Freihandel oder globalisierte Abschottung?

p395289 NEUNsight Juli 2017

Dass sich mit Donald Trump auch die internationalen Wirtschaftsbeziehungen verändern werden, wurde lange vermutet. Denn seine ständigen Ankündigungen, zum Beispiel Strafzölle für nicht-amerikanische Güter einzuführen, sind mehr als ein Beleg dafür. Der amerikanische Präsident ist allerdings nicht der Auslöser einer zunehmenden wirtschaftlichen Abschottung, sondern nur die aktuelle Spitze einer Entwicklung, die die NEUNsight beleuchtet hat.

Über die letzten Jahrzehnte hat die Globalisierung dazu geführt, dass sich die wirtschaftlichen Märkte grundlegend verändert haben. Waren über Jahre die Binnenmärkte bedeutend – oder wenigstens regionale Märkte wie Europa – ist der internationale Handel mit Asien und Amerika heute ebenso wichtig. Die politischen Umwälzungen der letzten Jahre haben den Trend jedoch gestoppt. Immer wieder ist die Rede von veränderten Handelsregeln und neuen Formen des Protektionismus. Wird sich der Handel der Welt verändern und welche Folgen hat das für die Menschen?

USA und Großbritannien

Vor allem zwei politische Veränderungen des letzten Jahres haben einen direkten Einfluss darauf, wie sich der Welthandel entwickelt: Die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten und der Ausstieg von Großbritannien aus der EU. Während letzteres besonders für Europa zu einer Probe der Handelsstärke wird, zeigt sich der neue Präsident der USA bereit zu einem Handelskrieg. Bereits in seinem Wahlkampf hatte er versprochen, die Handelsabkommen mit diversen Staaten auf den Prüfstand zu stellen. Er bereitet den Ausstieg aus den Abkommen mit China ebenso vor, wie das Ende der zollfreien Zusammenarbeit mit Teilen Europas und Nordamerikas.

Eine wirtschaftliche Abschottung der USA hätte nach Auffassung des ifo Instituts schädliche Auswirkungen auf Deutschland. „Sollte sich das Geschäftsklima mit dem Land deutlich verschlechtern, wären etwa 1,5 Millionen deutscher Jobs im Inland und fast 200 Milliarden Euro an Direktinvestitionen deutscher Firmen in den USA betroffen. Besonders die Auto-, Maschinen- und Pharma-Branche könnten leiden“, sagte Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. Für die britische Wirtschaft errechneten Wirtschaftsexperten der Bertelsmann-Stiftung Kosten von bis zu 300 Milliarden Euro  bis 2030. Sollte sich Großbritannien in Handelsfragen komplett isolieren, könnte auch Deutschlands Wirtschaft Verluste von insgesamt mehr als 55 Milliarden Euro einstecken.

Exportnation Deutschland

Für Deutschland  sind solche Umwälzungen besonders problematisch: Das Land lebt von seinem Export in diese Länder und ist neben China einer der wichtigsten Handelspartner für die großen Industrieländer der Welt. Dabei lebt man unter anderem von den Handelsverträgen, die Importe und Exporte regeln und zum Beispiel dafür sorgen, dass die Zölle gering bleiben. Ein Ausstieg der USA aus dem Welthandel könnte zum Beispiel bedeuten, dass der Export von Waren in die Vereinigten Staaten erheblich teurer wird und somit nicht mehr lukrativ für die deutschen Unternehmen ist.

Autor: Michael Storks

Bild: G7 Summit

Im Überblick

Wirtschaftlicher Protektionismus ist kein neuer Trend in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Schon immer haben Staaten versucht ihre Schlüsselindustrien vor ausländischer Konkurrenz weitestgehend zu schützen. In Deutschland standen der Kohlebergbau und die Stahlindustrie jahrzehntelang unter dem Schutz des Staates. China überschwemmt zum Beispiel seit Jahren den Weltmarkt mit billigem und staatlich subventioniertem Stahl. Internationale Handelsabkommen der letzten 40 Jahre haben diesen Protektionismus in Grenzen gehalten. Der Ausstieg der USA aus den Freihandelsabkommen TTIP und CETA kann möglicherweise der Beginn einer neuen globalisierten Abschottungspolitik sein.