Hausaufgabenabschaffung: Sozialismus durch die Hintertür?

p395289 NEUNsight Februar 2018

Hausaufgaben oder Ganztagsschule – vor diese Wahl gestellt sehen sich immer weniger Eltern und Schüler, denn der zunehmende Anteil von Ganztagsschulen am deutschen Bildungssystem, lässt mittelfristig keine Option in die eine oder andere Richtung mehr zu. Linke Bildungsexperten jubilieren, während Verfechter des klassischen Schulsystems den Untergang des Abendlandes prophezeien. Eines scheint sicher zu sein – den Hausaufgaben steht das baldige Aus bevor!

Dabei gehören Hausaufgaben seit jeher genauso zum Schulalltag wie Klassenarbeiten und Zensuren. Trotzdem wird seit einigen Jahren unter Lehrern, Schülern, Eltern und Wissenschaftlern immer intensiver darüber diskutiert, ob Hausaufgaben im Zeitalter der Ganztagsschule noch angemessen und sinnvoll sind.

Unterschiedliche Studienergebnisse

Selbst zahlreiche wissenschaftliche Studien zu dieser Thematik zeichnen noch immer ein uneinheitliches Bild: Hausaufgaben scheinen manchen Kindern zu nutzen, für andere sind sie die reinste Zeitverschwendung. Die ursprüngliche Idee hinter der so genannten Hausaufgabe ist auf den ersten Blick einleuchtend. Die Schülerinnen und Schüler erhalten durch sie die Chance nach der Schule das Gelernte noch einmal zu üben und zu festigen. Auch aus kognitiver und lernpsychologischer Sicht war dieser Ansatz lange Zeit unumstritten. Darüber hinaus sollen die Hausaufgaben auch einen Beitrag dazu leisten, dass die Kinder lernen Aufgaben selbstständig und eigenverantwortlich zu lösen.

Verlust eines Bindeglieds

Nicht zuletzt bildet die Hausaufgabe auch ein wichtiges Bindeglied zwischen der Schule, den Lernenden und den Eltern. Denn durch die Hausaufgaben erhalten die Eltern nicht nur einen Einblick in das, was von ihren Kindern in der Schule gefordert wird, sondern können anhand der häuslichen Übungen auch nachvollziehen, ob ihr Nachwuchs mit dem Schulstoff problemlos zurechtkommt.

Doch immer häufiger hört man von verschiedenen Seiten, dass die häuslichen Aufgaben im stressigen Schulalltag nicht zu einem Lernzuwachs führen, sondern bei Eltern und Kindern Stress erzeugen. Im schlimmsten Fall werden sie sogar zur Lern- und Motivationsbremse. Nämlich dann, wenn Schülerinnen und Schüler mit der Erledigung der Hausaufgaben zeitlich und inhaltlich überfordert sind.

Kein Lernerfolg durch Hausaufgaben?

Wie sinnvoll sind dann Hausaufgaben noch? Laut einer Studie der Technischen Universität Dresden, in der mehr als 1300 Ganztagsschüler und 500 Lehrer aus Sachsen befragt wurden, musste ein Drittel der Pädagogen einräumen, dass sie nicht sicher seien, ob Hausaufgaben wirklich zum Lernerfolg der Jugendlichen beitragen. Ganz überraschend ist diese Einschätzung nicht. So haben Wissenschaftler der Universität Tübingen nachgewiesen, dass Schülerinnen und Schüler je nach Lern- und Arbeitstyp unterschiedlich stark von den Hausaufgaben profitieren. Kinder, die sowieso schon Probleme damit haben systematisch, sorgfältig und effizient zu arbeiten, haben auch von den Hausaufgaben nicht viel.

Auch in dem Werk „Lernen sichtbar machen“ von John Hattie aus dem Jahr 2009, das Erkenntnisse aus über 50.000 Studien mit mehr als 80 Millionen Schülern bündelt und dessen Ergebnisse im Rahmen des PISA-Schocks einst besonders hohe Wellen schlugen, schneiden Hausaufgaben als Faktoren für den Lernerfolg eher schlecht ab.

Ganztagsschule durch die Hausaufgaben-Hintertür

In Zeiten, in denen Ganztagesangebote immer weiter ausgebaut werden und somit auch weniger Zeit für Hausaufgaben bleibt, müssen Schulen wohl zwangsläufig vom Modell der klassischen Hausaufgabe Abschied nehmen. Wissenschaftler regen deshalb an, dass Schulen Raum für das Üben und selbstständige Arbeiten in der Schule schaffen. An einigen Schulen der Republik haben sich Programme wie „Schüler helfen Schülern“ oder so genannte Lernzeiten, wo die Jugendlichen mit Betreuung einer Lehrperson selbstständig lernen und arbeiten können, schon längst erfolgreich etabliert. So könnte sich das Problem des täglichen Kampfes mit den Hausaufgaben bald von selbst gelöst haben und die Verfechter der Ganztagsschule kämen trotz aller ideologischen Hindernisse doch noch zum Ziel.

Autoren: Hannelore Brecht / Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Hinter der Diskussion um Hausaufgaben steckt mehr als zu vermuten ist. Ganztagsschulen und vormals Gesamtschulen sind die Lieblingskinder linker Bildungsideologen. Hier hat der Staat direkten Zugriff auf seine nächste Generation. Diese im Sinne der eigenen politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen zu prägen, war und ist das erklärte Ziel sozialistischer und zentralistischer Staaten.