Wege aus der Stress-Falle

p395289 NEUNsight August 2018

Generell ist Stress nicht negativ, er dient vielmehr als Warnsignal vor Gefahren, kann zu besseren Leistungen beflügeln und beschert Glücksgefühle. Steht man jedoch unter Dauerstress hat das negative Auswirkungen. Die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen steigen seit Jahren stetig.

Dabei ist Stress nicht gleich Stress. Der sogenannte „Eu-Stress“ ist eine gute, förderliche Form, die zwar kein Dauerzustand werden darf, aber in der richtigen Dosis zu einem Anstieg der Produktivität und der Qualität der Arbeitsleistung führt. Der „Di-Stress“ hingegen ist der zerstörerische Stress, unter dem viele Menschen tatsächlich leiden. Er tut weder der Arbeitsleistung noch der Gesundheit gut und kann regelrecht krank machen. Wie kann man sich also vor zu viel schädlichem Stress schützen, bevor das geschieht? Antworten dazu gibt unter anderem ein neues Booklet von Winfried Neun „Mit Resilienz und Gelassenheit durch den Alltag“.

Ausgleich zum Stress finden

Ganz vermeiden lässt sich Stress oft nicht. Den Job kann man nicht so schnell wechseln, die Kinder können nicht spontan dem Babysitter überlassen werden. Wenn es also nicht möglich ist, Stressfaktoren kurzfristig aus der Welt zu schaffen, braucht es einen Ausgleich. Dieser muss tiefe Entspannung erlauben, denn das baut die Stresshormone im Körper ab und somit können sie ihre potenziell schädlichen Auswirkungen nicht mehr entfalten. Tatsächlich effizient sind Sport und Bewegung, denn Stress ist eine Fight-or-Flight-Reaktion. Das bedeutet, entweder wird die körperliche Anspannung zum Kampf oder zur Flucht benutzt, was aber beides Bewegung bedeutet. Da er danach nicht mehr gebraucht wird, wird er währenddessen abgebaut.

Die Stress-Landkarte: Was stresst mich?

Oft wissen wir gar nicht, was uns so belastet. Wir sind bereits morgens beim Autofahren ins Büro angespannt und genervt. Abends ist es trotz getaner Arbeit nicht wirklich besser. Einkaufen ist ein reiner Spießrutenlauf, selbst langsam laufende Menschen bringen uns auf die Palme. Das alles ist aber gar nicht das wesentliche Problem. Es geht in Wahrheit um ganz andere Dinge. Und um diese zu erkennen, müssen wir sie manchmal erst aufmalen. Sich selbst malt man in die Mitte des Bildes und zeichnet dann alle Stressfaktoren ein, die im Moment aufs Wohlbefinden einwirken. Dadurch werden uns Stressoren bewusst, die wir bis jetzt vielleicht gar nicht richtig ernst genommen oder überhaupt gesehen haben.

Stressfaktoren langfristig angehen

Es ist nicht immer möglich, die wahren Stressfaktoren jetzt sofort umzustellen. Langfristig aber muss sich hier etwas ändern, andernfalls wird der Stress immer nur kompensiert und besteht trotzdem weiter. Deswegen sollte überlegt werden, was geändert werden muss und wie das funktionieren kann. Können die Kinder eine Stunde länger in der Kita bleiben, damit der Einkauf vorher stressfrei ohne sie erledigt werden kann. Welche Jobs sind derzeit ausgeschrieben, die näher am Wohnort liegen? Wichtig hierbei sind realistische Veränderungen, die sich wirklich umsetzen lassen, auch wenn es bis dahin noch eine Weile dauert.

Autoren: Michael Storks / Sonja Huber

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Im Hinblick auf aktuelle Fehlzeitenreports der Krankenkassen, die zeigen, dass Arbeitsausfälle wegen psychischen Erkrankungen deutlich steigende Tendenzen haben, rückt die Resilienzstärkung immer mehr in den Vordergrund: Wie kann ich mich vor einem Burnout schützen? Welche Verantwortung kommt dem Arbeitgeber dabei zu? Welche Konsequenzen haben Stress und Überbelastungen für mich und mein Team? Was bedeuten diese ganzen Begriffe überhaupt und ist das nicht alles das gleiche? Auf diese Fragen gibt das Booklet von Winfried Neun erste Antworten.