Wenn die Psyche die Diät ruiniert

p395289 NEUNsight März 2018

Immer wieder hört man den Spruch: Abnehmen beginnt im Kopf. Da ist tatsächlich etwas dran. Studien zeigen, dass die richtige Einstellung beim Abnehmen und die Art, wie man isst, eine größere Rolle spielt, als man meinen mag. Unser „Selbstbild“ sowie unsere körperliche Grundvoraussetzung sind Faktoren, die ach so wohlgemeinte Diäten komplett ruinieren können.

Viele Menschen führen Diäten durch, doch nur wenige sind dabei dauerhaft erfolgreich. Dabei liegt bei überschüssigen Kilos die Ursache oft nicht darin, dass zu viel Ungesundes verspeist wird. Übergewicht entsteht häufig, wenn Essen eine Reaktion auf unbefriedigte seelische Bedürfnisse ist.

Essen als Kompensation

Gegessen wird dann nicht nur bei Hunger, wenn der Körper das Signal gibt, dass er Nahrung braucht, sondern auch als Reaktion auf Gefühle. So kann zum Beispiel, wenn man traurig ist, der Verzehr von Süßigkeiten unbewusst Trost spenden. Dadurch nimmt man schnell viel mehr Kalorien zu sich, als man verbraucht. Auch Dauerbelastungen wie chronischer Stress oder Depressionen können dafür sorgen, dass mehr gegessen wird als der Körper benötigt.

Übergewicht dank Hirnstoffwechselstörung

Die Medizinische Klinik der Universität zu Lübeck hat zu dieser Thematik eine Studie durchgeführt. Dabei wurden schlanke und übergewichtige Personen in Stresssituationen versetzt, so dass sie unruhig und nervös wurden. Sie sollten dann eine Aufgabe lösen, wodurch das Gehirn wieder zur Ruhe kommen konnte. Bei vielen Übergewichtigen schüttete das Gehirn in dieser Situation aber zusätzlich appetitanregende Hungerhormone aus.

Diese Hirnstoffwechselstörung ist korrigierbar, dafür kann allerdings die Hilfe eines Therapeuten nötig sein. Wer aufgrund dieser Problematik zu viel auf den Rippen hat, muss lernen, zwischen echtem Hunger und einem Appetit Gefühl, welches durch Emotionen verursacht wurde, zu unterscheiden.

Fit fühlen = fit sein?

Eine weitere Studie der amerikanischen Psychologin Ellen Langer zeigt außerdem, dass unser Selbstbild unsere Figur stark beeinflussen kann. So hatten Teilnehmerinnen, die sich selbst als körperlich weniger aktiv beurteilten, keine sonderlich gut trainierte Figur – obwohl sie sich eigentlich, zum Beispiel aus beruflichen Gründen, ziemlich viel bewegen. Hier zeigt sich eine Art umgekehrter Placebo Effekt, den man auch von der Schulmedizin kennt: Ein Medikament ohne medizinische Wirkstoffe kann trotzdem anschlagen, wenn der Patient glaubt, dass es wirkt. Die Teilnehmerinnen der Studie glaubten, sie hätten nicht genug Bewegung, um fit und schlank zu sein, also waren sie es auch nicht.

Andere Studien zeigen, dass schlechte Ernährung negative Auswirkungen auf die Psyche haben können. Dies kann wiederum eine Hirnstoffwechselstörung wie beschrieben hervorrufen. Der Kopf scheint also auf vielerlei Weisen Einfluss auf die Figur zu nehmen.

Kein langfristigerer Abnehmerfolg

Untersuchungen haben gezeigt, dass nur eine von 200 Personen durch eine Diät erreicht, was sie erreichen möchte, nämlich abzunehmen und das Gewicht zu halten. Diäten gehen davon aus, dass die Art und Menge der Nahrungsmittel das Hauptproblem sind. Und so machen Diäten selbst aus normalen Essern Menschen, die Angst vor dem Essen haben. Dem Essen wird die Schuld für das Übergewicht zugeschoben. Dabei sind nicht die Speisen das eigentliche Problem, sondern die Art wie man isst.

Fast jeder Deutsche hat irgendwann schon einmal eine Schlankheitsdiät gemacht. Und genauso viele sind damit gescheitert: nämlich fast alle. Dies hat eine stichprobenartige Umfrage unter den Lesern der Medizin-Welt ergeben. 93 Prozent haben eine Diät schon einmal versucht, nur knapp fünf Prozent sagen, sie hätten damit längerfristig Erfolg gehabt. Aber immerhin 23,9 Prozent gaben an, mit einer konsequenten Ernährungsumstellung und viel Bewegung ihre Pfunde dauerhaft losgeworden zu sein.

Der Wille entscheidet, nicht die Form der Diät

Entscheidend, um erfolgreich abzunehmen, ist weniger die Form der Diät als ein starker Wille. Mit raffinierten Tricks lässt sich die Psyche stärken und die Kilos purzeln. Wer schon einmal eine Diät durchgemacht hat, kennt das: Der Rückfall ist die Regel und nicht die Ausnahme. Nur den wenigsten gelingt es, schlank zu werden und es auf Dauer auch zu bleiben. Ihre Zahl kann man nur schätzen. „Sie wird nicht über 20 Prozent liegen“, vermutete schon Ernährungspsychologe Volker Pudel im Focus Online Magazin. „Abnehmen beginnt im Kopf. Sie selbst müssen es wollen – für sich selbst und nicht für andere“, beschreibt Volker Pudel den ersten Schritt in Richtung schlankerer Figur im online-Magazin aus München.

Metastudie analysiert fünf Harvard-Studien

Eine Metastudie aus fünf unterschiedlichen Untersuchungen der Harvard-Universität hat jetzt herausgefunden, welche Diät die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, abzunehmen. Fast 1000 Teilnehmer wurden im Rahmen der Studie analysiert, insbesondere die Frage, mit welcher Diät sie am besten abnahmen. Das Ergebnis: Im Vergleich zur Low-Fat- und Low-Carb-Diät schnitt die mediterrane Diät am besten ab. Auf dem Speiseplan der Probanden standen hauptsächlich frische Früchte, Olivenöl, mediterranes Gemüse, Pasta, mageres Fleisch und viel Fisch. Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer mit der Mittelmeer-Diät zwischen vier und elf Kilo innerhalb eines Jahres ab.

Autor: Dr. Franz Holland

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Verschiedene psychische Faktoren können eine Diät positiv oder negativ beeinflussen. Unser Selbstbild trägt entscheidend dazu bei, ob wir beispielsweise von uns selbst glauben, genügend Bewegung zu haben und damit eine entsprechende Figur vorweisen können. Wichtig ist es für Menschen, die eine Diät machen, zu erkennen, ob ein „echter Hunger“ vorliegt oder nur ein Appetitgefühl, welches häufig durch Emotionen hervorgerufen wird. Auch die Form der Diät hat Auswirkungen, da die körperlichen Grundvoraussetzungen der Abnehmwilligen ebenfalls eine Rolle spielen.