„Aktiv die digitale Transformation stützen“

p395289 NEUNsight September 2018

Im Interview zur CIDT-Gründung sieht Chefredakteur Winfried Neun in vielen mittelständischen Unternehmen einen massiven Innovationstau, der sehr oft auf innovationspsychologischen Problemstellungen basiert.

Welche Ziele verfolgen Sie und die K.O.M. GmbH als Gründungsmitglied der CIDT?

Winfried Neun:

Ich sehe große Herausforderungen auf den deutschen Mittelstand zukommen, was insbesondere den Bereich der digitalen Innovationen anbelangt. Hier sind laut einer aktuellen K.O.M.-Befragung vom September 2018 nur 13 Prozent der Befragten konsequent in der Umsetzung. Der CIDT bietet hier eine ideale Unterstützungsplattform. Wir sehen im CIDT eine für den Standort wichtige neue Institution. In vielen mittelständischen Unternehmen sehen wir einen massiven Innovationstau, der sehr oft auf innovationspsychologische Problemstellungen basiert. Mit der Gründung von CDIT wollen wir diesen Unternehmen einen Zugang zu neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen, Methoden und Vorgehensweisen zur Steuerung psychologischer Prozesse im Innovationsmanagement bieten. Letztendlich sind es die Menschen, welche Innovationen erdenken und Wirklichkeit werden lassen.

Hat der Mittelstand im Bereich digitale Transformation aus Ihrer Beratungserfahrung heraus einen besonderen Nachhol- bzw. Hilfebedarf?

Winfried Neun:

Ganz sicher – die guten Jahre der letzten Dekade haben viele Herausforderungen und zukunftsweisenden Veränderung für viele mittelständische Unternehmen als nicht besonders dringlich dargestellt. Dies ist, wie sich heute zeigt, ein Denkfehler gewesen. Gerade im Bereich der Digitalisierung liegen wir im Wettbewerbsvergleich zu anderen Ländern auf einen der letzten Plätze. Der große Nachholbedarf liegt insbesondere im Kulturwandel hin zu schnelleren Veränderungen und fehlerakzeptiertem Change Management (BPM) sowie im anstehenden Generationswechsel zwischen Baby-Boomern & Millenials. Zudem mangelt es häufig an einer strategischen Ausrichtung im Rahmen der Digitalisierungsprojekte.

Welchen Beitrag kann die K.O.M. GmbH konkret im Cluster leisten?

Winfried Neun:

Die K.O.M. unterstützt gezielt die erfolgreiche Ausrichtung des Change- und Background Personality Managements, so dass diese aktiv die digitale Transformation stützen. Dies führt zu einer Steigerung der Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Time to Market, dem Abbau mentaler Barrieren für neue Ansätze und beschleunigt damit notwendige Veränderungen. Darüber hinaus qualifizieren wir die  Führungskräfte in den Unternehmen und zertifizieren diese zu digitalen Performance Improvement Agents, die dann als interne Transformationstreiber bei digitalen Innovationen fungieren können.

Wie wichtig ist eine Unterstützung im Bereich Innovationspsychologie und Veränderungsmanagement für die mittelständischen Unternehmen?

Winfried Neun:

Sehr wichtig – Projekte werden heute nicht realisiert, weil es eben an psychologischer Überzeugungsarbeit fehlt! Es hat sich in internen Studien der K.O.M. sowie in vielen Projekten gezeigt, dass eine Mehrzahl der Unternehmen hinsichtlich ihrer psychologischen Reife für eine innovative Unternehmensführung nicht bereit ist. Gerade die Umsetzung von Ideen in marktreife Produkte scheitert an der fehlenden Bereitschaft quer zu denken. Noch schlimmer ist, dass viele Unternehmenslenker dem Irrglauben verfallen sind, dass sie sehr wohl querdenken. Ein Trugschluss der sich spätestens bei der erfolgreichen Übernahme von Teilen des Geschäftsmodells durch Start-ups als tragische Fehleinschätzung herausstellt.

Setzt die digitale Transformation neue Anforderungen im wirtschaftspsychologischen Bereich voraus und benötigt daher neue und innovative Beratungsformen?

Winfried Neun:

Definitiv! Es muss auch in der Beratung neu gedacht werden. So hat die K.O.M. mit ihrer Online Consulting Plattform (OLC) einen neuen Marktplatz für Blaue Ozean Strategien ins Leben gerufen, um Unternehmen eine neue Art von Vernetzung zu ermöglichen. Darüber hinaus muss der Faktor Mensch endlich wirklich als Erfolgstreiber behandelt werden. Unsere Studien zur Background Personality haben gezeigt, dass Unternehmen welche sich intensiv mit der verdeckten Kraft der Affektregulation in Organisationen beschäftigen bis zu 35 Prozent erfolgreicher sind und zwar in ALLEN Bereichen. Es lohnt sich also für Unternehmen, dem Backgrund Personality Management jetzt erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken und diese innovative Form des Change Managements erfolgreich für sich einzusetzen.

Interview: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Ein zentrales Angebot des Vereins ist das Praxismodell PIDT, ein Leitfaden zur Verbesserung der Innovationsleistung eines Unternehmens. Kerngedanke des Modells ist es, einen Weg zur kontinuierlichen Weiterentwicklung anzubieten. In acht Schritten werden Unternehmen dabei begleitet, ihren Digitalisierungsgrad systematisch zu steigern. Das Modell ist darauf angelegt, mehrfach durchlaufen zu werden. PIDT ist ein speziell auf den Mittelstand ausgerichteter Leitfaden, der von den Innovations- und Digitalisierungsexperten in Zusammenarbeit mit der IHK München und Oberbayern sowie der Hochschule für angewandte Wissenschaften entwickelt wurde. Das Modell wird in Arbeitsgruppen ständig weiterentwickelt.