Kinder im Netz: Zwischen Spiel und Sucht

p395289 NEUNsight Mai 2017

Kinder haben einen entscheidenden Vorteil im Umgang mit Computer, Smartphone und digitalen Medien: Sie lernen intuitiv und schnell. So schnell, dass Eltern kaum mithalten können und daher Suchtgefahren erst spät entdecken. Nachfolgend einige Tipps für Eltern, um der ungebremsten Spielsucht ihrer Sprösslinge Herr zu werden.

Kinder sind durch den Austausch mit Freunden und Schulkameraden fast immer up to date, wenn es um Neuerungen und Entwicklungen auf dem großen Markt der virtuellen Spielewelt geht. Dies hat zur Folge, dass Eltern sich oft schwer damit tun ihre Kinder angemessen zu begleiten im Umgang mit Onlinespielen, digitalen Spielemedien und der großen und unübersichtlichen Welt des Internet. Viele Kinder stehen vor der Gefahr ohne ausreichende Begleitung in der virtuellen Spielwelt weitestgehend auf sich allein gestellt zu sein. Doch wo Grenzen fehlen, da öffnet sich der Weg in eine mögliche Spielsucht. Die nachfolgenden Ratschläge wollen zumindest eine kleine Hilfe sein, um Suchtgefährdungen bei Kindern präventiv entgegenzuwirken ergreifen.

Informieren Sie sich und sprechen Sie mit Ihrem Kind!
Oft schalten Eltern ab, wenn Kinder von ihren Erlebnissen in der digitalen Spielwelt berichten. Doch um Kinder gut begleiten zu können, braucht es einen regelmäßigen Austausch auch über die Inhalte der virtuellen Spiele. Lassen Sie sich von Ihrem Kind berichten, was es gerade spielt und wie das Spiel verläuft. Hören Sie aber auch gut hin, wenn Ihr Kind von neuen Spielen berichtet. Bleiben Sie am Ball und bleiben Sie informiert!

Vereinbaren Sie klare Regeln und Zeiten!
Im Blick auf eine mögliche Spielsucht ist Zeit meist ein entscheidender Faktor. Je mehr Zeit Ihr Kind vor dem Computer oder der Konsole verbringt, umso mehr Zeit fehlt für soziale Kontakte in der Familie oder im Freundeskreis. Legen Sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Kind klare Regeln fest: Wie viel Spielzeit hat Ihr Kind täglich? Was darf gespielt werden? Welche Medien dürfen genutzt werden? Grundsätzlich gilt: Je kleiner das Kind, um so greifbarer muss die Regel sein („Du darfst jetzt eine halbe Stunde spielen.“), je älter das Kind wird, um so mehr sollte es auch einen Gestaltungsraum innerhalb der Regeln haben (Du darfst jeden Tag 2 Stunden Computer, Playstation, Fernseher und Handy nutzen.) Es versteht sich von selbst, dass Sie diese Zeiten auch überwachen müssen.

Setzen Sie technische Hilfsmittel sinnvoll ein!
Kinderschutzsoftware,  zeitgesteuerte Abschaltungen des WLAN, Zeit- und Datenkonten auf dem Handy – immer größer wird die Palette der technischen Hilfsmittel, mit der Sie den Medienkonsum Ihres Kindes steuern können. Das Netz bietet hier hilfreiche Informationen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie in keinen Kontrollwahn geraten. Auch das beste Hilfsmittel kann nur eine Ergänzung zum vertrauensvollen Eltern-Kind-Vertrag sein.

Autor: Norbert Becker

Bild: Markus Bormann (fotolia.com)

Im Überblick

Neben der Zeit spielt bei der Erkennung einer möglichen Suchtgefährdung auch die Lebenswirklichkeit eine entscheidende Rolle. Je mehr es für Ihr Kind nur noch das eine Thema „Onlinespiel“ gibt, je mehr andere Themen wegfallen, umso größer wird die Gefahr einer Sucht. Achten Sie deshalb auf „medienfreie Zeiten“. Sorgen Sie für Zeiten, in denen keine digitalen Medien genutzt werden, also auch kein Handy und kein TV. Bieten Sie angemessene Alternativen, z.B. durch gemeinsam gestaltete Zeit. So verhindern Sie, dass die virtuelle Lebenswelt Ihres Kindes die absolute Oberhand gewinnt und zur Sucht ausartet.