Schnäppchenjagd – zwischen Gier und Verlustangst

p395289 NEUNsight November 2018

Immer neue Aktionstage sollen den deutschen Verbraucher an die Ladenkassen und Internet-Portale locken. Black Friday, Cyber Monday oder Singles Day. Die Folge: es gibt kaum noch Monate ohne irgendwelche Sonder-Sales – egal aus welchem Grund.

Diese Sonderverkaufstage und Wochen haben dem Schlussverkauf längst den Rang abgelaufen. Milliardenumsätze werden so generiert, die dann an den klassischen Winter- und Sommerschlussverkäufen als Einnahmen für die Händler fehlen. Warum also das Ganze? Wer sich mit dem Thema Schnäppchenjäger näher befasst, wird hier sehr schnell mit unterschiedlichen Überlegungen zum Thema konfrontiert werden. Handelt es sich bei der Schnäppchenjagd nun einfach nur ums Sparen, um die Freude, für weniger Geld gut eingekauft zu haben oder aber bereits um ein eventuelles Suchtverhalten?

Einkaufen als Genuss

Gemütlich einkaufen zu gehen und dabei den Einkauf auch als Erlebnis zu genießen, ist besonders bei den Deutschen laut der Studie eines Marktforschungsinstituts normal. Die meisten Menschen genießen den Lebensmitteleinkauf, nehmen sich auch Zeit dafür und vergleichen gern dabei auch die Angebote der verschiedenen Lebensmittelgeschäfte. Viele Menschen haben dabei ihren Lieblings-Supermarkt oder Lieblings-Discounter oder auch mehrere davon und nehmen sich viel Zeit, dort zu schauen, was gerade im Angebot ist. Es macht Sinn, die Dinge, die täglich im Haushalt und in der Küche gebraucht werden, zu einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis einzukaufen und dabei das Gefühl von Erfolg zu haben, indem das eine oder andere ohnehin in der Küche benötigte Schnäppchen dabei war, macht auch glücklich. Mit Suchtverhalten hat das, so die Studie, nichts zu tun.

Schmaler Grat zur Sucht

Natürlich kann ein Schnäppchenjäger auch zu der Gruppe von Menschen gehören, die man als kaufsüchtig betrachten kann. Das ist immer dann der Fall, wenn sinnlos Dinge zu einem günstigen Preis eingekauft werden, die im Haushalt gar nicht gebraucht werden. Besonders leicht kann es im Internet bei den Online-Angeboten, die sich sehr schnell und leicht vergleichen lassen, zu so einem Suchtverhalten kommen. Auch hier spielt das Glücksgefühl zwar eine Rolle, überwiegt aber. Kaufsüchtige neigen dazu, einfach nur noch stolz auf die gefundenen Schnäppchen zu sein, lieben es auch, dafür von anderen Menschen gelobt zu werden, obwohl sie Dinge gekauft haben, die sie gar nicht brauchen. Chefredakteur Winfried Neun bringt es auf den Punkt. „Ein Schnäppchen zu verpassen setzt Verlustängste frei, die unser Gehirn wenn möglich vermeiden will. Zudem kommt ein Konkurrenzdenken hinzu, welches von Neid auf das Schnäppchen von Anderen geprägt ist.“

Messie-Verhalten

Zuweilen werden derartige Schnäppchen nicht einmal mehr ausgepackt, nie benutzt und führen oft sogar zu einem Messie-Verhalten, bei dem sinnloserweise unbrauchbare Dinge in der Wohnung gehortet werden. Mit Sparen hat das dann nichts mehr zu tun. Es wird ja sogar sinnlos zu viel Geld ausgegeben, das an anderer Stelle besser gebraucht werden könnte. Häufig sind diese Schnäppchenjäger einsam oder depressiv und versuchen so, vorübergehend ihren Problemen zu entkommen. Wenn so ein Verhalten allerdings dann zu Überschuldung und ernsthaften Schwierigkeiten führt, ist es sinnvoll, sich in so einem Fall von einem Therapeuten behandeln zu lassen.

Autoren: Frank Altmann / Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Schnäppchenjäger und Shopaholics sind sich durchaus im Klaren darüber, dass sie eine Schwäche haben, wusste schon vor Jahren die "Wirtschaftswoche" zu berichten. Sie sind ständig und immer auf der Jagd nach Dingen, die sie brauchen oder die sie sich wünschen. Diese Schwäche kann und wird von der Verkaufsseite ausgenutzt und immer neue Angebote sollen zum Kauf im wahrsten Sinne des Wortes „anregen“.