Motiviert bis zum Burnout

p395289 NEUNsight Februar 2018

Wer kenn sie nicht, die bis in die Haarspitzen (über-)motivierten Berufsanfänger, denen keine Aufgabe zu groß und die jede an sie gestellte Anforderung mit einem freudigen „Ja mache ich Chef“ aufnehmen. Dabei kann die übersteigerte Motivation zu ernsthaften Erkrankungen bis hin zum vollständigen Burnout führen. Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht – allerdings kommen dieser nur wenige Unternehmen nach!

Motivation im Beruf ist sicher von Vorteil, doch zu viel Leidenschaft kann auch schädliche Auswirkungen haben. Denn was oft nach Berufung, Glück oder Erfüllung klingt, wird nicht nur von Experten durchaus kritisch betrachtet. Ein Zuviel an Motivation im Beruf sorgt bei vielen Arbeitnehmern aber auch Freiberuflern dafür, dass andere ebenfalls wichtige Lebensbereiche sträflich vernachlässigt werden. Wer also ständig für den Job brennt, muss sich nicht wundern, wenn Familie, Freunde, der Partner oder die Erholung in der Freizeit langfristig darunter leiden können.

Übergänge sind fließend

Die Selbstverwirklichung gilt heute vielen als hoher Anspruch, wenn es um das Erreichen von beruflichen Höchstleistungen geht. Der Übergang zwischen Motivation und Einsatz im beruflichen Bereich einerseits und der Gefahr eines Burnouts andererseits ist oftmals fließend und wird von den Betroffenen oft erst dann bemerkt, wenn es bereits zu spät ist. Dann kann das Ganze schnell kippen und die unangenehmen Folgen sind Frustration und Unzufriedenheit. An diesem Punkt geht dann die Suche nach der vermeintlich wahren Berufung wieder von vorne los. Obwohl es also heute als durchaus erstrebenswert gilt, für den Job zu brennen ist die Kehrseite etwas Unkontrollierbares. Auch das Getrieben sein als kleines Rädchen im Getriebe eines Unternehmens kann zu Demotivation und Unzufriedenheit führen. Vor allem dann, wenn Mitarbeiter trotz Überstunden und erhöhtem Einsatz von ihrem Gehalt kaum leben können.

Unbewusst in den Burnout

In einer Studie zur Arbeitsmotivation aus dem Jahre 2016 wurden diese Zusammenhänge bereits herausgearbeitet. Hierbei ist auch zutage getreten, dass sich viele Arbeitnehmer gar nicht bewusst sind, dass zu viel Motivation sich auch ins Gegenteil umschlagen und eine gesundheitliche Gefahr darstellen kann. Denn wenn ein Burnout droht, wird das von den Betroffenen bis kurz vor der Phase des Zusammenbruchs oft gar nicht wahrgenommen. Gut gemeinte Ratschläge aus der Familie oder vom Partner werden dabei ignoriert.

Die Studie hat aber auch ergeben, wie moderne Arbeitgeber die Motivation ihrer Beschäftigten steigern können, ohne dass dies zu gesundheitlichen Einschränkungen führen muss. Dazu gehören insbesondere ein individuelles Zeitmanagement, das Übertragen von mehr Eigenverantwortung sowie die Einführung von Vertrauensarbeitszeiten. Denn schließlich geht es den Arbeitgebern auch um den Wettbewerb für gefragte Fachkräfte.

Arbeitgeber in der Fürsorgepflicht

Wer sich als Arbeitgeber die Work-Life-Balance als Kernkompetenz für seine Beschäftigten auf die Fahne geschrieben hat, kann die Motivation im Betrieb ungemein steigern, ohne dadurch negative Auswirkungen auf die Arbeitnehmer befürchten zu müssen. Allerdings sind Work-Life-Balance-Maßnahmen bisher hauptsächlich in Großunternehmen zu finden, der klassische deutsche Mittelstand hinkt noch deutlich hinterher. In Zukunft wird aufgrund des Fachkräftemangels und dem gleichzeitigen „War of tatents“ diese Diskrepanz eher größer als kleiner.

Übergroße Leidenschaft im und zum Job ist nach den Ergebnissen der Studie zur Arbeitsmotivation auch gar nicht unbedingt erstrebenswert, eher ein nachhaltiges Gefühl der Zufriedenheit. Denn damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die Arbeit zwar wichtig, aber eben nicht der einzige Lebensinhalt sein sollte. Wer seine Fähigkeiten gut einsetzen kann, aus tiefster innerer Überzeugung wirklich gerne zur Arbeit geht und wenn dann auch noch das Gehalt stimmt, hat schon eine maximale Chance für Arbeitszufriedenheit erreicht. Wenn jedoch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben auf Dauer leidet und daran innerbetrieblich nichts geändert werden kann, sollte seine Motivation überdenken und auch einen Jobwechsel in Betracht ziehen.

Dazu passen auch die Ergebnisse einer Studie der Harvard Business School (HBS), in der weltweit 4000 Führungskräfte zum Thema Work-Life-Balance befragt wurden. Viele Teilnehmer der Studie geben an, dass es fast unmöglich sei, gleichzeitig ein bereicherndes Familienleben, Hobbies und eine beeindruckende Karriere zu haben. Selbst den engagiertesten Führungskräften kann es passieren, dass eine oder mehrere der drei Säulen aus Beruf, Familie/Partnerschaft oder Freunde/Hobbies wegbricht oder zumindest unter Druck gerät.

Autoren: Michael Storks / Hannelore Brecht

Bild: Pixabay (CCO)

Im Überblick

Ein zu viel an Motivation ist schädlich, einerseits für den Mitarbeiter selbst und für das Unternehmen, das langfristig befürchten muss, psychisch und physisch kranke Mitarbeiter kurzfristig mit einem enormen personellen und finanziellen Aufwand ersetzen zu müssen. Dabei sind bereits kleine Veränderungen im Arbeitsalltag von Vorteil, um die Work-Life-Balance voran zu bringen und die eigenen Mitarbeiter zu schützen.