Rezession als Chance begreifen!

p395289 NEUNsight August 2019

Ein Abschwung in der Wirtschaft ist keine Katastrophe, es ist vielmehr eine Art Bereinigung von Unternehmen, die sowieso über kurz oder lang nicht mehr in der Lage gewesen wären zu überleben.

Während sich der französische und amerikanische Präsident auf dem G-7-Gipfel in Biarritz eine bizarre Macht-Show um den Iran, die Ukraine oder den brennenden Regenwald im Amazonas lieferten, spielte Bundeskanzlerin Angela Merkel nur eine Nebenrolle. Deutschland hat zur Zeit andere Sorgen. Denn nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes steht fest: „Die Deutschen haben Angst vor einem Abschwung der Wirtschaft“.

Auch die Experten vom Marktforschungsinstitut GfK bestätigen: “Der Handelskonflikt mit den USA, anhaltende Brexit-Diskussionen sowie die globale Abkühlung der Konjunktur lassen die Rezessionsängste weiter steigen.“ Und dabei hatte es erst so gut ausgesehen: In den ersten drei Monaten des Jahres hatte die Wirtschaft noch zugelegt, das Bruttoinlandsprodukt war im Vergleich zum ersten Quartal 2018 um 0,4 Prozent gewachsen – dem starkem privaten Konsum und einer boomenden Baubranche sei Dank.

Dabei sollte es allerdings nicht bleiben. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das Minus sei vor allem einem schwächelnden Exportmarkt geschuldet. Im Vergleich zum ersten Jahresquartal wurden weniger Waren ins Ausland geliefert als nach Deutschland importiert, heißt es. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sprach von einem „Weckruf und Warnsignal“, um gleich darauf zu beruhigen: “Wir sind in einer Konjunkturschwäche, aber noch nicht in einer Rezession“.

Falls Sie von mir jetzt ebenfalls guten Zuspruch erwarten, nach dem Motto „Keine Sorge, das wird schon wieder“, muss ich Sie leider enttäuschen. Ich möchte an dieser Stelle ganz klar sagen: Ich glaube, die Rezession wird kommen. Und das ist auch gut so. Ja spinnt er denn jetzt, der Neun, wird sich so manch einer unter Ihnen fragen. Was, bitteschön, soll denn am Abschwung unserer Wirtschaft positiv sein?

Zunächst sei gesagt, dass die Rezession zum ganz normalen Verlauf eines Wirtschaftszyklus gehört. In den vergangenen fünf Jahren konnte die deutsche Wirtschaft Überschüsse erzielen, allein im Jahr 2018 waren es 58 Milliarden Euro. Dass das nicht ewig so weitergehen konnte, ist kein Geheimnis.

Und: Ein Abschwung in der Wirtschaft ist keine Katastrophe, es ist vielmehr eine Art Bereinigung von Unternehmen, die sowieso über kurz oder lang nicht mehr in der Lage gewesen wären zu überleben. Dementsprechend ist die Rezession gleichzeitig eine Chance für Jungunternehmer und Start-ups, mit innovativen Lösungsansätzen und neuen Ideen in dieses entstehenden Vakuum vorzudringen und zu überzeugen.

Am Ende bleibt mir nur eines – nämlich den ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill zu zitieren: „Eine Krise ist immer auch eine Chance, wenn man ihr den Beigeschmack der Katastrophe nimmt.“ In diesem Sinne: Machen Sie das Beste draus. Seien Sie mutig – und nutzen Sie diese Tipps:

Wie verhält man sich in Krisenzeiten richtig?

1.Versuchen Sie Bilanz zu ziehen: Panik und hektischer Aktionismus sind fehl am Platz. Zeigen Sie sich stattdessen auf, wo Sie aktuell stehen und was Sie in der Vergangenheit geleistet haben: Wie hoch sind meine Einnahmen? Wie hoch meine finanziellen Belastungen, welche Ausgaben habe ich? So bereiten Sie sich einerseits darauf vor, an welchen Stellen Sie zur Not sparen könnten – und Sie werden sich im Klaren darüber, welche Erfolge Sie bereits gefeiert haben, gemäß dem Motto „Auch 2008 habe ich schon überstanden, dann schaffe ich es diesmal auch.“

2.Formulieren Sie die Chancen. Verfallen Sie nicht in Schockstarre. Setzen Sie sich stattdessen hin und überlegen: Wo und in welcher Form wird diese Krise für mich (oder mein Unternehmen) zu einer Chance? Wo tun sich neue Felder und Ansätze auf? Wo könnten Menschen meine Hilfe brauchen oder wo werden meine Kompetenzen benötigt?

3.Bleiben Sie realistisch: Unter den Begriff Katastrophe fallen ausschließlich Veränderungen, die wirklich an unsere körperliche Substanz gehen, wie Krieg oder Naturereignisse der schlimmsten Art, etwa Erdbeben. Merke: Eine Rezession macht Angst, ist aber nicht katastrophal, denn sie gehört zum normalen Verlauf des Wirtschaftszyklus. Indem wir lernen, bestimmte Geschehen so neutral und emotionslos zu betrachten, gewinnen wir unsere Gelassenheit zurück und die brauchen wir, um kluge Entscheidungen treffen zu können.

Autor: Winfried Neun

Bild: Pixabay (CCO)