Leere Klassenzimmer und die Post kommt per Drohne

p395289 NEUNsight Januar 2020

Dass der Mensch selbständig handelt, ist ganz natürlich. Zukünftig werden aber künstliche Systeme ebenso arbeiten. Egal, ob sie Krankheiten behandeln, Büros leiten oder Leben retten. Erste digitale Anzeichen dafür sind fast überall zu finden. Die NEUNsight ging diesen Anzeichen nach und zeigt die Konsequenzen und Forderungen aus der Digitalisierung auf.

Schon das Bargeld wird es bald nicht mehr geben. Manche Banken nehmen große Mengen Kleingeld nur noch gegen eine Gebühr an – der digitale Zahlungsverkehr wird kommen. Die Vorbereitungen dazu haben bereits begonnen. Heutzutage zahlt fast jeder zweite Mensch mit einer Kreditkarte oder der App auf dem Handy. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann alle Menschen mit einem implantierten Chip im Arm einkaufen. Die Schweden testen dieses Verfahren zurzeit. Auf diese Weise werden die Bankfilialen und Bankangestellten überflüssig. Doch was ist mit den Lehrern und dem Hausarzt? Es gibt ihn schon, den Arzt im Netz. Die Behandlung ist online möglich und das Rezept oder das Medikament werden am nächsten Tag geliefert. Worauf Sie allerdings achten sollten, haben wir in einem eigenen Artikel (siehe Link oben) zum Thema „Der Arzt im Netz ist nicht immer echt“ für Sie zusammengefasst.

Schule ohne Kinder

Fast jedes Grundschulkind besitzt ein Handy, damit die Eltern und Kinder stets in Kontakt bleiben. Alle Kinder lernen in der Schule, wie ein Computer bedient wird, aber ein Teil der Erstklässler erwirbt dieses Wissen zu Hause. Mittlerweile kommunizieren auch die Lehrer und die Eltern über das Netz. Leider fällt immer mehr Unterricht aus, weil Lehrer krank und überfordert sind oder einfach fehlen. Die Eltern sehen die lückenlose Versorgung ihrer Kinder gefährdet. Aufgrund dessen melden sie ihre Kinder an Privatschulen an und zahlen viel Geld dafür. Zusätzlich boomt die Nachhilfe. Zudem werden zahlreiche Lehrer verrentet, doch es kommen nur wenig Junglehrer nach. Womöglich wird es bald ein verändertes Schulsystem geben, mit einem Lehrer im Netz. Schließlich gibt es schon lange die Fernuniversitäten. Fernunterricht kann die Lösung sein, denn in der digitalen Welt wandeln sich auch die Berufsbilder.

Elektronische Helfer verändern die Berufe

In der Autoindustrie sind die Roboter schon seit Jahren im Einsatz, aber die Technik hat sich weiter entwickelt. Jetzt befördert eine Drohne Päckchen auf dem Luftweg und löst den Briefträger ab. Demnächst fährt ein Roboter allein durch die Stadt und liefert die Ware aus. Sogar führerlose Autos werden getestet, sodass das Berufsbild Busfahrer in Zukunft veraltet ist. Die Zukunft der neuen Berufe ist in der IT-Branche zu finden. Schließlich müssen die Drohnen und Roboter von den Informatikern programmiert werden. Zudem schützen die Unternehmen ihre Daten, indem sie Sicherheitstechniker einstellen.

Die neueste Vision der Informatiker ist, dass der Mensch und die Computer miteinander kommunizieren können. So kann demnächst ein einziges Programm ein komplettes Büro organisieren und übernimmt die Aufgaben der Büroangestellten. Diese Berufe werden in Zukunft gebraucht: Die Berufsfelder IT, Elektro, Medien und Technik haben Potenzial. Um diese Potenziale zu för,dern sind aus Sicht der Industrie- und Handelskammern (IHK‘s) einige Grundvoraussetzungen zu erfüllen.

Flexibilität ermöglichen

Durch den Einsatz neuer Technologien ergeben sich erhebliche Chancen für Wachstum, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Aus Sicht der IHK-Organisation offenbart auch der Blick auf die Arbeitswelt und die Arbeitsorganisation in den Betrieben große Chancen. Dies gilt zum Beispiel für orts- und zeitflexibles Arbeiten. Der Einsatz moderner Kommunikationsmittel ermöglicht es bei unterschiedlichen Tätigkeiten, dass Beschäftigte mobil arbeiten – zum Beispiel von zu Hause im „Home-Office“. Das erlaubt gleichzeitig eine höhere Zeitsouveränität der Beschäftigten.

Der technische Fortschritt bringt es mit sich, dass manche Tätigkeiten und Berufe im Zeitverlauf verschwinden und an anderer Stelle neue entstehen. Horrorszenarien, nach denen infolge der Digitalisierung künftig in massivem Ausmaß Jobs wegfallen, sind allerdings unbegründet. Schon heute hat in Deutschland in vielen Bereichen die Digitalisierung Einzug gehalten und gleichzeitig liegt die Beschäftigung auf Rekordniveau. Allerdings werden sich die Anforderungen an die Kompetenzen und Qualifikationen der Beschäftigten ändern. Wissen veraltet schneller, Problemlösungs- und Digitalkompetenzen gewinnen an Bedeutung. Mehr als jedes zweite Unternehmen sieht steigende Qualifikationsanforderungen an seine Mitarbeiter als Folge der Digitalisierung in den kommenden Jahren.

Kleine Unternehmen nicht vergessen

Insgesamt ist es notwendig, bei der Diskussion rund um das Thema Digitale Arbeitswelt gerade die Belange der KMU nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Gegensatz zu größeren Unternehmen fühlen sich viele von ihnen von den Folgen (noch) nicht betroffen, müssen sich aber künftig entsprechend anpassen. Die technische Entwicklung mit neuer Hard- und Software vollzieht sich rasant. Für KMU kann es schwer sein, hierbei Schritt zu halten – sowohl organisatorisch, personell als auch finanziell. Aus diesem Grunde ist es nötig, hier entsprechende Information und Hilfestellung zu leisten, statt voreilig neue Hürden zu errichten.

Autor: Birger Dellmann

Bild: CEBIT

Im Überblick

Durch die Digitalisierung wird die Arbeitswelt von morgen durchlässiger zwischen den Berufszweigen. Zudem stellt das ortsunabhängige Arbeiten Unternehmen vor die Herausforderung über neue Möglichkeiten der Organisation von Arbeit nachzudenken. Eng damit verbunden sind auch Veränderungen in der Führung von Mitarbeitern, die nicht mehr „real“ am Arbeitsplatz in der Firma sein müssen, sondern zum Beispiel zu „virtuellen Teams“ ohne festen Arbeitsplatz zusammengestellt werden können.