Umfragen als Stimmungsmacher – die Irrtümer der Meinungsforscher

p395289 NEUNsight Januar 2018

Umfragen werden gerne in allen beliebigen Zusammenhängen zitiert oder interpretiert, um die eigene Meinung zu stärken und kund zu tun. Heutzutage ist es regelrecht zur Mode geworden, dass die Ergebnisse von Meinungsforschern in die eigene Argumentation als fester Bestandteil eingebunden werden. Die NEUNsight wirft einen Blick auf die nicht wenigen Irrtümer der Meinungsforscher.

Dieses Einbinden von Umfrageergebnissen ist bei Politikern in diversen Talkshows im deutschen Fernsehen genauso zu beobachten wie bei renommierten Nachrichtensendungen oder Zeitungen. Diese durchgeführten Umfragen gewinnen so immer mehr an Bedeutung, da sie mittlerweile zum Alltag in unseren Fußgängerzonen gehören. Institute versuchen so, schon vor einer angesetzten Entscheidung gewisse Tendenzen und Informationen zu erhalten, um dann anschließend gezielt Einfluss auf gewisse Märkte oder politische Diskussionen nehmen zu können

Risiken werden verschwiegen

Die Medienlandschaft macht sich dies ebenfalls zu Nutze und trägt ihren Teil dazu bei, dass bestimmte Meinungen, Interessen und inzwischen sogar auch Ängste geschürt werden können. Diese Umstände tragen dazu bei, dass der Einfluss von Medien und Meinungsforschern größer geworden ist als bisher angenommen. Dass diese Tatsachen gewisse Risiken bergen, ist längst offensichtlich geworden.

Keine Garantie für Vorhersagen

In der jüngeren Vergangenheit lagen die Meinungsforscher mit ihren Umfragen öfter daneben als ins Schwarze zu treffen. Diese Umfragen sind also keineswegs mehr ein verlässlicher Konsens und können die Betroffenen sehr wohl aufs sprichwörtliche Glatteis führen. So ist beispielsweise die „Brexit-Entscheidung“ in Großbritannien eine kapitale Fehlentscheidung in der Medienlandschaft gewesen, die Großbritannien vermutlich noch teuer zu stehen kommen wird. In den Tagen und Wochen vor dieser Abstimmung wurde bis zuletzt die Meinung etabliert, dass es mit einer 56-prozentigen Wahrscheinlichkeit nicht zum Austritt des Königreichs aus der EU kommen wird.

Vorhersage endet im Trump-Desaster

Ein weiteres Versagen der Meinungsforscher war die vorhergesagte Wahlniederlage des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump in den USA. Dieser sitzt jedoch nun schon seit mehr als einem Kalenderjahr im Weißen Haus und feixt über die Umfragen und Werte, die letztlich die Öffentlichkeit geblendet und getäuscht haben. Und in Deutschland gingen alle Umfragen und Experten von einer zukünftigen „Jamaika-Koalition“ aus, welche sich allen vorausgesagten Zahlen zum Trotz zerschlagen hat.

Umfragen als Koalitions-Beeinflussung?

Interessant ist hierbei der Einfluss von Umfragen im Zuge der Sondierung zwischen CDU/CSU, FAD und Grünen. Zunächst als zukunftspolitisches Modell in Umfragen gefeiert, verloren die Parteien nach und nach im Zuge der langatmigen Verhandlungen zunehmend an Zustimmung. Nach Abbruch der Sondierungen rauschten die Umfragewerte für die beteiligten Parteien in den Keller. Diese haben sich zwar wieder ein wenig erholt, Neuwahlen würden trotzdem keine neuen Regierungskoalitionen ermöglichen, so die wöchentlich veröffentlichten Umfrageergebnisse.

Knapp vorbei ist auch daneben

Nicht zum völligen Desaster für die Meinungsforscher gerieten die Vorhersagen der Landtagswahlen in NRW, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Obwohl auch hier die Prognosen manchmal weit vom Endergebnis entfernt lagen. Kaum jemand hätte Armin Laschet zugetraut Ministerpräsident in NRW zu werden oder das die SPD in ihrem Kernland ein solch herbe Pleite einstecken musste. Ebenso in Niedersachsen, wo es lange festzustehen schien, dass die SPD aus der Regierung herausgewählt wird und ein neues Regierungsbündnis unter Führung der CDU vom Wähler in den Landtag von Hannover geschickt wird. Nun regiert der alte SPD-Ministerpräsident weiter mit einem CDU-Mann an seiner Koalitionsseite.

Autor: Michael Storks

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Schon immer standen Meinungsforschungsinstitute im Verdacht, der einen oder der anderen politischen Richtung gewisse Präferenzen einzuräumen oder tendenziell eher konservativ oder linksliberal ausgerichtet zu sein. Dies wäre noch zu tolerieren, wenn nicht dadurch Wahlentscheidungen beeinflusst oder gar Wahlausgänge unter Manipulationsverdacht gerieten. Auch wenn die Forschungsinstitute in der letzten Zeit häufiger danebenlagen, so orientieren sich doch viele Bundesbürger an den Zahlen zu unterschiedlichsten Fragestellungen, die fast täglich veröffentlicht werden.