Hohes Anlage-Risiko durch Nullzinspolitik!

p395289 NEUNsight April 2018

Angesichts der geringen Zinserträge auf Sparkonten, Tagesgeld und klassischen Sparprodukten suchen Anleger nach den besten Möglichkeiten, um ihr Geld noch gewinnbringend anzulegen. Die NEUNsight hat sich auf dem Markt der Lebensversicherungen umgeschaut und bewertet die vorhandenen und die neuen Anlageformen.

Die klassische Lebensversicherung

Eine klassische Kapitallebensversicherung investiert die Beiträge der Versicherten in sichere, meist festverzinsliche Anlagen. Während die gesetzlich garantierte Verzinsung noch zur Jahrtausendwende bei über 3 Prozent lag, markiert sie mit 0,9 Prozent im Jahr 2017 einen Tiefstand. Für Versicherte bedeutet der niedrige Garantiezins einen geringen Ertrag. Er liegt unter der Inflationsrate. Grund hierfür ist die globale Politik der niedrigen Zinsen durch die großen Notenbanken. Nicht nur Kunden, sondern auch Versicherungsgesellschaft leiden unter dem geringen Zinsniveau. Die zu garantierenden Erträge bestehender Policen lassen sich kaum erwirtschaften.

Hybridprodukte als neue Form der Lebensversicherung

Hybridprodukte sind Lebensversicherungen, die die Beiträge nicht ausschließlich in fest verzinsliche Wertpapiere anlegen. Sie investieren die einmaligen oder regelmäßigen Einzahlungen ihrer Kunden oder einen Teil davon in risikoreichere Anlagen. Diese bieten potenziell bessere Ertragschancen. Im Gegenzug gewähren sie dem Versicherten keine garantierte Verzinsung. Sie sagen lediglich den Erhalt der eingezahlten Beiträge zu. Die auszuzahlende Versicherungssumme ergibt sich aus den geleisteten Beträgen sowie den erwirtschafteten Gewinnen aus Wertpapier- und Fondsanlagen.

Die fondsgebundene Lebensversicherung als Hybridprodukt

Verschiedene Versicherungsgesellschaften bieten eine Vielzahl an Produkten an, um die klassische, sichere Lebensversicherung mit einer gewinnbringenden Fondsanlage zu verbinden. Sie ermöglichen es, Beiträge vollständig oder teilweise in Fonds anzulegen. Andere Produkte führen nur bereits erwirtschaftete Überschüsse einem Fonds zu. So gewährleisten sie den Kapitalerhalt.

Jeder Versicherer definiert darüber hinaus eine eigene Vorauswahl von Fonds. Diese beinhalten unterschiedliche Risikoklassen. Der Versicherte hat die Möglichkeit, seine persönliche Risikobereitschaft bei der Fondswahl zu berücksichtigen. Rentenfonds sind in unterschiedliche Anleihen von Staaten, Ländern oder Unternehmen mit festem Zinscoupon investiert. Sie tragen ein Emittentenrisiko. Das Investment geht verloren, wenn der Gläubiger die Anleihe nicht oder unvollständig zurück zahlt. Aktienfonds legen die Beitragszahlungen in Aktien an. Hier besteht das Risiko von geringen oder starken Kursschwankungen. Diese hängen von der Marktlage und der Situation des Unternehmens ab. In der Regel gilt, je höher das Risiko, desto größer die Ertragschance.

Hybride als Kombination

Die Verträge bieten in der Regel die Option, gewählte Fonds anzupassen oder das angesparte Vermögen mit Erreichen eines höheren Alters in sichere Anlagen umzuschichten. Einige Gesellschaften bieten Modelle an, bei denen sich ein Finanzexperte aktiv um das laufende Fondsmanagement der Kunden kümmert. Hybridprodukte kombinieren die klassische mit einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Ziel ist es, das eingezahlte Kapital garantiert zu erhalten und gleichzeitig einen über die aktuelle Garantieverzinsung hinaus gehenden Ertrag zu erwirtschaften.

Autor: Frank Altmann

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Alle klassischen Lebensversicherungen – insbesondere bei Altverträgen – boten ihren Kunden Verzinsungen ab 3 Prozent an, die auf dem Kapitalmarkt seit einigen Jahren nicht mehr zu erzielen sind. Größere Geldbestände auf Girokonten werden nicht mehr verzinst oder sogar mit Minuszinsen belegt. Alternative Anlageformen wie Fondsanteile und Aktien versprechen noch Zinsgewinne oberhalb der 3 Prozent. Hybridprodukte im Bereich der Lebensversicherungen kombinieren die klassische Anlageform mit risikoreicheren Anlageformen wie beispielsweise Fonds und Aktien. Welche Form gewählt wird hängt nicht zuletzt von der Bereitschaft der Versicherten ab, auch Verluste hinzunehmen.