Versicherung gegen Shitstorm

p395289 NEUNsight Juni 2018

Ein funktionierendes Unternehmen muss nicht nur gute Produkte im Sortiment haben, sondern es muss auch der Ruf passen. Dieser Ruf ist im digitalen Zeitalter einer besonderen Gefahr ausgesetzt: dem Shitstorm im Netz!

Je nach Auswirkung und Größe des Shitstorms kann es sogar die Existenz von Unternehmen bedrohen, und die Angst davor lebt jeden Tag mit. Damit die Chefetage in Zukunft ruhiger und besser schlafen kann, hat die Versicherungsbranche eine bislang unentdeckte Marktlücke zum Leben erweckt. Die Rede ist von einer sogenannten Shitstorm-Versicherung, die nach und nach einen immer höheren Stellenwert hat. Das Angebot bestand zunächst nur in den USA, nun steigen jedoch weitere Versicherungen ein.

Schutz der Reputation

Aufgrund des Internets und der sozialen Medien sind rufschädigende Interneteinträge binnen Sekunden online. Und nicht nur das, sie verbreiten sich auch rasend schnell. Für Unternehmen ist das Gift, schließlich ist eine der Folgen Einbrüche beim Umsatz. Um zukünftig einen „Reputationsschutz“ zu haben, kann man bei ausgewählten Versicherungen eine entsprechende Police abschließen. Zu Beginn haben die Munich Re und weitere US-Versicherer die Anti-Skandal-Versicherung angeboten, nun steigt auch die Allianz auf diesen Zug auf. Der Marktführer in Europa setzt auf individuelle Lösungen, Produkte für die breite Masse gibt es nicht.

Um nun zu den Leistungen zu kommen: Wer eine solche Versicherung abschließt, der muss sich um die Umsatzverluste, die durch eine rufschädigende Krise entstehen, keine Sorgen machen. Sie sind durch die Police gedeckt und man kann sich voll und ganz auf eine Lösung konzentrieren. Und nicht nur das, im Paket ist auch noch eine professionelle Beratung enthalten. Das heißt, man wird von der Versicherung in solch einer Situation unterstützt. Dies ist nicht nur während der Krise der Fall, sondern auch davor und danach steht einem die Beratung zur Verfügung.

Folgendes ist nicht versichert

Kommt es in der Chefetage zu Straftaten, dann steigt die Versicherung aus. Straffällige Taten sind demnach nicht abgedeckt, wobei die einzelnen Verträge aber so oder so auf die einzelnen Kunden zugeschnitten sind. Im Moment haben vor allem große Firmen Interesse an der Anti-Skandal-Versicherung, doch auch Startups und kleine Konzerne zeigen Neugier.  Dem alljährlichen „Risikobarometer“ zufolge steigt die Angst. 2013 befürchtete jeder zehnte Betrieb „Reputationsschäden“, im Jahre 2018 war es bereits jede dritte Firma. Diese Entwicklung bestätigt einen erwarteten Erfolg der neuen Marktlücke in der Versicherungsbranche.

Autoren: Edgar Lamm / Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Allein im Zuge des Dieselskandals sahen sich vor allem deutsche Autobauer massiven Anfeindungen im Internet ausgesetzt. Da es sich vermutlich um Straftatbestände handelt, greifen mögliche Shitstorm-Versicherungen hier nicht.