Zukunft: Digitale Prozesse mit System

p395289 NEUNsight März 2017

Auch in der Gesundheitswirtschaft ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch. Im Interview mit der NEUNsight gibt der Vorstandsvorsitzende der P.E.G. Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft eG, Anton J. Schmidt, erste Einblicke in einen Markt, der sich seiner Meinung nach, noch radikal als schon bisher geschehen, verändern wird.

NEUNsight:

Die Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft schreitet unaufhörlich voran. Welchen Stellenwert hat dies für die P.E.G.?

Anton J. Schmidt:

Die Digitalisierung wird nachhaltige Veränderungen in der Gesundheitswirtschaft generieren. Selbstverständlich ist die P.E.G. mit ihren mehr als 2.900 Gesundheits- und Sozialeinrichtungen „mitten drin“ und stellt sich den Herausforderungen und nutzt die Chancen. Für die Transformation hin zum Krankenhaus 4.0 bedarf es erweiterter Geschäftsmodelle und zusätzlicher Dienstleistungsangebote von der Genossenschaft. Angebote für Systemlösungen werden zunehmend Produktangebote entbehrlich machen.

NEUNsight:

Das digitale Krankenhaus ist vernetzt – ändern sich dadurch auch die bisherigen Bestellwege?

Anton J. Schmidt:

Auch das Beschaffungsmanagement gewinnt durch digitale Prozesslösungen weiter an Professionalität. Sowohl die Anforderungen an Beschaffungsverantwortliche als auch die Neujustierung von Prozessen sind zwingende Notwendigkeiten. Wichtig dabei ist es, nicht bestehende – möglicherweise schlechte –Prozesse zu elektrifizieren, sondern digitale Prozesse zu installieren.

NEUNsight:

Hat dies Auswirkungen auf Ihre P.E.G. – Mitarbeiter in Sachen Ausbildung und Schulung?

Anton J. Schmidt:

Wir haben schon vor rund 2 Jahren damit begonnen, unseren Einkaufsbereich neu zu organisieren und entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für MitarbeiterINNEN einzuleiten. Der Bereich wurde durch mehrere FTE’s erweitert. Ein kontinuierlicher Qualitätsprozess wird uns dabei auch in Zukunft begleiten.

NEUNsight:

Ist die Digitalisierung ein qualitätsfördernder oder qualitätsgefährdender Schritt für Krankenhäuser?

Anton J. Schmidt:

Digitalisierte Prozesse können die Qualität im Krankenhaus weiter steigern, bspw. Bürokratie vereinfachen und Abläufe beschleunigen und damit mehr Zeit für den Patienten generieren. Die Digitalisierung wird auch die Standardisierung von Prozessen erleichtern. Qualität, Patientensicherheit und Wirtschaftlichkeit lassen sich dadurch verbessern.

NEUNsight:

Wie würden Sie die Zukunft des digitalen Krankenhauses beschreiben?

Anton J. Schmidt:

Der Behandlungsprozess der Patienten ist durch einen kompletten digitalen Workflow gestaltet, von der Terminvereinbarung für die Aufnahme bis zur Entlassung, bzw. zur Anschlussbehandlung. Alle an der Behandlung beteiligten Akteure sind jederzeit und an jedem Ort in der Lage, den Status Quo des Patienten einzusehen. Auch die Dokumentation von verwendeten Implantaten lässt sich mit einer Schnittstelle zur Materialwirtschaft verbinden und beeinflusst Bestell- und Lieferverhalten. Das digitale Krankenhaus ist ein wesentlicher Gewinn für Patienten und die Gesundheitsversorger generell.

Interview: Michael Storks

Anton J. Schmidt, Vorstandsvorsitzender der P.E.G. Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft (Bild: P.E.G.)

Bild: DAK Gesundheit