Bitcoins – schöner Schein oder harte Währung?

p395289 NEUNsight Oktober 2018

Fast zehn Jahre ist es her, dass Satoshi Nakamoto die Bitcoin und damit die Blockchain-Technologie schuf. Manche halten nicht die Kryptowährung an sich, sondern die dahinterstehende Blockchain für die eigentliche bahnbrechende Entwicklung. Doch wie sieht es konkret mit der Bitcoin aus? Hat sie die Chance, sich als digitales Zahlungsmittel durchzusetzen?

Über 60.000.000 Dollar wäre die Bitcoin Pizza heute in etwa wert. Es geht um die erste Transaktion von Bitcoin gegen eine echte Ware. Am 19. Mai 2010 kaufte sich der Entwickler Laszlo Hanyecz zwei Pizzen für damals 10.000 Bitcoins. Ein Twitter-Account gibt täglich Auskunft darüber, wie viel diese Pizzen am jeweiligen Tag kosten würden. Heute wäre Hanyecz mit dieser Summe ein Millionär, denn seitdem ist der Preis eines Bitcoins massiv angestiegen.

Unregulierter Markt

Dieser enorme Preisanstieg ergibt sich einerseits aus dem Handel mit der Kryptowährung als ein reines Spekulationsobjekt. Der größtenteils unregulierte Markt und die hohe Volatilität hat viele Spekulanten angelockt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Bitcoin immer mehr als digitales Zahlungsmittel akzeptiert wird. International und auch in Deutschland steigt die Zahl der Händler, die Bitcoin akzeptieren. Zumeist geht es hierbei um den Online-Handel. Auch die Verbreitung von Bitcoin-Automaten, den ATMs, steigt. Jedoch ist in dieser Hinsicht Deutschland noch vergleichsweise rückständig.

Im deutschsprachigen Raum breiten sich die Krypto-Automaten eher in der Schweiz und in Österreich aus. Die meisten Automaten finden sich in Nordamerika, Großbritannien und der Schweiz. Laut Coinatmradar sollen jeden Tag 15 neue Standorte mit Bitcoin-ATMs dazukommen. In Deutschland stehen den Automaten regulatorische Hürden im Weg. Öffentlich zugängliche Automaten sind hier nicht erlaubt.

Negative Entwicklungen

Indes ist nicht jede Entwicklung positiv. So akzeptierten im Jahre 2016 noch fünf der größten US-amerikanischen Online-Händler Bitcoin, im Jahre 2018 sind es nur noch drei. Laut Bloomberg verarbeiteten amerikanische Zahlungsdienstleister im Jahre 2017 Transaktionen im Wert von 411 Dollar, 2018 waren es gerade mal 69 Millionen. In beiden Fällen liegt die Ursache in den langsamen Transaktionen. Es sei denn, man zahlt hohe Gebühren.

Hier zeigt sich, dass Bitcoin eine Kryptowährung der allerersten Generation ist. Die Kryptowährung ist zu schwerfällig geworden, das Netzwerk kann die vielen Transaktionen kaum noch bearbeiten. Wer nicht Stunden darauf warten will, dass seine Bitcoins versendet werden, der muss draufzahlen. Technische Krücken in Form von „Segregated Witness“ und dem „Lightning Network“ wurden bereits implementiert, doch die im Vergleich zu anderen Coins rückständige Technik steht einer umfangreicheren Nutzung im Wege.

Zukunft ist offen

Doch bislang ist Bitcoin noch zu groß, um aufgegeben zu werden. Und die Akzeptanz wächst weiterhin. So bringt im November die erste deutsche Blockchain-Bank „Bitwala“ ihre Bitwala Card heraus. Die Bank ermöglicht Abhebungen, Zahlung und SEPA-Überweisungen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Autoren: Ralf Kander / Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Als Spekulationsobjekt taugen Bitcoins nur bedingt, die Schwankungsbreite ist enorm und der anfängliche „Goldrausch“ ist für so manche Anleger zum finanziellen Alptraum geworden. Das eigentliche Entwicklungspotential liegt nicht in der Währung, sondern in der Blockchain-Technologie, die dahinter steckt.