Die Renaissance des Change Management

p395289 NEUNsight April 2017

Halten Sie Change Management für einen alten Hut und haben längst andere und moderne Konzepte den Platz des altehrwürdigen „Veränderungsmanagements“ eingenommen? Wenn ja, dann müssen Sie umlernen, denn die Digitalisierung sorgt für eine Renaissance des Change Managements – allerdings nur bei konsequenter Anwendung und gleichzeitiger Fehlervermeidung. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie besonders achten sollten.

Auch wenn längst nicht alle Veränderungen im Zuge der Digitalisierung feststehen, so ist eines sicher: Die Trends und Entwicklungen der Digitalisierung werden zwangsläufig auch eine Optimierung der bestehenden, beziehungsweise die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle erfordern. Dabei ist es wichtig, eine zu den Erfordernissen und Voraussetzungen passende Strategie zu entwickeln, die nichts anderes beinhaltet als eine grundlegende Veränderung bisheriger Prozesse, Abläufe und  Geschäftsmodelle. Das Fraunhofer Institut unterscheidet dabei zwei weit voneinander entfernte Modelle: Evolution oder Revolution.

Evolution durch digitale Veredelung

Bei der Evolution durch digitale Veredelung wird das bisherige Geschäftsmodell schrittweise weiterentwickelt. Produktfunktionen und Dienstleistungen aus dem bestehenden Angebot werden „digital veredelt“, also mit digitalen Erweiterungen versehen. Der Fokus liegt dabei auf nachhaltiger Wertschaffung durch Effizienzsteigerungen und dem Angebot produktnaher digitaler Services. Stellenweise entstehen strategische Partnerschaften zwischen Industrie und IT-Unternehmen, welche jedoch nur punktuell sind und einzelne Insellösungen hervorbringen. Zu ganzheitlichen Optimierungsansätzen und Innovationen kommt es hingegen eher selten. Die hardwaregetriebene, auf das bestehende Produktportfolio ausgerichtete Innovationskultur wirkt eher blockierend.

Revolution durch radikale disruptive Erneuerung

Bei der Revolution durch radikale disruptive Erneuerung verändern neue Technologien die komplette Branchenlogik grundlegend. Hersteller gehen gezielt strategische Kooperationen mit Internet bzw. IT-Unternehmen oder sogar mit Wettbewerbern ein, um Synergien zu nutzen und ihre Kernkompetenzen zu ergänzen. Die Wertschöpfung findet zunehmend in Ökosystemen oder zumindest Plattformen statt, in welchen Hersteller, Lieferanten und Kunden eng zusammenarbeiten. Der Trend geht dabei zunehmend weg von proprietären Ansätzen, hin zu offenen Konzepten. Der Kundennutzen und damit der Fokus der Unternehmensstrategie liegt nicht mehr auf dem Verkauf des Produkts an sich, sondern auf der Entwicklung bedürfnisorientierter Lebenszyklus-Dienste und deren Vertrieb mit Pay-per-use-Ansätzen. Bisher undenkbare Leistungsangebote kommen auf den Markt, es entstehen neue und teils revolutionäre Geschäftsmodelle rund um den Zugang und die Nutzung von Daten sowie damit verbundener digitaler Dienste. Die Kernkompetenzen und das Leistungsangebot der Hersteller verschieben sich zunehmend in Richtung IT und Smart Data. Beide beschriebenen Modelle setzen ein professionelles Change Management voraus, das sowohl rein wirtschaftliche wie auch psychologische Faktoren berücksichtigt.

So verwundert es wenig, wenn der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater im Zuge der umfangreichen Transformationsanforderungen ein besonders hohes Wachstum in den Beratungsfeldern Change Management (+ 9,9 Prozent), Business Development & Innovation (+ 9,8 Prozent) und CRM und Vertrieb (+ 9,7 Prozent) für 2017 erwartet.  Vor allem in der Konsumgüterindustrie und dem Handel macht das veränderte Konsumentenverhalten Anpassungen bei Geschäftsmodellen und Unternehmensabläufen notwendig. Die Digitalisierung führt zu einem stärkeren Zusammenspiel von klassischen Consultingthemen, klassischen IT-Themen und kommunikativen Aufgabenstellungen. Zudem haben Unternehmensberater bei digitalen Transformationsprozessen die Führungsrolle inne, denn für einen Großteil der Projekte sind neue Strategien gefragt. Ohne betriebswirtschaftliches Experten- und Erfahrungswissen und den direkten Zugang zur Unternehmensführung ist dies nicht möglich.

Daher ist es wichtig, die Digitalisierung mit ausgereiften Change Management Tools zu begleiten, die einerseits betriebswirtschaftlichen Faktoren Rechnung trägt wie auch psychologischen Faktoren, die einer erfolgreichen Veränderung im Weg stehen können, größtmögliche Beachtung schenkt. Ein Beispiel für ein solches Tool ist der Change Management Rhombus 4.0 der Allensbacher K.O.M. GmbH, in der der digital vernetzte Mensch im Mittelpunkt des Veränderungsprozesses steht.

Autor: Michael Storks

Bild: fotolia.com

Im Überblick

Change Management darf sich nicht nur auf wirtschaftliche Prozesse, Abläufe und Modelle konzentrieren. Change Management ist nur erfolgreich, wenn der Mensch als treibender Faktor in den Veränderungsprozess direkt einbezogen wird. Ebenso darf sich die digitale Transformation des Geschäftsmodells nicht nur auf einzelne Unternehmensbereiche beziehen, sondern muss das Unternehmen ganzheitlich erfassen und gezielt verändern.
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