China im Kaufrausch?

p395289 NEUNsight Juli 2018

Die Investitionen von chinesischen Unternehmen in Deutschland beliefen sich im Jahr 2017 auf knapp 14 Milliarden US-Dollar – ein bisheriger Rekord. Da stellt sich die Frage, ob deutsche Unternehmen gezielt aufgekauft werden und welche Absicht dahinter steckt.

Im letzten Jahr haben chinesische Investoren wie nie zuvor in deutsche Unternehmen investiert – knapp 14 Milliarden US-Dollar. Das ist gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2016 mit knapp 13 Milliarden ein Anstieg um neun Prozent. Auch in Bezug auf Transaktionen ist Deutschland für Chinas Anleger in Europa die Nummer eins. So fanden alleine im Jahr 2017 beispielsweise 54 einzelne Beteiligungen und Übernahmen statt. In Großbritannien dagegen waren es lediglich 47 Fälle, in Italien 24 und in Frankreich investierten chinesische Anleger in nur 22 französische Unternehmen. Auch gingen die chinesischen Investitionen in der Europäischen Union im Gegensatz zu Deutschland zurück: Lag die Investitionssumme 2016 noch bei knapp 86 Milliarden US-Dollar, so waren es im letzten Jahr lediglich 57,5 Milliarden US-Dollar.

30 deutsche Unternehmen

Insgesamt erwarben chinesische Investoren alleine in Deutschland 30 Unternehmen. So wie etwa das Hightech-Unternehmen Ista international. Dieses kaufte die Cheung Kong Property Holding für 6,72 Milliarden US-Dollar. Die chinesische HNA Group erwarb für drei Milliarden US-Dollar Anteile an der Deutschen Bank. Für rund 600 Millionen Dollar konnte die Zhengzhou Coal Mining die Robert Bosch Starter Motors übernehmen. Besonders beliebt für die Investoren aus Fernost sind Industrie- und Hightech-Unternehmen.

Der Höhepunkt scheint überschritten

Doch der Höhepunkt der Einkaufstour ist erreicht. Auf der einen Seite sind besondere Unternehmen wie etwa der deutsche Hersteller für Robotertechnik Kuka bereits in chinesischer Hand. Auf der anderen Seite haben sich die Verantwortlichen in Deutschland und China im letzten Jahr geeinigt, den Unternehmensübernahmen Grenzen zu setzen. So erfolgte aufgrund der chinesischen Übernahme des Roboter-Spezialisten Kuka eine Verordnung, die das Vetorecht der Bundesregierung gegen Übernahmen deutscher Unternehmen durch nicht-europäische Investoren erweitert. Damit soll dem Ausverkauf der deutschen Unternehmen ein Riegel vorgeschoben werden. Auch hat die Regierung in Peking die Kontrolle von Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland verschärft.

Kein Ausverkauf deutscher Unternehmen

Trotz aller Investitionstätigkeiten der Chinesen ist ein Ausverkauf deutscher Unternehmen nicht zu befürchten. Daran wird auch der sich verschärfende Handelskrieg zwischen China und den USA nichts ändern. Die Übernahme eines großen Dax-Konzerns – da sind sich alle Experten einig – ist momentan sehr unrealistisch.

Autorin: Hannelore Brecht

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Chinesische Unternehmen spielen auf dem Weltmarkt eine immer größere Rolle. Nicht als Ziel von Joint-Ventures, sondern als „Global Player“, die in europäische Häfen, deutsche Flugplätze und ganze Gewerbegebiete investieren. Was sich im zunehmenden Handelskrieg zwischen den USA und China in diesem Bereich verändern wird ist noch nicht abzusehen. Allerdings steht „Made in Germany“ bei chinesischen Investoren hoch im Kurs.