Weltwirtschaftsforum 2019: Visionen sind Mangelware!

p395289 NEUNsight Januar 2019

Wenn es eines Beweises für die Planlosigkeit weltweiter Wirtschaftspolitik bedurft haben sollte, so könnte das von vielen Beobachtern als „nutzloses Palaver“ eingestufte Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos als solches gelten. Doch gerade jetzt wären Visionen dringend nötig, um dringend notwendige Veränderung einzuleiten.

Für den Allensbacher Verhaltensökonomen Winfried Neun steht fest, dass genau in diesen Zeiten ein professionelles Stimmungsmanagement der Background Personality eines Staates besonders wichtig wäre. „Ein reines Weiter so mit nur kleinen Veränderungen bringt keinen Umschwung im Denken der Menschen“ so Neun, der nicht nur finanzielle Investitionen in die Zukunft fordert, sondern auch psychologische Investitionen für dringend nötig hält.

Offene Kommunikation

Was dem CEO der K.O.M. GmbH besonders fehlt, ist eine Vision und die Umsetzung von Ideen für die deutsche Wirtschaft von morgen. „Anstatt über die Chancen der Digitalen Transformation von Organisationen und Prozessen offen zu diskutieren, werden Schreckensszenarien einer von Robotern gesteuerten Zukunft an die mediale Wand gemalt“, so Winfried Neun, der eine offene, ehrliche und klare Informationspolitik des Staates vermisst. „Man muss auch seitens der Regierung zugeben können, dass mit der zunehmenden Digitalisierung nicht nur Chancen verbunden sind, sondern auch Risiken für ganze Berufszweige und Arbeitnehmer, die mit dieser Entwicklung schlichtweg überfordert sind“, beschreibt Winfried Neun die derzeitige Situation.

Raus aus dem Hamsterrad

Von der Politik erwartet der Verhaltensökonom vor allen die Fähigkeit, konkrete und transparente Zukunfts-Pläne zu entwickeln, die auch tatsächlich abgearbeitet werden können. „Dies setzt allerdings eine bisher nicht zu erkennende Einheit und Tatkraft in der Großen Koalition voraus“, so Neun, der nicht nur der Politik, sondern den sogenannten Eliten mehr Gelassenheit durch den Willen zur Integration und einer entsprechenden Weitsicht verordnen würde, um aus der derzeitigen aktionistischen Handlungsspirale zu entkommen. „Nicht nur die Verantwortlichen in Politik, sondern auch die in Wirtschaft und im Finanzsektor Verantwortlichen müssen raus aus dem Hamsterrad, das sich zwar schnell dreht, aber keinen voran bringt“.

In diesem unnötigen Aktionismus sieht Neun auch einen Hauptgrund für die nicht nur gefühlte Zunahme von Stress im Arbeitsalltag. Der Verhaltensökonom plädiert vielmehr für die Schaffung von Leistungswillen in der Gesellschaft. „Erfolg muss wieder Spaß machen und nicht nur als Stressor gesehen werden“, so Winfried Neun.

Autor: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Neueste Forschungsergebnisse haben erwiesen, dass die Umsetzung von Strategien oftmals weder an der Qualität der Strategie scheitert, noch an der Qualität der Kommunikation oder der Fähigkeit der Führungskräfte. Sie scheitert vielmehr an einem versteckten Konstrukt im Unternehmen, in einzelnen Werken oder in Abteilungen. Diese sogenannte Background Personality ist verantwortlich für Faktoren wie Stimmungslage, Veränderungsbereitschaft, Mitarbeiterbindung und Motivation. Solange diese nicht erkannt ist und entsprechend ihrem Wesen bearbeitet oder „aufgebrochen“ wird, besteht ein Risiko einer Verschleppung bis hin zu einem gänzlichen Scheitern von Change-Projekten oder –Maßnahmen – und dies nahezu vollkommen unabhängig von der Motivation oder dem Engagement von Einzelpersonen oder Gruppen. Was für Unternehmen gilt, betrifft auch ganze Länder und Staaten!!!