Rundum Sorglos – die deutsche Absicherungsmentalität

p395289 NEUNsight Februar 2019

Das beruhigende Gefühl, in jedem Fall abgesichert zu sein, lassen sich deutsche Verbraucher jeden Monat viel Geld kosten. Mehr als jeder dritte Deutsche gibt monatlich über 250 Euro für Versicherungen aus  – eine „Vollkasko-Mentalität“?

Dies ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des Versicherungsportals transparent-beraten.de, an der 5.121 Personen teilgenommen hatten. Die Beiträge für Krankenversicherungen wurden bei der Umfrage nicht berücksichtigt. Auf die Frage „Wie viel Geld zahlen Sie monatlich für Versicherungen? (Krankenversicherungen ausgenommen)“  antworteten 21 Prozent der Befragten mit „250 bis 500 Euro“, 14 Prozent mit „500 bis 1.000 Euro“ und 5 Prozent mit „mehr als 1.000 Euro“.

Kein Überblick

Damit investieren 40 Prozent der Befragten mehr als 250 Euro im Monat in Versicherungen – also deutlich mehr als ein Drittel der Befragten. 14 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt nicht zu wissen, wie hoch die eigenen monatlichen Ausgaben für Versicherungen sind („keine Ahnung“). Neben dem Bedürfnis nach Sicherheit steht für Verbraucher auch die private Altersvorsorge im Vordergrund. „Die Furcht der Verbraucher vor Altersarmut macht sich auch im Versicherungsbereich bemerkbar“, erklärt Mario Müller, Geschäftsführer von transparent-beraten.de. „Bei vielen Versicherungsnehmern entfällt ein nicht unerheblicher Teil der monatlichen Ausgaben für Versicherungen auf Renten- und Lebensversicherungen. Wir haben zudem festgestellt, dass immer mehr Versicherungsnehmer ihre Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Form der privaten Altersvorsorge kombinieren“, so Müller.

„Vollkasko-Mentalität“

Die vor allem in Deutschland festzustellende „Vollkasko-Mentalität“, eine umfassende Absicherung gegen fast jedes Risiko, haben Psychologen und Soziologen untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass vor allem Verlustängste tief im Bewusstsein der Deutschen angesichts verlorener Weltkriege, Vertreibungen und Währungsreformen dafür verantwortlich sein können. Eine vergleichbare Angst vor etwaigen materiellen Verlusten findet sich sonst nirgendwo auf dem Globus. Ob sich diese auch  German Angst genannte Unsicherheit auch bereits in den Genen festgeschrieben hat, ist bisher nicht zu verifizieren.

Autor: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Auch die zunehmende Möglichkeit, Versicherungen per online-Klick in Vergleichsportalen aller Art abzuschließen, erhöht das Risiko der fortschreitenden Unübersichtlichkeit, welche und wie viele Absicherungsverträge tatsächlich abgeschlossen wurden.