prozesse. Und es geht um Menschen, die qualifiziert, kreativ und motiviert sein und kongruent zur Innovationsstrategie arbeiten sollen. Alle genannten Aspekte stehen nicht für sich isoliert, sondern sind miteinander verbunden und beeinflussen sich wechselseitig. Es ist aufgrund dieser Komplexität notwendig, sich dem Thema Innovationsmanagement strukturiert und geplant zu nähern.

Bei unseren Innovationsmanagementanalysen kommt es beispielsweise gelegentlich vor, dass Geschäftsführer sich beklagen, dass zu wenig Ideen in das Ideenportal eingegeben werden würden. Wenn man die Ursachen dafür sucht, kommt man schnell darauf, dass die Geschäftsführer beim Thema Innovationsmanagement und Mitarbeiterbeteiligung nur eine Beobachter- anstatt wie es nötig wäre eine Führungsrolle einnehmen. Zudem ist den Mitarbeitern häufig gar nicht bekannt in welche Richtung sie Ideen entwickeln sollen, weil die Innovationsstrategie überhaupt nicht ins Unternehmen kommuniziert wurde. In einem solchen Fall ist eine Führung gefragt, die die Voraussetzungen für die erfolgreiche Beteiligung der Mitarbeiter schafft. Denn die Entwicklung eines Produkts durch ein paar wenige Ingenieure und die Weiterentwicklung zu einer erfolgreichen Innovation im kleinen Kreis wird es immer seltener geben.

Neunsight:

Welchen Einfluss nach Ihrer Meinung in Zukunft die Innovationspsychologie im Zuge der zunehmenden Digitalisierung?

Dr. Herbert Vogler:

Welche Zutaten brauchen Innovationen generell und im Zuge der Digitalisierung erst Recht? Freies Denken, offene Kommunikation, Kooperationsfähigkeit, Agilität, etwas Mut, Entspanntheit, Begeisterung für Neues würde ich auf jeden Fall in den Kochtopf geben. In jeder dieser Zutaten steckt viel Psychologie.

Dr. Herbert Vogler (Bild: IHK München)

Neunsight:

Können Innovationen an psychologischen Hürden in den Unternehmen scheitern? Welche praktischen Erfahrungen haben Sie dazu gemacht?

Dr. Herbert Vogler:

In Unternehmen, die mit den Innovationen des Gründers groß wurden, verlassen sich die Mitarbeiter und Führungskräfte häufig auf die Innovationsimpulse von ganz oben, auch wenn der große alte Innovator das Unternehmen aus Altersgründen schon längst verlassen hat. In diesen Fällen hat die nachfolgende Geschäftsführung viel damit zu tun, den Führungskräften und Mitarbeitern die Mitverantwortung für die Innovationstätigkeit des Unternehmens zu übertragen. Die Innovationsleistung kann aufgrund einer solchen psychologischen Barriere sehr gering werden. Viele weitere Beispiele könnte ich nennen. Eine geringe Innovationsleistung ist eigentlich immer auch zum Teil Folge ein psychologischen Problems.

Neunsight:

Was hat Sie bewogen im Rahmen der Innovationsworkshops der IHK München den Verhaltensökonomen und Innovationscoach Winfried Neun zum Thema Innovationspsychologie einzuladen?

Dr. Herbert Vogler:

Es ist nicht leicht die Bedeutung der Psychologie für Innovation deutlich zu machen und Schwachpunkte so aufzuzeigen, dass in der Folge im Unternehmen eine konstruktive Reflexion dazu stattfindet. Da ist es wichtig eine anerkannte Authorität wie Herrn Neun im Boot zu haben, die  sehr viel Projekterfahrung mit konkreten Beispielen einbringen kann. Die Unternehmen werden aus den Workshops viel mitnehmen, da bin ich mir sicher.

Winfried Neun (Bild: privat)

 

Interview: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)