Handelskrieg: keine Sieger, nur Verlierer!

p395289 NEUNsight August 2018

Kaum jemand hat damit gerechnet, doch nun scheint er fast unausweichlich: ein Handelskrieg zwischen den USA und China mit globalen Folgen. Erste Auswirkungen der Sanktionen spüren auch deutsche Unternehmen – Handelspartner in aller Welt sind verunsichert und schieben dringend notwendige Investitionsentscheidungen und Importe aus Deutschland auf.

Der Krieg als solcher ist ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Beteiligten. Jeder von ihnen will seine eigenen Interessen durchsetzen, weil dazu für den alternativen, nämlich den friedlichen Weg keine Möglichkeit gesehen wird. Als Handelskrieg werden verschiedenartige politische Maßnahmen bezeichnet, mit denen die eigene Volkswirtschaft zu Lasten anderer gestärkt werden soll. Das hat für die Beteiligten wenige Vorteile, allerdings vielfältige Nachteile.

Einen Handelskrieg anzukündigen, so wie es der US-amerikanische Präsident Trump seit Monaten tut, ist gleichbedeutend mit dem Statement, einseitig Tatsachen zu schaffen, ohne zu verhandeln. Den bisherigen Handels- und Vertragspartnern werden sozusagen die Bedingungen diktiert, unter denen weiterhin gehandelt werden kann und darf; oder eben auch nicht. Es gibt kein gedeihliches, ökonomisches Miteinander, sondern nur ein „Entweder, Oder“. Auch wenn in Gesprächen teilweise Einigung darüber erzielt werden konnte, bestimmte Regionen (Beispiel Europa) von Strafzöllen und manche Produkte damit nicht zu belegen, so sind doch die vollmundigen Ankündigungen meist nur von kurzer Dauer und nicht belastbar.

Hemmungsloser Egoismus

Der nun beginnende Handelskrieg hat die Auswirkungen eines geradezu hemmungslosen Egoismus; so wie ihn Trump bei seiner Antrittsrede am 20. Januar 2017 mit dem Slogan „America First, America First, America First“ formuliert und seitdem zu einer ständig wiederholten Floskel gemacht hat. Diese Aussage wurde zwar von ihm dahingehend relativiert, dass „First“ nicht gleichbedeutend mit „Alone“, also allein sei. Die jetzige Auswirkung von Strafzöllen zeigt jedoch das Gegenteil. Die Handelspartner der USA sind nicht mehr gleichberechtigt, sondern sie werden vor vollendete Tatsachen gestellt nach dem Motto „Friss oder stirb“.

Der von den USA angekündigte Handelskrieg soll die inländische US-Binnenwirtschaft stärken, weil bisher importierte Produkte selbst produziert werden, damit werden die US-Exporte in die vom Handelskrieg betroffenen Länder deutlich nachlassen. Das sorgt für Überkapazitäten bei der Produktion im eigenen Land und eine Folge davon ist der Verlust von Arbeitsplätzen, weil nicht dauerhaft auf Halde produziert werden kann. Die USA werden im weitesten Sinne vom bisherigen Welthandelspartner zum Selbsterzeuger und Selbstverbraucher.

Warten auf den Nachfolger

Trump glaubt, dass die USA keinen Welthandel benötigen, weil sie „alles selbst im Land haben, selbst produzieren und konsumieren können“. Das ist ein Trugschluss, der sich allerdings erst im Nachhinein als solcher zeigt. Ohnehin ist zu erwarten, dass jeder Nachfolger im Amt als eine der ersten Amtshandlungen diesen Handelskrieg wieder beenden wird; sei es als Republikaner oder als Demokrat. Denn kein verantwortungsbewusster Politiker führt in der heutigen Zeit ohne Not einen Handelskrieg. Außer Trump!!!

Autoren: Michael Storks / Frank Altmann

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Auf den US-Handelskrieg fallen die weltweiten Reaktionen einhellig negativ aus. Generell braucht die globalisierte Welt einen weltumspannenden Handel. Sich selbst ohne existenzielle Not davon auszuklinken oder seinen Partnern den Handel zu erschweren ist eine Überheblichkeit, die sich in der heutigen Zeit kein Land, auch keine sogenannte Großmacht leisten kann. Die Entwicklung zeigt, dass selbst Länder wie China, wie Russland, Kanada, Australien, Indien oder Brasilien Handelsabkommen schließen. Ihnen allen ist bewusst, dass sie Handel betreiben müssen, um einerseits selbstproduzierte Ware verkaufen, und andererseits dringend benötigte Ware einführen zu können.