Globalisierung schürt europäische Ängste

p395289 NEUNsight November 2018

Sieben von zehn Deutschen sehen in der Globalisierung kein Problem und darin jede Menge Vorteile für die Gesellschaft, wenn man einer neuen Studie glauben darf. Doch die aktuellen Wirtschafts- und Handelskriege lassen auch den Ruf nach mehr staatlichem Schutz lauter werden.

Besonders die von US-Präsident Trump angekündigten Strafzölle auf ausländische Waren sehen viele Deutsche als Problem an. Durch diese kommt es zu einer künstlichen Verteuerung der Waren auf dem amerikanischen Markt, weshalb der Verkauf sich schwieriger gestaltet. Kommt es zu weiteren protektionistischen Maßnahmen, dann ist Deutschland als Exportnation davon besonders betroffen. Viele Industrien sind auf den Außenhandel spezialisiert. Deutsche Maschinenbauer genießen Weltruf, weshalb deren Maschinen ein Verkaufsschlager sind. Verteuern sich diese künstlich, dann ist deren Absatz schwieriger, weshalb die Umsatzzahlen einbrechen und Arbeitsplätze gefährdet sind.

Mehr Schutz gefordert

Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen fordert laut der Studie neben der großen Freiheit die durch den Welthandel entsteht trotzdem Unterstützungsleistungen durch den Staat, der sie vor negativen Entwicklungen schützen soll. Zwar sehen die Bürger das weltweite Miteinander als positiv an, doch sie denken auch, dass sich Schwierigkeiten nur auf Regierungsebene und durch Diplomatie lösen lassen.

Zustimmung und Ängste

Die Zustimmungswerte zum Welthandel steigen dabei immer deutlicher an. 2016 waren nur 56 Prozent der Befragten von dieser Entwicklung überzeugt. In diesem Jahr ist der Wert auf beachtliche 70 Prozent gestiegen. Die Vorteile des weltweiten Verkaufens der Waren erkennen die Beteiligten, doch sie wissen auch, dass es Gefahren gibt und eine Gleichbehandlung aller Länder nicht gewährleistet ist. Große Wirtschaftsnationen haben immer Vorteile und können auf kleinere Mitbewerber schnell Druck aufbauen, damit diese sich den Bedingungen des Stärkeren unterwerfen.

Unsicherheitsfaktor USA

Besonders die Entscheidungen von Donald Trump schüren die Befürchtungen, dass es zu einem weltweiten konjunkturellen Abschwung kommt, der sich ebenfalls auf Deutschland auswirkt. Das amerikanische Staatsoberhaupt beweist immer wieder, dass für ihn allgemeine Regelungen und Verhaltensweisen nicht gelten, wenn davon die Wettbewerbsfähigkeit der USA beeinträchtigt sein könnte. So kommt es derzeit zu einer gefährlichen Auseinandersetzung mit China. Das bedeutete gleichzeitig, dass die zwei weltweit größten Volkswirtschaften auf einen Konflikt zusteuern, dessen Ausgang ungewiss ist.

Europas Bürger wollen Schutz

Doch auch europäische Wirtschaftsländer möchten einen gewissen Schutz genießen. Besonders ausgeprägt ist das Schutzbedürfnis in Großbritannien und Frankreich. 59 Prozent der Briten fordern mehr Sicherheit für die eigene Wirtschaft durch die Politik, wobei dieser Aspekt auch beim Austritt aus der EU eine Rolle spielte. In Frankreich ist das Schutzbedürfnis noch größer. 75 Prozent der Einwohner fordern von Präsident Macron ein Handeln im Interesse der eigenen Nation auf internationaler Ebene.

Untätige Unternehmen und die Konjunktur kühlt ab

Auch wenn ein gewisser Schutz sicher möglich ist, so liegt das europäische und vor allem das deutsche Problem nicht in den fehlenden Handelsbarrieren, sondern vielmehr in einer sorglosen Untätigkeit der deutschen Unternehmen, solange es ihnen gut geht. Die Erschließung neuer Märkte, so der Strategieexperte Winfried Neun, wurde sträflich versäumt.  „Aber der deutschen Wirtschaft ging es in den letzten Jahren zu gut, was zwangsläufig zu einem Stillstand in den Bemühungen um neue Märkte und Kunden geführt hat“, so Neun. Zu einer zusätzlichen Unsicherheit führt derzeit auch die spürbare Abkühlung der Konjunktur in Deuschland. Der Ifo-Index zeigt beim deutschen Geschäftsklima eine weitere Abschwächung an. Zum dritten Mal in Folge sinkt der viel beachtete Frühindikator. Die Stimmung in Chefbüros und Vorstandsetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im November den dritten Monat in Folge eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima sank von zuvor 102,9 auf aktuell 102,0 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Damit fiel der Ifo-Index etwas schwächer aus als erwartet: Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Absinken auf 102,3 gerechnet. „Die deutsche Konjunktur kühlt ab“, fasste Ifo-Präsident Clemens Fuest die Lage zusammen. Die Führungskräfte beurteilten dabei nicht nur ihre derzeitige Geschäftslage schlechter, sondern auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Autoren: Michael Storks / Hannelore Brecht

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Der Fluch voller Auftragsbücher ist laut Winfried Neun dafür verantwortlich, dass Anstrengungen in die Erschließung neuer Märkte und die Suche nach sogenannten „Blauen Ozeanen“ völlig vernachlässigt wurden. „Nur mit einer klaren Strategie zur Erschließung neuer Märkte, die Rücksicht auf die jeweiligen Gegebenheiten der Zielmärkte nehmen, lassen sich erfolgreich neue und konstante Wirtschaftsbeziehungen aufbauen.“ Die Experten der K.O.M. GmbH stehen gern mit ihrer umfangreichen Expertise zur Verfügung. Weitere Informationen unter info@kom-neun.de