Die Jagd nach dem Phantom

p395289 NEUNsight Juni 2018

Ständig taucht er auf: der sogenannte Homo Oeconomicus. Gesehen hat ihn niemand, doch als das wirtschaftswissenschaftliche Phantom ist er in aller Munde und bleibt doch ein Rätsel. Denn Homo Oeconomicus hat es so nie gegeben und er wird nie existieren. Warum das so ist, beantworten wir Ihnen im Folgenden.

Der Homo Oeconomicus ist ein etabliertes wirtschaftswissenschaftliches Modell. Von zentraler Bedeutung ist der konstruierte Mensch, dessen Handlungen vom größtmöglichen Gewinn bestimmt werden, vor allem in der Makroökonomik, der Spieltheorie und der Verhaltensökonomik. Meist wird das Konstrukt des Homo Oeconomicus in diesen Sparten verwendet, um komplexe Zusammenhänge zu analysieren und vereinfacht darzustellen. Wichtig ist es, zu verinnerlichen, dass es sich dabei nur um ein abstraktes Modell handelt und keinesfalls um einen realen Menschen.

Das Modell des Homo Oeconomicus

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Homo Oeconomicus um ein abstraktes Konstrukt, das nie der Realität entsprochen hat. Die Begründung dafür liefert interessanterweise eine jener wirtschaftswissenschaftlicher Disziplinen, die selbst zuhauf auf das Modell zurückgreift: die Verhaltensökonomik.

Kein Mensch ist immer rational

Eine der Grundannahmen des Homo Oeconomicus lautet, dass er all seine Entscheidungen rational und nur auf der Basis der versprochenen Maximalgewinns trifft. So verhält er sich in jeder Lebenssituation. Der reale Mensch aber verhält sich in den wenigsten Fällen rational. Emotionen und soziale Normen spielen immer eine tragende Rolle, wenn Entscheidungen getroffen werden. Aus einer soziologischen Perspektive ist der Mensch nie frei von den bestehenden Umwelteinflüssen, die dementsprechend jede einzelne Entscheidung mit steuern. Vor allem Emotionen sind das genaue Gegenteil von Rationalität, also ist menschliches Verhalten ein Verhalten, dass der Homo Oeconomicus nie ausüben würde.

Kein Mensch ist immer egoistisch

Dass kein Mensch immer egoistisch ist, erscheint auf den ersten Blick als gewagte These. Das soll nicht heißen, dass Menschen nie egoistisch handeln. Aber sie können den Egoismus nicht durchgehend ausleben. Der Homo Oeconomicus schaut nur auf den eigenen Vorteil. Normen, Bräuche und Gepflogenheiten zählen für ihn nur, wenn sie seinem Maximierungsideal dienen.

Autor: Frank Altmann

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Ein Mensch, der sich im echten Leben wie das theoretische Phantom des Homo Oeconomicus verhalten würde, sähe sich mit einer ganzen Reihe negativer Sanktionen konfrontiert, die ihm seine Umgebung entgegen bringen würde. Er wäre sozial isoliert, was sich unweigerlich auch auf seine wirtschaftlichen Tätigkeiten auswirkt.