„Eine leichte Grippe mit Potenzial zur Lungenentzündung!“

p395289 NEUNsight August 2019

Die Wirtschaftsdaten der letzten Tage lassen Rezessionsängste aufkommen – und warum psychologische Aspekte den Abschwung noch verstärken können!

Noch vor wenigen Monaten wurden die Aussagen von Friedrich Merz, Olaf Scholz und führenden Wirtschaftsexperten, die einen deutlichen Abschwung der deutschen Wirtschaft voraussagten, nicht ernst genommen. Und warum denn auch? Nie waren so viele Menschen in Lohn und Brot und die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung in Deutschland gesunken. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden, denn  erstmals nähert sich die subjektive und persönliche Einschätzung des Einzelnen einer nun auch objektiv festzustellenden Lage an, so ein Ergebnis einer aktuellen Studie der Allensbacher K.O.M. GmbH.

Die der aktuellen Studie vorangestellte Befragung zeigte noch zu Jahresfrist 2019 auf, dass für die damaligen Unterschiede in der Einschätzung der tatsächlichen Wirtschaftslage und der subjektiven persönlichen Bewertung psychologische Faktoren die Ursache sind. Welche Faktoren das eigene Handeln und Denken bestimmt, ist abhängig von der eigenen Wahrnehmung, Stimmungslage und der daraus folgenden Einschätzung.

Für Winfried Neun, CEO der K.O.M. GmbH, erklärt sich der derzeitige Umschwung vor allem mit Faktoren, die kaum zu beeinflussen sind. Handelsbarrieren allerorten und eine nicht berechenbare Politik in den USA führen zu einer allgemeinen Unsicherheit, die in Passivität umschlagen kann und wirtschaftliches Handeln massiv einschränkt, so der Verhaltensökonom. „Dazu gesellt sich aus meinen Erfahrungen im täglichen Austausch mit Inhabern und Managern deutscher Unternehmen eine zunehmende Furcht vor den Folgen der Digitalisierung und weltweiter Handelskriege, deren unmittelbare Auswirkungen bereits vor allem in weltweit agierenden Unternehmen zu spüren sind“, so Neun. „Auslandsniederlassungen spüren aufziehende Krisen meist zuerst in Bereich des Auftragseingangs und im stark schwankenden Volumen der Einzelgeschäfte, in manchen Fällen sogar in der Stornierung bereits vereinbarter Aufträge.“

„Untätigkeit und das sprichwörtliche Erstarren vor der Schlange  lassen einerseits Investitionsabsichten in Rauch aufgehen und kleinere Krisen wie der Brexit und die Angst vor Sanktionen im Zuge der Nord-Stream-Pipeline führen selbst in noch prosperierenden Unternehmen zum automatischen Umschalten in den Krisenmodus“, urteilt Winfried Neun. Dieser Modus führt auch zu dem wirtschaftlich untauglichen Versuch die sich abzeichnende Krise mit einem strikten Sparkurs zu bewältigen und die eigene „Kriegskasse“ zu füllen.

Was für Unternehmen gilt, zeigt sich vergleichbar auch bei Verbrauchern. Es werden Ausgaben gekürzt, es wird gespart und der Konsum, der in den vergangenen Monaten die deutsche Konjunktur stützte, bricht zusammen. „Kommen diese Punkte zusammen, dann kann aus der leichten konjunkturellen Grippe eine ausgewachsene Lungenentzündung werden“, so der Allensbacher Unternehmenscoach mit psychologischem Schwerpunkt.

Autor: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)