„Prozesse optimieren und damit neue Kapazitäten freisetzen“

p395289 NEUNsight Januar 2019

Im Interview mit der NEUNsight sieht der Geschäftsführer der Kreiskliniken Mühldorf, Ulrich Hornstein, seine Hauptaufgaben darin, die internen und externen Prozesse in und im Umfeld der Klinik zu optimieren, um damit Freiräume zur internen Leistungssteigerung und zur effizienteren Betreuung der Patienten zu schaffen.

NEUNsight:

Zu Beginn eine grundsätzliche Frage, da Sie in beiden Bereichen gearbeitet haben. Was unterscheidet eine privatwirtschaftlich geführte Klinik von einer in kommunaler Trägerschaft mit Blick auf Rendite und Personalkosten?

Ulrich Hornstein:

Der Unterschied ist nicht so groß. Wirtschaftlich arbeiten müssen beide Seiten. Während bei öffentlichen Trägern die schwarze Null oder ein kleines Plus für zukünftige Investitionsvorhaben reicht, müssen private Träger eine höhere Rendite von bis zu 10 Prozent und darüber erwirtschaften. Diese höhere Rendite erreichen private Träger vor allem durch niedrigere Personalkosten im Vergleich zu den öffentlichen Trägern. In privaten Häusern liegen die Personalkosten bei  etwa 55 Prozent, in kommunalen Häusern bei 65 bis 68 Prozent der Gesamtkosten. Mein Rendite-Ziel für die Kreiskliniken liegt bei 2,5 bis 5 Prozent.

NEUNsight:

Sie wollen durch die Optimierung von Prozessen Mitarbeiter im Pflegebereich entlasten und deren Aufgaben auf andere Bereiche verteilen. Welche Maßnahmen sind zur Entlastung nötig und welche Schritte sind bereits ins Auge gefasst oder gar eingeleitet worden?

Ulrich Hornstein:

Sie sprechen einen internen Prozess an, der eigentlich nie endet. Es wird immer Bereiche geben, in denen Optimierungs-Potential steckt. Prozesse können verschlankt, Aufgaben verlagert und damit effektiver erledigt werden. Wir überprüfen rollierend unsere  Aufgabenfelder und stellen falls nötig die Abläufe um. Im Fokus steht derzeit die Digitalisierung, die wir aktiv angehen. Dies betrifft weite Teile des Klinikbereichs und der bisher gewohnten Abläufe. Wir wollen die Prozesse mithilfe digitaler Devices verschlanken. Ein Beispiel dafür ist die bisher aufwendige Dokumentation der Krankenakte, die digitalisiert vereinfacht und dann jederzeit elektronisch verfügbar gemacht werden kann.

NEUNsight:

Welche Erwartungen hegen Sie im Hinblick auf die Optimierung von Prozessen und welche Ziele wollen Sie konkret und in Zahlen ausgedrückt damit erreichen?

Ulrich Hornstein:

Grundlegend hat ein kommunaler Träger zunächst einen anderen Blick auf das Personal als ein privater Träger. Optimierung heißt bei uns nicht in erster Linie Personalabbau, sondern durch Prozessverschlankung und Optimierung freiwerdendes Personal in anderen Bereichen einzusetzen und wenn nicht anders möglich, sozialverträglich, zum Beispiel etwa durch ein nicht nachbesetzen von Stellen bei in Ruhestand gehenden Mitarbeitern, durchzuführen. Daneben führen wir konsequent eine Prozessverschlankung zur Kostensenkung durch, die jedes Jahr neu an veränderte Rahmenbedingungen angepasst wird. Zusätzlich dazu haben wir ein Qualitätsmanagement eingeführt, um eine bessere Kosten-/Nutzendarstellung unserer Aufgaben, zu erreichen. Um es nochmals zu betonen, eine Leistungssteigerung ist uns wichtiger als eine Kostensenkung. Für ein kleines Krankenhaus mit zwei Standorten wie dem unseren ist es wichtig, eine umfängliche Versorgung aber mit Spezialisierungen in einzelnen Bereichen, um qualitativ hochwertige Leistungen anzubieten. Zudem geht es nicht nur um Optimierung, sondern auch um Faktoren wie Integration, Freundlichkeit, Qualität, Hygiene und vieles mehr. Wir müssen nach außen spürbar die Unterschiede aufzeigen und uns damit vom Wettbewerb positiv abheben.

NEUNsight:

Was erwarten Sie von einer externen Beratung im Bereich Prozessoptimierung und welche Klinikbereiche würden Sie von einer Optimierung ausdrücklich ausnehmen?

Ulrich Hornstein:

Ich erwarte von einer externen Beratung,  dass sie die Prozessoptimierung aktiv realisiert und die gestellten Ziele erreicht. Man soll merken, dass externes Know-how zum Zuge kommt und dass nicht nur Papier produziert wird, dann die Umsetzung von der externen Beratung aktiv und vor Ort begleitet wird. Es soll eine im wahrsten Sinne des Wortes „Umsetzungsbegleitung“ erfolgen, in der die nachweisbaren Einsparungen auch der Beratung zu gute kommen. Von einer Optimierung ausgenommen sehe ich derzeit keine Klinikbereiche.

NEUNsight:

Viele Krankenhäuser müssen auch auf Druck der Sozialpolitik in Verbünde oder Kooperationen eintreten. Wie kann für die Kreiskliniken Mühldorf der Weg in eine Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitseinrichtungen der Region aussehen?

Ulrich Hornstein:

Im Moment sind Krankenhausschließungen kein Thema, da keine Klinik von sich aus etwas zu diesem Thema sagt oder verlauten lässt. Dass es Kooperationen und Verbünde in Zukunft vermehrt geben wird liegt auf der Hand. Die öffentlichen Träger sind zudem durch die Art der Arbeits- und Tarifverträge gebundener und unflexibler als es private Träger sind. Und: von privaten Trägern Personal in öffentliche Einrichtungen zu locken, scheitert häufig. Einen Grund dafür, wenn man die vielen Negativ-Meldungen in den Medien verfolgt, kann ich nicht explizit nennen aber möglicherweise haben die privaten Krankenhausträger bessere Ideen beim Thema Personal- und/ oder Führungskräfteentwicklung. Wir führen Gespräche mit unseren Nachbarn über mögliche Zusammenarbeit und die Ausgestaltung der Gesundheitslandschaft. Nicht jede Klinik muss alles an Versorgung anbieten und ist auch meist nicht in der Lage dazu. Wir in Mühldorf mit unseren zwei Standorten sehen uns als flexibles Rennpferd mit Spezialisierung, denn als schwerfälliger Tanker, der alles in sich vereint aufgrund seiner Größe.

NEUNsight:

Ist der geplante 100 Betten-Neubau in Mühldorf 2019 bereits ein Schritt zur vielleicht angestrebten „Unersetzlichkeit“ im Zuge absehbarer Klinikbereinigungen?

Ulrich Hornstein:

Der Bettenneubau in Mühldorf der Tatsache geschuldet, dass er einen Gebäudeteil ersetzen soll der quasi Urbestand des Krankenhauses und stark sanierungsbedürftig ist. Das hat zunächst mal mit „Unersetzbarkeit“ nichts zu tun. Ich sehe das aber grundsätzlich wie folgt: Wenn ein Sanierungsbedarf erkannt ist, muss saniert und/ oder neu gebaut werden. Die dafür notwendigen Fördermittel müssen bei der Planungsbehörde beantragt werden. Jetzt hat die Planungsbehörde die Möglichkeit durch die Genehmigung dieser Fördermittel in gewissem Maße Krankenhausplanung zu betreiben, im sie z.B. zwei benachbarten Kliniken nur dann die Fördermittel genehmigt, wenn diese kooperieren o.ä.. Dem ist aber nicht so! Das Problem beginnt damit, dass beide Bauvorhaben Fördergelder beantragen und getrennt voneinander beurteilt und beschieden werden.

NEUNsight:

Wo sehen Sie persönlich die Kreiskliniken Mühldorf in zehn Jahren?

Ulrich Hornstein:

Wenn freie Marktwirtschaft herrschen würde und wir so agieren könnten, wie wir es dann für sinnvoll erachten würden, dann sehe ich uns in 10 Jahren weiter als eigenständiges Krankenhaus. Aber in zehn Jahren könnten und werden sich die heute noch geltenden Vorgaben deutlich verändert haben und der Druck auf die Krankenhauslandschaft wird enorm steigen. Es wird sicher Kooperationen und Zusammenschlüsse geben, um die Leistungskraft insgesamt zu verbessern, Synergien zu nutzen und das „Kirchturmdenken“ zu beenden. Private Träger kaufen schon heute nicht mehr alles auf, sondern gehen gezielt vor und schauen, was an Leistungen noch zu ihnen passt und ob das Unternahmen an sich rentabel ist. Daher sind Schließungen, Fusionen und Übernahmen von Kliniken sicher sehr wahrscheinlich.

Interview: Winfried Neun

Bilder: Kreiskliniken Mühldorf